Versengold
"...also machen wir doch eine Versengold-Schublade draus" - Interview mit Malte und Eike

Interview

metal.de: Gibt es musikalische Grenzen, über die ihr mit VERSENGOLD nicht gehen würdet? Würdet ihr zum Beispiel nie elektronische Elemente verwenden?

Eike: Wir schränken uns eigentlich nie von Anfang an ein. Das ist auch bei der letzten Platte der Fall gewesen, zum Beispiel beim Song “Herz Durch Die Wand“. Da haben wir zum Beispiel durch das Hackbrett in Kombination mit dem Klang der Nyckelharpa und einer Uilleann-Pipe ein Klangbild erzeugt, was relativ ungewohnt war. Ist zwar jetzt nicht die Elektroschiene, aber wir sind weiterhin experimentierfreudig. Malte meinte ja vorhin auch schon, dass bei der “Ketzerey“ schon viel rumexperimentiert wurde. Wovon ich ausgehe ist, dass wir jetzt nicht unbedingt mit Hip-Hop Beats arbeiten werden. Aber man kann den musikalischen Horizont ja immer erweitern.

Malte: Ich kann mir derzeit auch nicht vorstellen mit Elektro-Sachen zu arbeiten. Ich will aber auch nichts mehr ausschließen. Man merkt ja, wo die Reise hingeht. Wer weiß, wenn wir irgendwann mal 60 sind, können wir ja mal ne Techno-Platte machen. Also ich kann mir das wirklich nicht vorstellen. Wir sind Folk-Mucker und auch wenn uns jetzt irgendwelche Begrifflichkeiten um die Ohren fliegen, früher war es “Mittelalterband“, jetzt ist es “Schlagerband“ oder Country oder Folk Rock… wir hatten ja eben schon diese Schubladen. Wir sind Folker, auf unsere Art und Weise. Wir haben unsere Stammbesetzung und die werden wir natürlich nicht ändern. Wir werden immer mit Akustikgitarren, Geigen, der Nyckelharpa und jetzt Bass und Schlagezug arbeiten. Und alles was darauf noch kommt, das steht noch in den Sternen.

metal.de: Zum Thema Stammbesetzung: Es deutete sich schon einige Zeit lang an, dass sich Thomas “Pínto“ Heuer bei euch musikalisch nicht mehr wohl gefühlt hat. Wie bewertet ihr rückblickend diese komplexe Situation rund um seinen Ausstieg?

Malte: Ja das ist natürlich auch so komplex, dass es schwierig ist, das in einem Interview darzustellen. Und auch was dieses Thema angeht ist es schwierig, es in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Da sind ja viele Befindlichkeiten mit im Spiel, wir sind ja alle Menschen. Wir hatten natürlich eine Stellungnahme, die wir in Absprache miteinander veröffentlicht haben. Also da gibt es nichts, was wir nicht ohne ein gewisses Bedürfnis nach Harmonie mit Thomas abgewickelt haben. Wir waren uns auch einig darüber, wie das Ganze laufen sollte und dass es so laufen sollte. Dieser Prozess geht ja schon seit vielen Jahren und auch nicht erst seit der “Zeitlos“. Eine Band ist ein komplexes Gebilde, da wird es umso schwieriger, je erfolgreicher man wird, weil viele Leute ihre Interessen verfolgen und wir müssen als Band komplett als einziges Team operieren und nach vorne gehen. Das ist das Wichtigste, sonst bleiben wir irgendwann auf der Strecke. Wir müssen alle wahnsinnig viel an uns arbeiten. Wir müssen wahnsinnig viel Selbstkritik an den Tag legen und sehr kompromissbereit sein. Wir müssen uns auch in allen Richtungen weiterbilden. All das gehört dazu und man könnte meinen, das sei selbstverständlich. Sowas kann über Jahre tatsächlich frustrierend werden, wenn man nicht komplett an einem Strang zieht. Was ich hier nochmal deutlich sagen will: Es gibt kein Opfer in dieser ganzen Geschichte! Diese Sache ist wirklich über Jahre gewachsen und das sind Thematiken, die da zum Problem geworden sind, das ging ja nicht mit der Krankheit von Thomas los. Es ist schwierig, dass in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Ich hoffe auch, dass das Verhältnis zwischen uns bleibt.

metal.de: Also seid ihr eher im Guten auseinander?

