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Netra - Mélancolie Urbaine

Netra

"Mélancolie Urbaine"
CD-Review, 3126 mal gelesen, 29.01.2011 Wertung 08/10

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Sørbyen

Artikel veröffentlicht am 10.10.2012 | 1712 mal gelesen

Dass man aus Gründen des Unwohlfühlens von Frankreich nach Norwegen umsiedelt, kann ich gut verstehen. Das etwas süßliche Leben in der Bretagne gegen das in der Einöde Skandinaviens einzutauschen, ist ein kultureller Spagat, der sich sowohl in dem erst auf den zweiten Blick sehr coolen Cover, als auch in der Musik von Alleinunterhalter NETRA widerspiegelt. Auf jeden Fall ist es einer, der gut funktioniert.

Dieses zweite NETRA-Album "Sørbyen", von epischen 70 Minuten Länge, kombiniert die flirrenden, rohen Gitarren des Black Metal mit entspannten Trip Hop-Beats und traurigen Keyboardmelodien, keifige Stimmausbrüche mit etwas wackeligem, aber authentischem Klargesang, düstere urbane Melancholie mit der weiten Fläche einsamer Schneelandschaft - eben Baskenmütze mit arktischen Temperaturen. Das gibt es in Kombination ("A Dance With The Asphalt"), mit eher hartem Schwerpunkt ("Streetlamb Obsession"), in fast rein elektronisch ("It's Kicking In"), instrumental mit schönen, postrockigen Schwebegitarren ("emlazh") oder mit großen Refrains ("Wish She Could Vanish").

Natürlich kann man da nicht umhin, auch mal an ALCEST zu denken, liegt damit aber stilistisch falsch. NETRA orientiert sich eher beispielsweise ULVER zu Zeiten von "Perdition City" oder sogar noch "The Marriage Of Heaven Hell", teilweise erinnern die Arrangements auch ganz deutlich an ältere PLACEBO ("Crawling"). Immer wieder gerne genommen, weil's so super funktioniert: neckische Effekte und lange Sprachsamples mit nachdenklichem Inhalt - hier dreisprachig in Französisch, Englisch und Norwegisch.

Thematisch nimmt man NETRA also die mitunter verzweifelte Einsamkeit eher ab, als so manchem Black Metal-Misanthropen. Das spricht auf jeden Fall dafür, dass schneller, härter und böser nicht immer die erste Wahl sein muss, wenn es um den Ausdruck pessimistischer Lebenseinstellungen geht. Woran man auf jeden Fall noch arbeiten könnte, wäre der relativ plastikhafte Sound, der zu hörbar den eigenen vier Wänden entstammt. Für die Drum-Parts würde sich sicherlich ein fleischlicher Drummer besser eignen, und überhaupt könnte ein bisschen mehr Tiefe der Produktion und vor allem dem Gesang sehr gut tun.


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