Being As An Ocean
Interview mit Tyler William Ross: "Außerhalb der Grenzen gibt es soviel mehr"

Interview

Zwischen all den bekannten Hardcore-Postcore-Melodic-Core Bands, die es aktuell auf dem quietschfidelen Metalmarkt gibt, gibt es eben auch eine Band, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, ab und an ein bisschen wilder im alltäglichen Einheitsbrei herumzurühren. Für diese Band besteht offensichtlich die oberste Priorität darin,  immer wieder ihre eigene Innovativität zu toppen oder zumindest fett zu unterstreichen. Die Rede ist heute von BEING AS AN OCEAN. Mit “Waiting For Morning To Come” wollen sie mit dem neuesten Album wieder zeigen, was Hardcore alles kann und was Hardcore alles darf. Im Gespräch mit Tyler Ross, der zuständigen Person für die Leadgitarre bei BEING AS AN OCEAN klären wir, warum die neue Platte so ist wie sie ist und wie hungrig die Männer aus Alpine, Kalifornien, sind und natürlich noch einiges mehr.

Hallo Tyler. Reden wir mal ein bisschen über “Waiting For Morning To Come”. Warum sollte ich mir das Album anhören?

Ich glaube, weil ich finde, dass es ein Album ist, was es wert ist gehört zu werden. Es ist sehr innovativ. Seiner Zeit voraus, und einfach anders. Es wird dir die Hardcore-Szene von einer neuen Perspektive zeigen.

Waiting for morning to come- Being As An Ocean

Wer kam auf die Idee einen komplett rückwärts gespielten Track (“eB tahT srewoPehT”) mit auf den Sampler zu packen? Das zu hören ist schon etwas strange und irgendwie merkwürdig, aber fühlt sich gleichzeitig cool an.

Die Idee kommt von mir. Und zwar war ich vor etwa zwei Jahren mit unserem Produzenten Matt im Studio und notierte mir die Idee “Veröffentliche einen rückwärts abgespielten Song”. Eine sehr abnorme Idee, aber mir ging es darum zu zeigen, was man mit aufgenommenen Songs noch alles so machen kann. Manchmal fühlt es sich ja schon so an, als wären wir in einer Art Box gefangen, blockiert mit dem Gedanken, einen Song zu schreiben, der sich so anhört, wie er muss. Vielleicht ein bisschen anders. Aber außerhalb dieser Grenzen, gibt es ja noch soviel mehr. Du musst dich einfach mal hinsetzen, in dich gehen und dich selbst fragen: “Braucht dieser Track ein bestimmtes Tempo?” “Braucht der Song etwas Spezielles?” Ich meine, wer erwartet denn schon bei Hardcore tanzbare Musik, oder? Manchmal höre ich mir bewusst alte BEATLES Alben an, die in Zeiten entstanden sind, wo gerade der Stereo-Mix erfunden wurde. Die Drums befinden sich bei deren Songs zum Beispiel auf der linken, der Gesang auf der rechten Seite. Der Bass wieder auf der linken und die Gitarren auf der rechten Seite. Es ist echt verrückt. Aber da frage ich mich manchmal echt, warum probiert das heutzutage keiner mehr. Warum machen arbeiten wir bei den Aufnahmen so zentriert? Warum ist der Aufbau immer derselbe?

Das ganze Album ist schon ein kleines Kunstwerk. Alle Tracks greifen ineinander und bilden eine gesamte Story. Wie war der Entstehungsprozess?

Ja, irgendwie ist es eine Geschichte und irgendwie auch nicht. Alle Songs wurden unabhängig voneinander aufgenommen und haben eigentlich gar nichts miteinander zu tun. Der erste Song des Albums ist vor circa zwei Jahren entstanden. Also haben wir einiges was jetzt auf der neuen Platte zuhören ist, schon bei einigen Gigs live gespielt. Und da haben wir schon angefangen, die einzelnen Teilstücke mit kleinen Interludes, mit kleinen Einspielern zu verbinden. So kam ich auf die Idee, mehr von diesen kleinen Verbindungsstücken zu produzieren und sie wirklich bei “Waiting For Morning To Come” zwischen jeden einzelnen Song zu packen, ihnen ebenfalls kleine Namen zu geben und daraus ganze Sätze zu bauen.

Ok. Das neueste Ding heißt ja “Waiting For Morning To Come”. Was ist denn deine typische Morgenroutine?

Ich muß ehrlich sagen: Ich liebe diese Fragen. Sehr cool.

Ich habe eine konkrete und strikte Morgenroutine, die ich über die Jahre des ewigen Tourlebens für mich perfektioniert habe. Ich bin sicher, der Rest der Band ebenfalls.
Mein Wecker geht genau eine Stunde bevor ich los muss. Egal ob ich on Tour bin oder zuhause.

  • Ich schnappe mir mein Handtuch
  • Ich dusche
  • Während des Duschens drehe ich das Wasser aus, wenn ich es nicht zum Abspülen benötige, um Wasser zu sparen.
  • Danach wird der Bart gekämmt
  • Bartpflege mit Bartöl
  • Zähneputzen
  • Dann etwas Feuchtigkeitspflege für die Haut
  • Bändigen der Haare mit Haarpflegeprodukten
  • Bart etwas stutzen
  • Dann schmeiße ich mich in Socken, Jeans und Shirt
  • Packe alle meine Sachen in einem Rucksack oder Koffer zusammen
  • Checke final nochmal meine Emails
  • Und los geht’s

Welches Staatsoberhaupt würde ein BEING AS AN OCEAN-Gig mal gut tun und warum?

Joko Widodo, der Staatspräsident von Indonesien ist ein ziemlicher Metalhead. Dem würde das auf jedenfall gefallen. Vielleicht sollten wir aber mal Angela Merkel einladen,weil Deutschland sich einfach hervorragend für gute Metalshows eignet.

Es macht den Eindruck, dass es ihr euch bei der Song-und Soundentwicklung nie wirklich einfach macht, einfach um die Komplexität von Musik aufzuzeigen. Was war die letzte schwierige Situation, in der du dich befandest?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube generell: Das Klarkommen mit Erwartungen,mit irgendwelchen Interpretationen. Jedem gerecht zu werden, der sich auf dich verlässt und auf dich zählt, niemanden hängen zulassen und dabei sich selber auch nicht zu vergessen. Man muss für sich verstehen, dass man niemals allen gerecht werden kann. Manchmal zweifel auch ich an mir, ob ich gut genug, stark genug oder freundlich genug bin.

Was können wir als nächstes von euch erwarten? Was habt ihr mit BEING AS AN OCEAN für Zukunftspläne?

Ich weiß nur eins, und zwar,dass wir immer hungrig auf mehr sind. Wir arbeiten ständig an uns, an unserem Sound und an unseren Shows. Wir denken fortschrittlich und sind was unsere Musik betrifft sehr zukunftsorientiert. Das ist sehr spannend.Wir lieben es.

Danke, die finalen Sätze überlasse ich dir

Vielen Dank. Vor allem Danke, dass ihr alle da draußen da seid. Wir sehen uns.

 

 

Quelle: Tyler William Ross / Being As An Ocean
02.11.2017

It`s all about the he said, she said bullshit.

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