Malte: Wir sind auf jeden Fall im Einverständnis auseinander! Es war ja nicht so, dass wir jemanden gefeuert haben. Das geht ja bei uns auch gar nicht. Wir sind ja eine GbR, das heißt wir sind alle Chefs und wir können nicht einfach sagen, wir schmeißen einen raus. Im Grunde ist es dann so, dass wir uns zusammensetzen und das ausdiskutieren müssen. Es ist dann auch schwierig, dass dann so darzustellen. Ich war auch nicht ganz glücklich mit ein, zwei Darstellungsweisen, die da im Netz kursierten. Dazu will ich mich aber auch nicht weiter äußern. Ich habe da ja nochmal meinen eigenen Kommentar verfasst, um da ein bisschen gegen zu wirken, weil es eben kein Opfer gibt.

Eike: Die Leute machen sich schnell ihr eigenen Bild von so einer Situation, was als Außenstehender komplett unmöglich ist. Wie denn auch? Wir sind eine interne Gruppe und das ist eine Sache, die unter uns passiert.

Malte: Ich habe neun Jahre mit Thomas musiziert. Wir haben wahnsinnig viele Dinge erlebt – schlechte und gute. Und wir sind natürlich über diese Zeit miteinander sehr verwachsen. Das gilt auch für die anderen Jungs aus der Band. Da wird so eine Entscheidung nicht leitfertig gefällt, weder von Thomas noch von uns. Auch da sollten die Leute mal ein bisschen drüber nachdenken, dass dahinter Menschen stehen, die ein Leben zusammen haben und teilen und dass das wahrscheinlich begründet und komplex ist, wenn das in so eine Richtung geht.

metal.de: Kommen wir mal zu angenehmeren Thematiken. “Funkenflug“ war insgesamt ein riesiger Erfolg. Konnte man das nach dem Erfolg von “Zeitlos“ erwarten oder wart ihr total Baff?

Eike: Die Platte “Zeitlos“ war vom Musikstil auf jeden Fall wegweisend, gerade mit dem Besetzungswechsel. Als die dann auf Platz 22 gegangen ist, was für uns in der Hinsicht der bis dato größte Erfolg war, haben wir immer weiter am Bandsound geschliffen. Das ist ja auch ein Prozess, dieses organische Wachstum. Der Musikstil schleift sich und bringt sich in Form. Beim neuen Album haben wir dann mehr in Richtung “Rockband“ geschrieben.

Malte: Ach weiß ich gar nicht. Deine Frage war ja, ob wir mit der Top 10 gerechnet haben. Ja! Unabhängig vom Weg. Na gut, nein, wir haben nicht damit gerechnet. Wir haben darauf gehofft und wir wussten, dass es nicht unmöglich ist. Aber wir haben auch ein wenig gezweifelt. Im Gegensatz zu anderen Bands in der Szene, auch witzigerweise Bands, die niemals mit dem Wort “kommerziell“ in Verbindung gebracht werden, haben wir keine TV-Kampagne am Start gehabt. Wir haben ein Major Label, aber keine fette deutschlandweite Plakat-Kampagne gehabt. Deswegen haben wir gesagt: “Ok, wir wissen, dass wir viele Fans haben. Wir wissen, dass wir uns viel erspielt haben. Es müsste also heutzutage für die Top 10 reichen.“. Dass es Platz 2 geworden ist, damit haben wir nicht gerechnet. In der Woche haben wir das natürlich verfolgt. Irgendwann haben wir dann gedacht: “Woah, kann es wirklich sein, dass wir vor ACCEPT landen?“ und dann ist es echt passiert. Das war schon ziemlich überraschend. Aber wir haben natürlich ab dem Zeitpunkt darauf spekuliert, als wir wussten, dass es funktionieren könnte. Bei den Charts kommt es ja auch immer darauf an, wer so alles released. Also wenn du irgendwie eine Woche hast, in der HELENE FISCHER, ANDREA BERG und die AMIGOS gleichzeitig releasen, dann hast du die ersten drei Plätze. Am besten hast du dann noch ein paar Hip Hopper dabei, die gerade so unfassbar viel verkaufen. Dann kannst du auch mal wieder schnell auf Platz 12 oder 13 landen.

metal.de: Das Konzert in Dresden wurde sogar zwei Mal hochverlegt. Habt ihr eine besondere Beziehung zu den Dresdner Fans oder zu Dresden allgemein?

