Nine Inch Nails

Band

Nine Inch Nails (engl. für „Neun-Zoll-Nägel“, abgekürzt NIИ) wurde 1988 in Cleveland, Ohio (USA) von Trent Reznor gegründet – nicht als herkömmliche Band, sondern als Musikprojekt, das ausschließlich der Realisierung seiner musikalischen Ideen dient.

Im Studio sind weitere Musiker und Tontechniker lediglich als Assistenten gefragt, da Reznor die meisten Instrumente selbst einspielt. Auf Konzertbühnen unterstützen ihn weitere Musiker, wodurch Nine Inch Nails nur in der Live-Umgebung als Band angesehen werden kann.

Geschichte

Namensgebung

Bevor er mit 23 Jahren Nine Inch Nails gründete, spielte Trent Reznor in etlichen lokal bekannten Bands, in welchen er sich jedoch nie frei genug fühlte, um eigene musikalische Ideen in befriedigendem Maße umzusetzen. Wie Trent Reznor auf den Namen Nine Inch Nails kam, erklärt er augenzwinkernd im folgenden Zitat:

Die ersten Veröffentlichungen

Das erste Album Pretty Hate Machine war musikalisch noch sehr stark vom New Wave der 80er Jahre und von den aufkommenden Synthiesounds beeinflusst, erschien am 20. Oktober 1989 und erreichte bis heute dreimal Platinstatus in den USA. Es wurden die drei Singles Head like a Hole, Down in It und Sin ausgekoppelt. Der Musiksender MTV spielte Head like a Hole häufig, was den Bekanntheitsgrad der Band erhöhte. Das Video zu Sin wurde von Reznors damaliger Plattenfirma nicht freigegeben und feierte erst Jahre später auf der Nine-Inch-Nails-Musikvideo-Kompilation Closure offiziell Premiere.

Die zweite große Veröffentlichung von Nine Inch Nails erschien 1992. Broken ist eine EP mit sechs Titeln und zwei versteckten Songs (Physical, ein Adam-and-the-Ants-Cover, sowie Suck). Das Lied Wish gewann in der Kategorie Best Metal Performance einen Grammy. Im selben Jahr wie Broken erschien mit Fixed eine Remix-EP, auf dem Reznor und Musikerkollegen die Tracks der Vorgänger-EP völlig neu mixten.

The Downward Spiral & The Fragile

1994 veröffentlichte die Band das Konzeptalbum The Downward Spiral und erreichte damit bis heute vierfachen Platinstatus in den USA. Die erste Single des Albums war March of the Pigs. Das Album erlebte mehrere Popularitätsschübe. Vor allem die zweite Single-Auskopplung Closer war auch kommerziell erfolgreich und hielt sich 22 Wochen in den US-amerikanischen Singlecharts. Das letzte Lied des Albums, Hurt, wurde im Jahr 2002 sehr erfolgreich von Johnny Cash gecovert. Ein Jahr später erschien mit Further Down the Spiral das Remix-Äquivalent.

Während der fünf Jahre zwischen den Alben The Downward Spiral und dem Nachfolgealbum The Fragile kämpfte Trent Reznor mit Depressionen, sozialen Ängsten und einer Schreibblockade. Zusätzlich litt er unter dem Tod seiner Großmutter. In der Fragile-Ära (circa 1999–2002) wurde Reznors Kokain- und Alkoholabhängigkeit bekannt. Nach einer Entziehungskur wurde er clean. Es wurden dabei drei Singles veröffentlicht, nämlich The Day the World Went Away in den USA und Europa, We’re in This Together in Europa und Japan und Into the Void in Australien. Im Jahr 2000 erschien die Remix-EP Things Falling Apart. 2002 folgte die Live-CD/DVD/VHS And All That Could Have Been.

With Teeth & Year Zero

Das nächste Studioalbum With Teeth erschien im Frühjahr 2005 und stieg sofort auf Platz 1 der amerikanischen Billboard Charts ein. Als Singles wurden in Europa The Hand That Feeds, Only und Every Day Is Exactly the Same ausgekoppelt. Der ehemalige Nirvana-Schlagzeuger und Gründer der Foo Fighters, Dave Grohl, tritt bei einigen Stücken als Gastschlagzeuger auf. Am 23. Februar 2007 erschien mit Beside You in Time ein Live-Album der US-amerikanischen Wintertour 2006 in High Definition und 5.1-Sound auf DVD, HD DVD und Blu-ray Disc.

