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Konzertbericht
02.04.2008 / Stuttgart, LKA Longhorn

Bahnbrechende Songfabrik oder Auffangbecken für gebrochene Helden? Richtige Band oder ewiges Projekt? Die Leidenschaftsverbindung aus New Orleans, die Nachlassverwalter des sumpfigen Mangrovensounds sind zumindest zu einer festen Größe geworden, sodass sich diese unrühmlichen Fragen erübrigen. DOWN sind eine von diesen Bands, die eine Platte aufnehmen, wenn sie ein Anliegen dazu haben. Ebenso verhält es sich mit dem Touren.

Wer hätte erwartet, dass sie nach ihren beiden, innerhalb weniger Tage restlos ausverkauften Konzerten 2006 so schnell wieder in hiesige Gefilde kommen. Da verwundert es doch mehr, dass sich niemand rund um das Stuttgarter LKA mit verzweifelten Sprüchen auf Pappe um eine Karte bemühen musste. Offenbar hält die Misere der Konzert-Verdrossenheit weiterhin an, nur muss man sich letztlich fragen, welche Karäter zum Stelldichein gebucht werden müssen, um die Leute hinter ihrem Öfchen hervorzulocken. Die Halle ist zwar bei weitem nicht leer, doch hätte man sich für DOWN mehr eine berstend volle gewünscht. Niemand kann die Erwartungen an so einen Abend halten, nach solchen Alben und so vielen Lorbeerkränzen, außer man hat das alles so klar verdient wie das Quintett aus New Orleans. Allen Anwesenden war schon im Vornhinein klar, dass sie glücklich aus diesem Erlebnis herausgehen werden. Die Bilder zu diesem Bericht wurden bei ihrem Konzert in Berlin geschossen.

Vorbands braucht es heute Abend nicht. Mit einem knapp einstündigen Film – zusammen geschnitten aus Videos von Helden wie AC/DC, THIN LIZZY, TED NUGENT und natürlich BLACK SABBATH und skurrile Aufnahmen von vergangenen Tour- und Backstage-Geschehnissen – leitet sich die Band standesgemäß selbst ein. Starren Blickes und in froher Erwartung auf das Kommende, verfolgen die meisten ohne Murren, die Fäuste in die Luft hebend die rühmenden Bilder auf der Leinwand. Einer „Southern All-Star-Group“ kann man eine solche Selbstglorifizierung und -beweihräucherung schlicht nicht übel nehmen: Man kann DOWN nicht nicht mögen, kann man bisher nur verpasst haben. Das muss einem früher oder später auffallen. Somit übermannt einen mehr die Erleichterung endlich die Band erleben zu dürfen, als sich durch diese unredliche Verzögerung die Laune versalzen zu lassen.

Auch dem bulligen Mann neben mir ist das aufgefallen. Den Stiernacken hat er nicht tätowiert, dafür den rechten Oberarm. Die Umrisse eines Gesichts mit einem Rauchwarenstängel im Mundwinkel, der „Smoking Jesus“, wie auf den Plattencovern. Er trinkt mehr Bier, als er verträgt, und bevor auch nur das eigentliche Konzert beginnt, umarmt er schon taumelnd seine gesamte Nachbarschaft, ob man will oder nicht. Ein netter Kerl. Wer ihre neue Platte nicht so gut findet, sagt er, schweigt eben darüber. Denn diese Superband hatte bereits ihren Status, bevor sie auch nur ein Album veröffentlicht hatte. Unsere Begegnung erfährt ein jähes Ende, als mit einem lauten Knall endlich die Leinwand sinkt und DOWN mit "Underneath Everything" in ihr Set einsteigen. Für ihn ist das der Startschuss sich eiligst in den Pulk vor die Bühne zu begeben.


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