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CD-Review

Anthropozaen

Artikel veröffentlicht am 08.09.2012 | 1153 mal gelesen

Bei GRATWANDERUNG handelt es sich um das sehr junge Projekt (Ende 2011 gegründet) zweier Herren aus Trier, das mit dem 4 Song-Demo "Anthropozaen" ein erstes Lebenszeichen vorlegt. Die schwarzmetallische Grundausrichtung wird dabei durch elektronische Elemente sowie Post Rock-Versatzstücke bereichert, wie die von der Band angegebenen Einflüsse (ALCEST, MOGWAI, GOD IS AN ASTRONAUT) belegen. Textlich beschäftigen sich GRATWANDERUNG gemäß des gewählten Titels (bei "Anthropozaen" handelt es sich um den - zu Recht! - umstrittenen Terminus für das gegenwärtige Erdzeitalter; ganz nebenbei müsste es wohl "Anthropozän" heißen, die im Artwork verwendete Schriftart gibt wohl keine Umlaute her) mit der Auswirkung menschlichen Handelns auf die Umwelt. Die Texte liegen mir jedoch nicht vor, zu verstehen sind sie leider auch nur in Bruchstücken.

Dann wollen wir doch mal hören. Der Opener "Parasit Mensch" beginnt mit einem netten Synthesizer-Intro - nichts sonderlich Spektakuläres, ich habe aber auch schon deutlich Schlimmeres gehört. Dazu gibt es ein paar gesprochene Worte, die - im deutschsprachigen Black Metal keine Seltenheit - ein "Faust"-Zitat enthalten. Nach dieser Spielerei bricht die Black Metal-Raserei los. Programmierte Blastbeats treffen auf schneidende Gitarren - das weiß im Grundtenor durchaus zu gefallen! Leider sind die musikalischen Motive über das gesamte Demo ziemlich nichtssagend, was ich einem solch jungen Projekt durchaus zu verzeihen bereit bin - aber um sich echtes Gehör zu verschaffen, fehlt dann doch noch ein ganzes Stück.

Ganz im Gegensatz dazu können sich die singenden Lead-Gitarren bei mir Gehör verschaffen - die sind nämlich arg verstimmt und lassen mich entsetzt aufhorchen. Doch bevor ich noch länger darüber nachdenken kann, endet "Parasit Mensch" mit weiteren Synthesizern und "Am Grat" beginnt. Hier gibt es keine Extravaganz, sondern nur schleppenden Black Metal mit einigen Doublebass-Abschnitten, die in erster Linie dadurch auffallen, dass die Doublebass den ansonsten wirklich vorzeigbaren Sound zersäbelt (ein bisschen viel Kompressor, die Herren!). Windschiefe Leads gibt's auch hier, davon abgesehen ist "Am Grat" der wohl am wenigsten spektakuläre Song des Demos.

Interessanter wird es wieder mit "Festung Fabrik": Dieses Stück beginnt mit feinen Streichern und Akustikgitarren, bevor zum ersten Mal so richtig der Post Rock zu hören ist. Schade ist dabei lediglich, dass die Lead-Gitarren zwar nicht in der Stimmung, aber im Timing daneben liegen und im Konflikt mit den zackigen Drums nicht unbedingt kompakt wirken. Toll dagegen sind die Elektronik-Elemente, die sehr technoid klingen und dem Song so eine kühl-sterile Atmosphäre verleihen. Im Grunde könnten das auch die Synthesizer im abschließenden "Unter Strafe" - wären da nicht wieder die schrägen Leads (zum Teil mit einem Flanger drauf, was den Eindruck noch verstärkt) und das einzige groovige Riff des Demos, das aber auch direkt in die Hose geht, weil es wieder am Schlagzeug vorbeispielt.

Der Gesamteindruck "Anthropozaen"s ist also gemischt: Es gibt einige gute Ansätze - insbesondere die Synthesizer zeigen enormes Potential -, atmosphärisch jedoch kann der Post Rock nicht auftrumpfen, die schwarzmetallischen Riffs den Karren aber auch nicht aus dem Dreck ziehen. Dazu kommen einige technische Defizite, die mir schon ein wenig die Freude an den dreiundzwanzigeinhalb Minuten genommen haben. Ich würde den Jungs von GRATWANDERUNG empfehlen, ihren Weg auf jeden Fall weiterzugehen - "Anthropozaen" ist jedoch zu unausgereift, so dass sich das Potential nur in Ansätzen erahnen lässt. Lasst euch mit eurem nächsten Output etwas mehr Zeit, um einen atmosphärisch zwingenderen Ausdruck zu finden und ihn technisch in einwandfreie Form zu gießen.


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melden Burzgrokash (unregistriert) | 09.09.2012 | 11:50 Uhr

Der Kommentar zur Schreibweise von "Anthropozaen" tut hier absolut nichts zur Sache. Es bleibt der Band überlassen, wie sie ihre CD schlussendlich nennt. Hier wollte man es anscheinend mit "ae" anstatt "ä" schreiben.