Das nachfolgende Studioalbum Year Zero erschien Mitte April 2007, wurde jedoch bereits am 4. April 2007 zum Probehören auf der offiziellen Webpräsenz von Nine Inch Nails als Stream angeboten. Es handelt sich um ein Konzeptalbum, das die Welt im Jahre 2022 (im „Year-Zero“-Konzept als Jahr 0000 bezeichnet) beschreibt:

Worin viele ein virales Marketingkonzept vermuteten, ist laut Reznor bereits Teil der Year-Zero-Erfahrung. Das komplexe Albumkonzept beschränkt sich damit nicht auf den Inhalt der CD, sondern wird auf das Internet ausgeweitet, indem etliche Websites aus jeweils verschiedenen Perspektiven die Zukunft, die Reznor im Sinn hat, beschreiben.

Am 20. November 2007 erschien in den USA das Remix-Album zu Year Zero unter dem Titel Y34RZ3R0R3M1X3D.

Ghosts I–IV & The Slip

Am 16. Februar 2008 veröffentlichte Trent Reznor auf seiner Website einen Nachrichtenartikel mit der Überschrift „2 Weeks“ („2 Wochen“). Zwei Wochen später schließlich, am 2. März 2008, wurde überraschend ein komplett neues Studio-Doppelalbum mit dem Titel Ghosts I-IV, welches insgesamt 36 Stücke beinhaltet, unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.

Das Doppelalbum wurde in nur zehn Wochen Studioarbeit produziert und enthält ausschließlich Instrumentalstücke. Es wurden ähnliche Vertriebswege eingeschlagen wie bei dem Album The Inevitable Rise and Liberation of NiggyTardust! von Saul Williams, welches von Trent Reznor produziert wurde. Man hat die Wahl zwischen einer kostenfreien Download-Version, welche nur die ersten 9 Stücke beinhaltet, und des kompletten Albums, wahlweise im MP3-, FLAC- oder Apple Lossless-Format.

Im April 2008 veröffentlichten Nine Inch Nails verschiedene Fotos auf Flickr, u. a. Fotos von Josh Freese und Robin Finck in einem Aufnahmestudio. Am 22. April begannen mehrere US-Radiostationen damit, einen neuen Nine-Inch-Nails-Song mit dem Namen Discipline zu spielen, am gleichen Tag wurde das Lied auch als freier Download als MP3 und alle Multitrack-Dateien veröffentlicht. Am 5. Mai 2008 erschien The Slip schließlich zum kostenfreien Download unter der Creative-Commons-Lizenz.

Auszeit

Am 16. Februar 2009 gab Trent Reznor auf der Webseite der Band bekannt, dass sie sich voraussichtlich nach einer Welttournee eine Auszeit nehmen werden. Dazu gab Reznor an, dass er seit einiger Zeit darüber nachdenke, NIN nun für „einige Zeit“ von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Die letzte Tour sei in physischer wie auch technischer Hinsicht sehr anstrengend gewesen. Vorher wurde allerdings noch eine Tour mit der Alternative-Rock-Band Jane’s Addiction durchgeführt.

2010 komponierte Reznor zusammen mit Atticus Ross die Filmmusik für den Film The Social Network von David Fincher. Für den Soundtrack erhielten er und Ross zahlreiche Auszeichnungen (u.a. Oscar). Ende 2011 zeichnete sich ein Ende der Auszeit ab, als Reznor in einem Interview die Wiederaufnahme der Arbeit mit Nine Inch Nails für 2012 in Aussicht stellte. Dies geschah aber noch nicht, da Trent Reznor mit seiner anderen Band How to Destroy Angels beschäftigt war. Er beendete die Auszeit mit der Twenty Thirteen Tour, mit der er vom 26. Juli 2013 bis 30. August 2014 unterwegs war.

Hesitation Marks

Am 3. September 2013 wurde das neue Album Hesitation Marks veröffentlicht. Die erste Single Came Back Haunted, bei der David Lynch im Video Regie führte, ist bereits vorher erschienen.

Ein Live-Auftritt der Band bei der Tension-2013-Tour sollte als DVD und Blu-ray im Jahr 2014 veröffentlicht werden, der Film konnte schon im Vorfeld auf YouTube sowie Dailymotion angeschaut werden.

