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CD-Review

Tietäjän Laulu

Artikel veröffentlicht am 27.01.2009 | 2837 mal gelesen

Aus den Weiten des Ural kommt mit KAUAN ein Duo, das sich mit seinen Klangwelten so sehr in der Nähe von TENHI verortet, dass es nicht nur den Bandnamen der ersten CD der Finnen entlehnt hat, sondern gleich einen Teil der Texte auf Finnisch verfasst. Vor gut einem Jahr erschien das Debütalbum von KAUAN, "Lumikuuro", das die genannten Einflüssen teilweise mit Metal-Klängen verband, weswegen für die Beschreibung der Musik die Namen SHAPE OF DESPAIR, AGALLOCH oder EMPYRIUM fielen.

Knapp ein Jahr später liegt mit "Tietäjän Laulu" das Zweitwerk der Russen vor, und darin werden jene metallischen Einflüsse auf wenige Passagen beschränkt. Stattdessen überträgt das Duo Anton Belov (Gesang, Gitarre, Keys) und Lubov Mushnikova (Geige) Naturerfahrungen in ruhige, feinsinnige und mystische Klangwelten. Hinzu kommen immer wieder dramatischere Momente, wenn Belov seine Stimme hebt, begleitet von einem dezenten Chor. Durchaus stimmig, auch wenn sich mir die teils russischen, teils finnischen Texte mangels Übersetzung nicht erschließen: So klingt Musik, die erschaffen wird, wenn sich im kurzen Sommer die Sinne öffnen, während sie sich im kalten und unbarmherzigen Winter nach Wärme sehnen.

Dabei folgen die sechs Stücke nicht einem geraden Weg: Das eröffnende "Vmesto Slez" beginnt zunächst mit Schamanentrommeln und sonorem Summen, um nach einer Minute aprupt in ein gleichsam sanftes wie melancholischens Lied überzugehen, das von gezupften Gitarren getragen wird und erst spät von Schlagzeug und Geigenklängen begleitet wird. Nach gut fünf Minuten folgt eine erneute Kehrtwendung, wenn plötzlich elektronische Klänge die aufgebaute Stimmung durchbrechen. Im instrumentalen "Kyynelten Sijaan" herrscht zunächst das harmonische Zusammenspiel von gezupfter Akustikgitarren und Geige vor, die von einem langsamen Schlagzeug und dezent verzerrten Gitarren begleitet werden, bevor sich Klavierklänge hinzugesellen. "Pesnja Materi" wiederum beginnt mit einem Schamanentrommel-Intermezzo, um danach Platz zu machen für Geigen, Klavier und die Stimme Belovs, die immer wieder von einem dezenten Chor untermalt wird. Auch dieses Stück erfährt eine Wendung, als plötzlich eine verzerrte Gitarre ein Metalriff vom Stapel lässt, das sich nicht so recht zum Rest fügen möchte. Das zentrale "Aidin Laulu" schließlich erinnert nicht unwesentlich an DECORYAH, ist es doch durch verzerrte Gitarren und Heisergesang etwas metallischer als die restlichen Stücke gehalten.

"Tietäjän Laulu" hat immer wieder große Momente. Allerdings steht die angesprochene Fragmentierung der Songs einem sich aufbauenden Fluss entgegen: Wer sich treiben lassen möchte, wird bisweilen von jäh auftauchenden Felsen überrascht. Zudem erreichen KAUAN nicht die Tiefe von TENHI, deren größtes Vermögen es ist, durch ein Minimum an technischem Einsatz den Raum zwischen den Tönen hörbar zu machen: Bei den Finnen beginnen die Klänge zu atmen, vibrieren und pulsieren, wohingegen KAUAN bisweilen zu viel und zu dick auftragen – bei mir führt das auf halber Strecke zu einer Übersättigung. Wen aber das Sehnsüchtige und Schwärmerische in KAUANs Musik nicht abschreckt, sollte auf jeden Fall in "Tietäjän Laulu" reinhören.


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