Malte: Also ich schon. Ich war ja schon oft hier. Wir haben Dresden immer gefeiert. Ich muss dazu auch sagen, dass Dresden lange Zeit die einzige Stadt im Osten war, die wir auf Tour angefahren haben, soweit ich mich erinnere. Berlin ist dann irgendwann mit dazu gekommen. Wir haben ja damals mit FEUERSCHWANZ, mit Samo [SALTATIO MORTIS, Anm. d. Red.] und 2012 auf unserer eigenen Tour hier im Puschkin gespielt. Was man von Dresden immer erwarten konnte ist, dass die Leute da richtig durchgedreht sind. Es war einfach ‘ne richtig harte Party – auch manchmal ein bisschen drüber. Ich habe wirklich viele Erinnerungen an Dresdner Fans, die wirklich sehr lieb sind, also ganz begeisterte Menschen. Und sehr laut! Das war eigentlich immer so das Besondere in Dresden. Ich bin mir sicher, dass es keine Stadt im Osten gibt, die wir so oft bespielt haben, auch mit dem MPS [Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, Anm. d. Red.], wo wir dann auch immer dafür gesorgt haben, dass wir in Dresden mit dabei sind, sofern nicht irgendwas komplett dazwischen kommt. Wir haben sogar schon WACKEN-Geschichten nur bis Freitag gelegt, um dann Samstag und Sonntag in Dresden zu spielen. Letztes Jahr zum Beispiel auch mit KNASTERBART und VERSENGOLD, das haben wir mit der Booking Agentur von Anfang an so terminiert. Das MPS in Dresden gibt es ja jetzt leider nicht mehr. Deswegen freut es uns umso mehr, dass wir hier unsere Besucherzahlen mit dem letzten Album in den letzten zwei Jahren mehr als verdreifacht haben. Wir sind total geflasht. Wir freuen uns alle MEGA auf das Konzert heute. Wir wissen ja, was mit 400 Leuten los ist, das wäre ja schon geil gewesen. Da haben wir uns ja schon drauf gefreut. Die aktuellen Zahlen liegen wohl so bei 1200. Da ist in den letzten Tagen nochmal richtig viel passiert.

Eike: Ich glaube der zahlenmäßig zweitgrößte Termin. Schon krass!

Malte: Ja genau! Das ist jetzt auf Tour der zweitgrößte Termin überhaupt geworden. Naja in Westdeutschland, in Bochum oder Köln, das ist ja jetzt nicht so weit voneinander weg. Bochum haben wir ausverkauft und in Köln kamen auch über 1000 Leute, aber Dresden wird die toppen und damit ist das unser zweitgrößter Tourtermin. Das werden wir natürlich in Zukunft auch honorieren. Es ist also klar, dass Dresden auf der Tour eh gesetzt ist. Wenn das so läuft wie hier, dann wird das eine unserer wichtigsten Städte werden. Wir sind megaglücklich und das werde ich den Leuten heute auch nochmal sagen. Wir haben richtig Bock!

metal.de: Ein kleiner Blick in die Zukunft muss auch gewagt werden. Wie geht es nach der “Funkenflug“-Tour und der Nacht der Balladen weiter? Prinzipiell wäre es ja mal wieder Zeit eine Themen-EP auf den Markt zu bringen. Das Muster der Cover ist noch nicht vollständig.

Malte: Ja damit haben wir uns was aufgebrummt. Tatsächlich ist es Thema bei uns in der Band. Ich will jetzt nichts versprechen, aber ich gehe davon aus, dass wir mit diesen Themengeschichten weiter machen werden. Jetzt werden wir aber erstmal Alben produzieren, aus verschiedenen Gründen. Damals haben wir ja jedes Jahr ein Album rausgebracht. Da gab es Leute die gemeckert haben, dass da nur acht Lieder drauf sind. “Ja Moment mal, vor sechs Monaten haben wir doch eine CD mit 14 Titel released?“ Das ist eben nicht Standard. Das geht eben gerade aufgrund des zeitlichen Rahmens nicht. Wir müssen alle zwei Jahre ein richtiges Album raushauen. Das ist unser eigener Anspruch und das wollen auch die Leute haben. Es gibt schon Ideen für weitere Themenalben. Die Frage ist, wann wir anfangen können, die umzusetzen. Ich lass mir ja die Cover meiner CDs auf so Glaszeug ausdrucken und dann häng ich mir die an die Wand, weil ich mich daran erfreue. Da habe ich auch die beiden Themenalben nebeneinander hängen und guck da auch immer so drauf “Noooaaarrrrhhhhhh mein Perfektionismus! Wo sind die anderen beiden?“ Ich muss es vervollständigen! Irgendwann werden wir uns dem Ganzen schon mal widmen, da bin ich mir ziemlich sicher.

metal.de: Dann freue ich mich schon darauf. Vielen Dank für das Interview.

Galerie mit 14 Bildern: Versengold auf dem Summer Breeze Open Air 2016

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30.12.2017

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