Devin Townsend Project
Transcendence-Tour 2017 live in Luxemburg

Konzertbericht

Billing: Devin Townsend Project, Between The Buried And Me und Leprous
Konzert vom 30.01.2017 | Rockhal, Esch-sur-Alzette (Luxemburg)

Wer sich am heutigen Abend vor der Luxemburger Rockhal im Gebüsch versteckt und den Menschenstrom inspiziert, der am angrenzenden Luxus-Einkaufszentrum vorbei in die Konzerthalle flaniert, muss nichts über die aufspielenden Bands wissen – und könnte dennoch feststellen, dass hier eine illustre Runde zusammen tritt. Es ist Montag, es ist Winter, es wird nur die kleine Halle des Hauses bespielt. Dennoch ist der Saal zum ersten Takt der ersten Band dicht bepackt mit alternden Kuttenträgern, Hipstern, Kleinfamilien, Bankern in gelockerter Krawatte über Ziltoids breitem Grinsen, Fünfzehnjährigen, Fünfzigjährigen.

Und so wenig homogen die lauschende Masse auch sein mag, so samtig-rund ist das Lineup des gerade gestarteten Tourlegs der DTP Transcendence Tour, für das sie den Weg nach Esch-sur-Alzette genommen hat.

Leprous sind mehr als nur irgendeine Vorband

LEPROUS erscheinen heute als Vorband. Das merkt man daran, dass ihre Spielzeit nur für sechs Titel langt und nicht etwa daran, dass das Publikum verhalten in den melancholischen Progsound der Norweger hinein lauschen würde. Stattdessen sind die Postrockfrisurenträger den Meisten offensichtlich alte Bekannte, die den großen Zuspruch der Menge in einem dynamischen Auftritt verwandeln. Von dem bisweilen eklektischen Getanze am Mikro muss man nichts halten, um von der tiefen Atmosphäre der ersten halben Stunde des Abends gepackt zu werden. Auch wenn Forderungen nach einer Zugabe unerhört bleiben, können Fans das Quartett auch im weiteren Verlauf des Abends genießen, denn die Jungs mischen sich schon bald unter das Publikum und fühlen sich offensichtlich bestens unterhalten.

Galerie mit 9 Bildern: Leprous als Support von Devin Townsend in Luxemburg Rockhal

Between The Buried And Me: Mehr hätte der Abend fast nicht gebraucht

So virtuos BETWEEN THE BURIED AND ME ihren Auftritt meistern, so sehr sehen sie während des Soundchecks noch aus, wie an einem Sommerabend im Proberaum. Das mag daran liegen, dass es sich erst um das zweite Konzert des laufenden Tourabschnitts handelt und der Jetlag noch mehr an den Nerven der Musiker zerrt, als ständige Ortswechsel und schweißige Klamotten. Dies hindert die Amerikaner nicht daran, die inzwischen nochmals angeschwollene Menge mit glitzernden Klanglandschaften zu narkotisieren.

Nach dem Opener “White Walls” dankt Sänger Tommy Rogers erst mal herzlich für die Einladung und kündigt große Freude auf den weiteren Verlauf der Tour an, die sich prompt in der “Coma Machine” vom aktuellen Album entladen darf. “Lay Your Ghosts To Rest” im Anschluss stellt zweifelsohne einen der bandübergreifenden Höhepunkte des Abends dar. BTBAM begeistern mit dem typischen schamlosen Stilmix, der nie ganz und dann doch immer völlig zu einem organischen Ganzen zusammen findet, das die Anwesenden heute Abend in erfreulich guter Tonqualität genießen dürfen. Selbstverliebtes Getue bleibt uns dabei erspart, sodass man sich nach den fünf (Überlänge-)Titeln fragen muss, ob der eigentliche Headliner vielleicht gerade schon von der Bühne marschiert.

Galerie mit 9 Bildern: Between The Buried And Me in Luxemburg auf Tour mit Devin Townsend

Devin Townsend Project: Schunkeln mit Handpuppen

Diesbezügliche Zweifel sind jedoch schnell ausgeräumt, denn Devin Townsend regiert mit bewährter Schrulligkeit uneingeschränkt den Saal. Bevor der Meister und seine Entourage auf die Bühne treten, darf das Publikum im hintergrundbeschallenden “Ziltoid Radio” zeitlose Klassiker wie “Barbie Girl” genießen und zahlreiche Fans konnten nicht widerstehen, für bescheidene 25€ eine Ziltoid-Handpuppe zu erwerben. Dabei ist der wenig ästhetische Außerirdische gar nicht Teil der DEVIN TOWNSEND PROJECT-Welt (sondern findet sich in den Solo-Werken, bzw. der DT BAND). Macht nix, dachte man sich offensichtlich mal wieder beim Zusammenstellen der Setliste, denn mit sechs Titeln umfassen DT Solo/BAND-Werke knapp die Hälfte der heutigen Darbietung.

Nicht zuletzt in Anbetracht des eher mäßigen Stilaufgusses auf dem 2016-er DT PROJECT Album “Transcendence” (um dem Kollegen Klaas hier noch einmal ausdrücklich beizupflichten) dürften sich die Fans auch weniger für eine klare Trennung der Urheberschaft, als für Devins stimmliche, wie humoristische Live-Qualitäten interessieren. Mit beidem wird die Luxemburger Horde am heutigen Abend reich bedient.

Die selbsternannte “gear whore” Townsend turnt mit einer blinkenden und rauchenden Gitarre über die Bühne und fordert das Publikum nicht etwa zum Emporrecken von Pommesgabeln auf. Stattdessen schlägt Townsend vor “Let‘s be weird!” (“Weirder!!!”) und instruiert die Menge, mit winkenden Armen von links nach rechts zu schunkeln. (Immer wieder.) Dabei tanzen die besagten Handpuppen über den Köpfen, während am Mikro das volle Stimmpotenzial des Band- und Projektkopfes bei Titeln wie “Hyperdrive”, “Supercrush!” und “Kingdom” zur Geltung kommt.

Zum Abschluss verkündet Townsend: “Wir werden für eine Zugabe zurück kommen – aber das wisst ihr nicht!”. Völlig überraschend steht er also nach entsprechendem Applaus wieder vor uns – alleine, und kündigt einen Titel von AIR SUPPLY an, um dann den (eigenen) Klassiker “Ih-Ah” vorzutragen. Anneke van Giersbergens Gesangspart übernimmt das Publikum bereitwillig, ehe zum Abschluss die komplette Band “Higher” von “Transcendence” vorträgt.

Wer an diesem Winterabend den Weg nach Esch-sur-Alzette gefunden hat, durfte sich über einen typischen DEVIN TOWNSEND-Auftritt freuen, der durch die hochkarätigen Begleitbands zu einem echten Konzerthighlight des jungen Jahres aufgewertet wurde.

Galerie mit 12 Bildern: Devin Townsend Projekt in der Rockhal Luxemburg im Januar 2017
19.02.2017

"forty-two"

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