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Stilla - Ensamhetens Andar

Stilla

"Ensamhetens Andar"
CD-Review, 5260 mal gelesen, 03.02.2014 Wertung 10/10

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24.11.2013

Die schwedischen Old School Black Metaller STILLA haben erste Details zu ihrem zweiten Album bekanntgegeben, dem Nachfolger des 2012er-Debüts...


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CD-Review

Till Stilla Falla

Artikel veröffentlicht am 27.03.2013 | 5789 mal gelesen

Durch die Tür des düsteren Holzhauses lasse ich eine Welt aus uralten Tannen, mannshohen Schneetürmen und vollkommener Einsamkeit kurz hinter mir und trete ein in einen Kosmos aus verglimmendem Kaminfeuer, rauchigem Mobiliar und schweren Rentierfellen. Der unirdische Nostalgiezauber dieser Atmosphäre nimmt mich sofort gefangen. An den dunklen Holzwänden flackern die Schatten leidenschaftlicher Feuer, durch die zugigen Fenster weht kalter Wind aus Blashyrkh hinein und lässt die verwitterten Fensterläden klappern, und auf dem grob behauenen Tisch liegen ein paar oft gehörte, liebgewonnene LPs. Ich schaue genauer hin. Da, diese Steinlandschaft im Sonnenuntergang, das ist KVISTs fast vergessenes Meisterwerk "For Kunsten Maa Vi Evig Vike". Die fast ganz schwarze Plattenhülle mit dem wunderschön verschnörkelten Logo und dem immer irgendwie unfassbar gebliebenen Motiv, die kann nur DØDHEIMSGARDs "Kronet Til Konge" beherbergen. Im Halbdunkel erkenne ich noch verschiedene, für die meisten schon lange in den nebligen Tiefen der Erinnerung verschwundene Alben der Glanzzeit norwegischen Black Metals - TULUS' "Pure Black Energy" und "Mysterion", ISVINDs "Dark Waters Stir". Da weiß ich, dass dieses Haus etwas Besonderes beherbergt, dass seine Bewohner hier an etwas Großem brüten. Sie werden es aber niemals etwas Großes sein lassen, sie werden sich das Lob dafür anhören, wissend lächeln und auf den Boden schauen. Was für ein schöner Traum.

Dass etwas Großartiges entstehen würde, wenn DE ARMA/LÖNNDOM/ex-ARMAGEDDA-Tausendsassa Andreas Pettersson und BERGRAVEN-Vordenker Pär Stille gemeinsam mit DE ARMA-Drummer Johan Marklund und DERANGED-Basser Andreas Johansson eine herb in den 90ern verwurzelte Black Metal-Band gründen - das war sicherlich klar. Wie gut STILLAs Debütalbum "Till Stilla Falla" aber werden würde, und wie weit das sympathische Understatement der Musiker gehen würde - das ist überraschend. Wäre "Till Stilla Falla" vor 16, 17 oder gar 20 Jahren erschienen, es hätte einen ganzen Stil mitbegründet. Auch 2013 lässt das Album allerdings Träume wahr werden. Die Träume von Menschen, denen die Magie der Anfangszeit des avantgardistischen norwegischen Black Metals fehlt. Und mit ihr die windigen Schrammel-Gitarren mit den bezaubernd schrägen Melodien, der brummelnde und sein eigenes Süppchen kochende Bass, das angenehm zweckdienliche und ohne jede Form von Triggern auskommende Schlagzeug, der knurrige Gesang, die spukenden Keyboardeinsätze. STILLA ist durchzogen von dem verschrobenen Geist BERGRAVENs und dabei so naturnah und trollig wie LÖNNDOM.

Wunderschön ist, dass "Till Stilla Falle" mitnichten ein Retroalbum ist. Das hieße, es sei seelenlos und erschiene äußerlich wie etwas viel Älteres. Es ist aber voller Seele von etwas viel Älterem, und seine äußere Erscheinung hat sich daran angeglichen. Zu den wohligen Elementen, die aus den 90ern herüberwinken, kommen die warmen Akustikeinsätze, die atmosphärisch mäandernden Parts (beispielsweise im Titelstück), die durchaus an DE ARMA erinnern, und eine geradezu unheimlich authentische Produktion. Wer das alles nicht glauben mag, weil es einfach zu schön ist: "Aldrig Döden Minnas" braucht zehn Minuten, um garantiert jeden zu überzeugen.

Nach nur 48 Minuten muss ich das verzaubernde Holzhaus wieder verlassen. Hinaus in den Schnee, in die unwirtliche, menschenferne Kälte. Das ist zum Glück halb so traurig, wenn man weiß, dass man jederzeit zurückkehren kann. Das Haus ist etwa 12 mal 13,5 cm groß, kein Einzelstück und für jeden zu bekommen. Schöner Wohnen 2013.


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Otto Sverdrup
melden Otto Sverdrup | 27.03.2013 | 22:23 Uhr

Wundervoll geschriebenes Review! Eine hohe Hürde für die Band, mit ihrer Musik diese Zeilen zu übertreffen...  

anton
melden anton | 29.05.2013 | 01:43 Uhr

Die Musik hebt mich leider nicht so weg, die Stimme finde ich für Black-Metal-Vehältnisse aber richtig geil. Unabhängig davon: Schöne Rezension, du Dammasch, du!