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CD-Review

Killing Tale

Artikel veröffentlicht am 27.01.2013 | 1439 mal gelesen

Mit Konzeptalben ist das meist so eine Sache. Häufig steckt eine gute Idee hinter ihnen, die dann aber nur halbherzig umgesetzt wird. Umso mutiger ist es dann, wenn sich eine junge Band wie THE GODSPEED SOCIETY für ihr Debüt direkt an eine solche Scheibe wagt.

Zumindest mit den üblichen Problemen müssen die Portugiesen dabei nicht kämpfen. Mehr als eine Stunde haben sie sich Zeit genommen, um das Bild von einer düsteren, “Sin City“-artigen Stadt zu zeichnen, in der eine Frau von ihrem Liebhaber umgebracht wird. Um wirklich sicher zu gehen, dass der Hörer vollständig in diese Welt eintauchen kann, gibt es zudem noch ein Buch mit 24 Seiten dabei, das dafür sorgt, dass “Killing Tale“ eher zu einem Gesamtkunstwerk wird, als zu einem bloßen Stück Musik.

Entsprechend künstlerisch breitgefächert sind auch die musikalischen Einflüsse. Sie reichen von bluesigen Piano-Einlagen, über jazzartige Saxophon-Klänge und Flöten die entfernt an Mittelalter-Mucke erinnern, bis hin zu Gitarrenriffs aus dem Rock Bereich. Dazu kommt außerdem noch ein Akkordeon, das maßgeblich dazu beiträgt, dass die insgesamt fünfzehn Songs allesamt einen Sound erhalten, der an das Paris zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erinnert. Dieser düster-morbide Charme, der auch Filme wie “Interview mit einem Vampir“ auszeichnet, ist es auch der das Album in Richtung Gothic schielen lässt. Denn rein musikalisch betrachtet, haben wir es hier schon fast eher mit einem Jazz-Werk zu tun, das mit Rock Einflüssen aufwartet.

Ähnlich sind auch die einzelnen Titel konzipiert. Sie zeichnen sich durch tanzbare Rythmen von Polka bis Tango ebenso aus, wie durch häufige unerwartete Wendungen, die immer wieder die ganze Aufmerksamkeit des Hörers erfordern. Und so wundert es nicht, das diese Scheibe zur Party absolut nicht taugt. Sie ist sperrig, nicht sofort zugänglich und will entdeckt werden. Aber die Mühe ist sie definitiv wert! Denn dann gelingt es mühelos, in jene dunklen Abgründe der menschlichen Seele einzutauchen, die gleichzeitig faszinieren und abstoßen.

“Killing Tale“ ist definitiv kein Metal oder Rock Album! Aber es ist ein durchaus gelungenes Konzeptalbum, das vom Hörer einiges fordert, ihn dafür aber auch mit einem tollen Gesamtkunstwerk belohnt. Am ehesten lässt es sich vielleicht als Prog Rock für den erwachsenen Goth beschreiben. Wer sich zutraut mit solcher Musik umzugehen, ist bei THE GODSPEED SOCIETY bestens aufgehoben.


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