In Zusammenarbeit mit Russel Mills ist am 16. Dezember 2015 ein Artbook für das Album Hesitation Marks erschienen.

Rezeption

Die Medien, nicht Trent Reznor, ordnen seinen Musikstil meistens dem Industrial Rock zu, wobei Nine Inch Nails’ klangliches Spektrum weitaus größer ist. Die Gruppe wurde von einigen vergleichbaren Bands und Vorbildern wie Skinny Puppy oder KMFDM teils kritisch gesehen; cEvin Key findet The Downward Spiral eher belanglos und stößt sich an Reznors „OGREismen“ [sic!]. Bill Leeb von Front Line Assembly warf Reznor zudem Diebstahl vor:

Zenith von Nine Inch Nails’ Industrial-Rock-Zeit war The Downward Spiral, danach wurden diese Einflüsse zurückgenommen. Die Musik auf dem Ende der 1990er Jahre veröffentlichten Doppelalbum The Fragile ist vielmehr eine Mischung aus Alternative Rock und der damalig boomenden Electronica-Musik; nur wenige der 23 Lieder entsprechen noch dem Industrial Rock.

Im Jahr 2015 wurde das Projekt Nine Inch Nails vom Rolling Stone auf Platz 94 der 100 größten Musiker aller Zeiten gewählt.

Diskografie

Studioalben

  • Pretty Hate Machine (1989)
  • The Downward Spiral (1994)
  • The Fragile (1999)
  • With Teeth (2005)
  • Year Zero (2007)
  • Ghosts I-IV (2008)
  • The Slip (2008)
  • Hesitation Marks (2013)

EPs

  • Broken (1992)
  • Not the Actual Events (2016)
  • Add Violence (2017)

Remix-Alben

  • Fixed EP (1992)
  • Further Down the Spiral (1995)
  • Things Falling Apart (2000)
  • Y34RZ3R0R3M1X3D (2007)

Besetzung bei Live-Auftritten

Erste Live Shows 1988

  • Chris Vrenna - Keyboard
  • Ron Mussara - Schlagzeug

„Hate 1990“

  • Richard Patrick – Gitarre
  • Nick Rushe - Keyboard (Jan-März 1990)
  • David Haymes - Keyboard (März-April 1990)
  • Lee Mars - Keyboard (Mai 1990-Feb 1991)
  • James Woolley - Keyboard (restliche Tour)
  • Chris Vrenna – Schlagzeug (zu Beginn der Tour)
  • Jeff Ward – Schlagzeug (restliche Tour)

„Self Destruct Tour“ – 1994–1995

  • Robin Finck – Gitarre
  • Danny Lohner – Bass, Gitarre, Keyboard
  • Chris Vrenna – Schlagzeug
  • James Woolley – Synthesizer (1994)
  • Charlie Clouser – Synthesizer (1995)

„Fragility 1.0 & 2.0 Tour“ − 1999–2000

  • Charlie Clouser – Synthesizer
  • Jerome Dillon – Schlagzeug (NearLY)
  • Robin Finck – Gitarre
  • Danny Lohner – Bass, Gitarre, Synthesizer

„Live With Teeth“ – 2005–2006

  • Alessandro Cortini – Keyboard
  • Aaron North (Ex-The Icarus Line) – Gitarre
  • Jeordie White (Marilyn Manson, A Perfect Circle) – Bass
  • Jerome Dillon – Schlagzeug (NearLY)
  • Alex Carapetis – Schlagzeug (7. Oktober - 1. Dezember 2005; Krankheitsvertretung von Jerome Dillon)
  • Josh Freese – Schlagzeug (4., 5. Oktober, seit 6. Dezember 2005)

Performance 2007

  • Alessandro Cortini – Keyboard
  • Aaron North (Ex-The Icarus Line) – Gitarre
  • Jeordie White – Bass
  • Josh Freese – Schlagzeug

Lights In The Sky Over North America 2008 / South America 2008

  • Alessandro Cortini – Keyboard
  • Robin Finck – Gitarre
  • Justin Meldal-Johnson – Bass
  • Josh Freese – Schlagzeug

Wave Goodbye 2009

  • Robin Finck – Gitarre
  • Justin Meldal-Johnson – Bass und Keyboards
  • Ilan Rubin – Schlagzeug und Keyboards

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