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CD-Review

Neowarfare

Artikel veröffentlicht am 23.09.2012 | 1715 mal gelesen

Falls es noch keine Band gibt, die "Neo War Metal" spielt, dann sind die Spanier TSAR BOMB die ersten. Das ist nämlich echt monströs kriegerisch, was die drei Soldaten des Gehörnten hier abfeiern. Dabei gäbe es so viel verkehrt zu machen, angefangen bei der Gefahr, den Drumcomputer mies zu programmieren, dann eierlose Riffs drüberzulullen und am Ende noch einen talentfreien Sänger den letzten Rest an Geschmack zunichte machen zu lassen. Das haben TSAR BOMB komplett vermieden, und alleine dafür: Respekt! Die vierzigminütige Platte strotzt vor eiskaltem Geballer. Der Dosenhellhammer läuft am Anschlag des menschlich Möglichen, ist aber ungelogen exzellent programmiert und klingt besser als manches organisch aufgenommene und dann verhunzte Drumkit - und das gilt für die Blastparts genauso wie für die thrashigen Abschnitte und die irren Doublebassangriffe.

Was dazu aus den Gitarren kommt, pendelt zwischen heftig brutalem Deathgroove und frostig-dissonantem Black Metal. Natürlich sind die Riffs nicht die Neuerfindung des Rades, aber noch lange nicht so emotionslos-beliebig wie ENDSTILLE, sondern durchaus technisch komplex ("Neowarfare") und oft gelungen düster ("Ashes Of My Enemies"). Die ganze Platte umweht ein Hauch der Kälte, die ZYKLON Bs "Blood must be shed" oder SATYRICONs "Rebel Extravaganza" ausstrahlt, gemischt mit einer fußvölkischen Note BELPHEGOR und - das musste ja kommen - auch einem wahrnehmbaren Einfluss von MARDUKs "Panzerdivision". Besonders geil an TSAR BOMB: Sie machen ganz interessante Sachen mit ihrem Bass, der übrigens verflucht böse klingt.

Sogar ans Feintuning haben die Spanier gedacht: Ihr Albumkonzept, die Auslöschung einer "degenerierten Affenrasse" (Zitat Infozettel) durch ihre eigenen Massenvernichtungswaffen, geht atmosphärisch voll auf. Dafür sorgen sorgfältig ausgewählte Kriegsambiente-Samples (klasse: die russische Nationalhymne in "Tupolev TU-95") und ein absolut erbarmungsloser Sound. Die Qualität halten TSAR BOMB zwar nicht über die gesamten vierzig Minuten, aber das war auch nicht zu erwarten. Wenn die Band jetzt noch ein bisschen saubereres Englisch lernt und sich auf die Bühne traut, würde es mich nicht wundern, wenn wir bald in etwas größerem Rahmen von den Jungs auf die Schnauze kriegen.

Wer das nicht glauben will, kann sich ja mal hier probeweise vermöbeln lassen.


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