Bitte loggen Sie sich ein um einen Kommentar verfassen zu können.

Amazon-Empfehlung
Metal.de auf Facebook
CD-Review

宙海 / Infinity

Artikel veröffentlicht am 26.01.2013 | 1554 mal gelesen

Der Aufschwung in China ist wirtschaftlich gerade etwas ins Stocken geraten. Das ist noch ganz erträglich verglichen mit der Metalszene in diesem unfassbar riesigen Land, die verhältnismäßig klein ist. Im Black Metal ist es besonders wild: Da gabs niemals so etwas wie einen Aufschwung. Das Metal Archive zählt rund 30 aktive Black Metal-Bands, von denen vermutlich drei Viertel vor allem wild plagiierende Truppen mit so klingenden Namen wie MIDWINTER, GENOCIDE, FROZEN MOON oder NAGZUL sind.

Da wirkt eine Band wie SCREAMING SAVIOR aus Shanghai mit ihrem sinfonischen, melodischen Black Metal, der dazu auch noch vergleichsweise eigenständig ist, gleich doppelt exotisch und auch qualitativ gefestigt. Neben der Verwendung von chinesischen Texten wirkt der Sound der Truppe generell zwar deutlichst europäisch geprägt, aber doch in Harmonik und auch Performance subtil fremdartig - gut nachzuhören im furiosen Opener "Star Of Infinity", der mit tollen Gesangslinien besticht.
Orientiert sind SCREAMING SAVIOR vor allem an Genregrößen wie LIMBONIC ART und mitunter neueren EMPEROR (gerade sowohl harscher als auch klarer Gesangsstil sind schon eng an Ihsahn angelehnt), wobei sich der sterile Sound und das zumindest optisch umgesetzte Weltraumkonzept an erstere, Songstrukturen und massive Orchestrierung an letztere hält. Einflüsse aus der chinesischen Musik, in den Harmonien oder Instrumentierung, gibt es leider nur sehr leicht angedeutete (wie die Violine in "Ode To The Expedition"). Das hätte ich reizvoll gefunden, ist aber stilistisch in einer zutiefst nordeuropäisch geprägten Musik auch schwer unterzubringen.

So begnügen sich SCREAMING SAVIOR mit den üblichen Zutaten: Drums zwischen groovig und sehr fix, Gitarren, die meist als Rhythmus- und Akkordfundamente dienen und sich seltener mit Soli über den Rest der Musik erheben (Ausnahme: das heftig proggende "Across The Boundary Of Cosmos") , und vor allem eine Menge sehr sehr massiver Keyboards. Diese bestimmen sowohl Arrangements als auch Atmosphäre der Stücke, schaffen es aber nicht, den Liedern einen roten Faden zu verleihen. Leider verliert sich die Band im rund fünfzigminütigen Verlauf des Albums in ihren BAL SAGOTHesken Epen und vergisst dabei gerade ab dem zweiten Drittel, dass es eigentlich um gute Songs gehen sollte. Die finden sich auf "Infinity" kaum, dafür aber eine Menge gutklassiger Ideen - bestes Beispiel ist "Curse The Dreamland", das völlig zerfahren wirkt, aber durchaus gefällige Ideen enthält.

Damit ergeben sich für SCREAMING SAVIORs Zweitwerk gerade in den Details wie dem hübschen Frauengesang, den netten Chorpassagen und den sinfonischen Elementen positive Aspekte, während es an den Grobstrukturen und gerade der Fähigkeit, packende Songs zu schreiben, noch hapert. Den schwächelnden Konjukturmotor können die Chinesen auch mit zwei durchaus unterhaltsamen Orchester- und 8 bit-Versionen zweier Albumsongs als Bonus auch nicht mehr in Gang bringen. Trotzdem sollte man die Truppe als Liebhaber des Genres mal peripher im Blickfeld behalten.


Kommentare




Noch 1000 Zeichen verfügbar





neuen Code erzeugen
Bitte gib den Bestätigungs-
code ein um den Kommentar
zu bestätigen: