Caliban
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Interview

Metalcore wird immer populärer und mit ihm seine Bands. So haben es auch die Jungs von Caliban mit ihrem neuen Album "Shadow Hearts" geschafft, endlich mal eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen. Eigentlich ziemlich spät, denn sie drehen schon seit einigen Jahren im Underground ihre Runden. Grund genug also, einmal bei den Jungs nach dem Rechten zu sehen und neben musikalischen Angelegenheiten auch deren "Verbindung" zur Taliban zu diskutieren.

CalibanHi Jungs! Erstmal natürlich die immerwährende Frage nach der Bandgeschichte! Wann kam der Caliban-Zug ins Rollen und wen/was habt ihr auf eurem bisherigen Weg so alles plattgemacht?

Hallo! Caliban gibt es seit 1997. Seitdem haben wir 3 Full-Length Alben, eine Mini-CD und eine Split-CD veröffentlicht. Nach einigen Europatouren
erlangten wir nach der Veröffentlichung unserer “Vent”-CD (2001) auch international Aufmerksamkeit und bekamen die Gelegenheit, auch in Japan (inklusive einer Show auf dem Beast Feast 2001, zusammen mit Slayer,Pantera…) und den USA (inklusive Hellfest) aufzutreten.

Ihr spielt Metalcore, der mit Schwedendeath- und Thrashzutaten verfeinert ist? Wie kommt es zu dieser Mischung? Stehen bei Euch Hatebreed neben In Flames/At The Gates und Slayer im Schrank?

Genau so kann man sich das vorstellen. Wir alle sind sowohl vom Metal als auch vom Hardcore beeinflusst. Mit unserer Musik versuchen wir, beide Stile bestmöglich miteinander zu verkoppeln.

Metalcore ist im Moment ziemlich im Kommen. Woran, glaubt ihr, liegt das?

Hmm, keine Ahnung, uns gibt es ja nun schon eine ganze Weile, und irgendwie ist diese Musikrichtung in den letzten Jahren immer populärer geworden. Vielleicht liegt das daran, dass wir zwei Musikrichtungen miteinander kombinieren und somit mehr Leute ansprechen.

Desweiteren ist auch eure Stilmischung momentan sehr populär, siehe z.B. den Durchbruch von Killswitch Engage. Was sind eure Gefühle, wenn ihr nun mit dieser Band verglichen werdet, obwohl ihr selbst schon länger im Geschäft seid?

Killswitch Engage ist eine sehr gute Band. Wir waren kürzlich mit ihnen in Japan unterwegs, und sie sind wirklich supernette Leute. Es ist schön zu sehen, das man mit so einer Musik wirklich grossen Erfolg haben kann.

Dabei fällt mir mal wieder auf, dass es kaum noch neue Stile gibt, sondern immer nur schon bestehende auf neue Art und Weise vermischt werden. Glaubt ihr, es ist überhaupt noch möglich, etwas völlig Neues zu schaffen?

Möglich ist das schon. Es ist aber sehr schwierig, da wirklich alles schon einmal da gewesen zu sein scheint. Trotzdem schaffen es einige Bands, wie zum Beispiel Refused oder auch At The Drive In, mit ihrer Musik neue Akzente zu setzen.

Fühlt ihr euch eher als Teil der Hardcore- oder als Teil der Metalszene? Oder beides? Berührungsängste mit beiden Szenen habt ihr ja keine, wenn man sich Gigs mit Bands wie Six Reasons To Kill, Absidia oder Deadlock anschaut.

Genau, wir fühlen uns sowohl der Metal als auch der Hardcore-Szene zugehörig. Wir versuchen, diese beiden Szenen ein bisschen miteinander zu verkoppeln, da die Kluft zwischen beiden Szenen in Deutschland doch noch ziemlich gross ist. In den USA hingegen funktioniert die Zusammenarbeit zwischen der Metal- und der Hardcoreszene schon sehr gut, in Deutschland gibt es noch ein wenig Arbeit.

Worin unterscheiden sich beide Szenen, wenn man sie als Akteur auf der Bühne beobachtet?

Hmm, also bei Hardcore-Konzerten gibt es meistens einen riesigen Moshpit. Bei Metalkonzerten achten die Zuschauer eher darauf, wie die Band spielt. Konzerte vor Metal- und Hardcore-Publikum sind schon relativ verschieden. Es ist aber schwer, das zu beschreiben. Das liegt, glaube ich, an der generell unterschiedlichen Stimmung auf Metal-und Hardcoreshows.

Ihr habt gute Connections in den deutschen Underground (siehe oben genannte Bands). Wie beurteilt ihr den Zusammenhalt beider Szenen und den des deutschen Undergrounds generell?

Der Zusammenhalt in der deutschen Underground-Szene ist sehr gut, wir haben sehr gute Kontakte zu den meisten deutschen Metalcorebands. Wie ich schon sagte, die Zusammenarbeit zwischen beiden Szenen hat sich in den letzten Jahren wirklich stark verbessert (siehe With Full Force, wo alle möglichen Musikrichtungen vertreten sind), könnte aber noch besser werden.

Stimmt es, dass ihr Veganer seid und der Straight Edge-Bewegung angehört. Ist dies für Euch nur eine Mode oder eine richtig ernste Sache?

Wir waren nie eine Vegan Straight Edge Band. Irgendwie hatten wir immer diesen Ruf, waren es aber nie. Einige von uns ernähren sich vegetarisch, einige nehmen keine Drogen. Diese Themen waren aber nie etwas, was wir als Band vermitteln wollten, sondern eher eine persönliche Sache eines jeden Bandmitglieds.

Was haltet ihr dann von Bands, die ebendiese Inhalte in ihren Liedern predigen, nach einem Gig aber mit Kippe und Bier dastehen? Alles schon erlebt.

Das finde ich ziemlich arm. Wenn man sich entscheidet, solche Themen als Band zu vermitteln, sollte man auch so ehrlich sein und selbst so leben.

Inwieweit schlagen sich eure persönlichen Einstellungen in der Musik nieder? Sind sie die fragile Emotion neben der Brachialität, die vor allem im Gesang wunderbar zur Geltung kommt?

Wie gesagt, die persönliche Einstellung der Bandmitglieder schlägt sich so gut wie gar nicht in der Musik nieder. Die Emotion in den Vocals kommt warscheinlich daher, das Andy in seinen Texten meist sehr persönliche Dinge behandelt und somit seiner Emotion freien Lauf lassen kann.

Wie würdet ihr eure bisherige musikalische Entwicklung mit eigenen Worten beschreiben? Ich persönlich finde, eure Musik hatte mit jedem Album einen weiteren Horizont und wurde immer facettenreicher.

Da gebe ich dir Recht. Wir versuchen, uns mit jedem Album ein Stück weiter zu entwickeln. Ging es früher eher darum, die brutalsten Moshparts in ein Lied zu packen, so geht es heute eher darum, einen guten, intensiven Song mit viel Emotion und Härte in ein gutes Songwriting zu packen.

“Shadow Hearts” hat euch jetzt einen Gig auf dem With Full Force und den Supportslot bei Biohazard beschert. Es geht also steil bergauf. Bis wohin wollt ihr mit Caliban?

Das können wir jetzt ehrlich gesagt noch gar nicht sagen. Vor einigen Jahren hätten wir nicht erwartet, jemals auf dem With Full Force aufzutreten oder Biohazard zu supporten. Das ist schon ein ziemlicher Hammer. Mal sehen, was die Zukunft noch so bringt…

Abschließend noch eine andere Frage: Wie oft werdet ihr wegen eures Namens mit der Taliban in Verbindung gebracht? 😉 Ist es schon mal vorgekommen, dass sich Leute verlesen und euch diesbezüglich Vorwürfe gemacht haben?

Haha, das passiert eigentlich ziemlich selten. Es gibt da aber eine kleine Geschichte: Wir waren während des 11. September 2001 in den USA auf Tour. Nach den Terroranschlägen war die Tour natürlich gelaufen. Wir stellten uns irgendwann die Frage: was machen wir mit dem restlichen Merchandise? Nach einiger Überlegung haben wir die Shirts dann geschickt, da bei diesem Design das C verdächtig wie ein T aussah und darunter “erase the enemy” zu lesen war.

Ich bedanke mich für das Beantworten meiner Fragen und wünsche weiterhin viel Glück und Erfolg in der Zukunft.

Danke auch an dich für das Interview!

Galerie mit 12 Bildern: Caliban - Live in Dresden
10.03.2003

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