Dust Bolt, Reactory, Insanity Alert und Bloodbeat
Abrissparty im Berliner Cassiopeia

Konzertbericht

Billing: Dust Bolt, Reactory, Insanity Alert und Bloodbeat
Konzert vom 10.11.2016 | Cassiopeia, Berlin

Es gibt so Tage, da will irgendwie Nichts gelingen. Ausgerechnet einen solchen schienen sich die drei Thrash-Kapellen um DUST BOLT ausgesucht zu haben, um am 10. November dem Berliner Cassiopeia einen Besuch abzustatten. Erst verschiebt sich mein Termin am Folgetag auf 8 Uhr morgens nach vorne, dann sagt die fotografierende Begleitung wegen Krankheit kurzfristig ab und die schnellstens organisierte Ersatzkamera will einfach keine brauchbaren Fotos machen – weshalb es leider auch keine gibt. Als die Bühne 20 Minuten nach offizieller Stagetime immer noch leer ist, frag ich mich ernsthaft, ob es so eine gute Idee war, mir an einem Donnerstagabend die volle Dröhnung Thrash-Metal geben zu wollen.

DUST BOLT - Ankündigungsplakat Berlinauftritt 2016

DUST BOLT – Ankündigungsplakat für den Berlinauftritt

Bloodbeat

Um 20 Uhr ist es dann endlich so weit. Mit BLOODBEAT entert die erste Band des Abends die kleine Bühne des Cassiopeias und alles begann dann doch eine gute Wendung zu nehmen. Zwar frag ich mich noch kurz, ob die vier Berliner gewartet haben, bis der kleine Club richtig gut gefüllt ist, aber eigentlich ist das bei so einer Homeshow ja auch egal oder zumindest äußerst verständlich. Persönlich ist mir der bisweilen ja durchaus auch thrashig daherkommende Deathmetal, den die Jungs da kredenzen, ein wenig zu düster; umherfliegende Mähnen im ganzen Raum, wild moshende Fans in den ersten drei Reihen und nicht zuletzt eine spürbar ansteigende Stimmung machen jedoch klar, dass es eine gute und lohnende Idee war, dem Berliner Nachwuchs hier eine Chance zu geben.

Insanity Alert

Nach einer kurzen Umbaupause macht Heavy Kevy, Frontmann von INSANITY ALERT, schnell klar, dass es nicht ganz so düster weitergeht. Vom ersten Ton im Soundcheck bis zur letzten Note wird hier nicht nur den Nacken- sondern auch den Lachmuskeln so einiges abverlangt. Passender Weise nutzt der Lichttechniker die helleren Farben wesentlich häufiger, um die vier Jungs auf der kleinen Bühne ins rechte Licht zu rücken. Diese lassen sich nicht lumpen und verfeinern ihre musikalisch auf hohem Niveau vorgetragene und mitreißende Thrash-Party mit zahlreichen Gimmicks. Mal ist es das Brillengestell mit den federnden Augen im Comic-Stil, mal sind es die kurzerhand übergestülpten Scherenhände oder auch die sehr an Spongebob erinnernde Styropormaske, die für Abwechslung und zusammen mit weiteren witzigen Ideen und den Ansagen von Kevy für einige Lacher sorgen. Spätestens als die vier Österreicher zum Abschluss ihre Interpretation des IRON MAIDEN Klassikers “Run Through The Hills“ herausholen und – unterstützt durch hochgehaltene Schilder mit dem “Mitsingtext“ – gefühlt jede Kehle im Club den neuen Refrain (“Run Through The Pit! Mosh For Your Life!“) gröhlt, dürften einige der Anwesenden INSANITY ALERT als Entdeckung des Abends vermerken.

Reactory

Nach einer etwas längeren Umbaupause – gilt es doch fast das gesamte Instrumentarium auf der Bühne auszutauschen – gibt es wieder voll und ganz auf die Zwölf. Mit REACTORY bekommt eine weitere lokal verankerte Band die Chance, sich vor dem heimischen Publikum zu präsentieren. Und auch die Jungs um Sänger Hans Hornung machen ihre Sache richtig gut. Sowohl Sound, als auch Bühnenbeleuchtung führen uns wieder in etwas düsterere Gefilde. Im Klartext gibt es hier den puren, reinen Thrashmetal. Und verglichen mit dem Eindruck, den das jüngste Werk “Heavy“ im heimischen Durchlauf hinterließ, funktioniert dieser meist recht wilde und aggressiv-schnelle Thrash auf der Bühne wesentlich besser – und das, obwohl es REACTORY nicht ganz gelingt, Tempo und Wildheit ihrer Musik auch auf die Bühnenbretter zu bringen. Dass sie jede Menge Bock auf und Spaß an dem haben, was sie da machen, ist allerdings offensichtlich und wird von ihnen auch gut an das Publikum transportiert, dass abermals gut bis zum letzten Riff abgeht.

Dust Bolt

Dass es im Anschluss merklich mehr Platz im Cassiopeia gibt, ist auf den ersten Blick etwas verwunderlich. Der Blick auf die Uhr macht dann aber klar, dass es bereits nach Zehn ist und es wohl wirklich einige Leute gibt, die vor allem wegen den “local Heroes“ da waren oder zu früh raus müssen, um sich mit DUST BOLT auch noch die vierte Thrash-Dröhnung zu geben. All jenen, die sich so entschieden hatten, sei schon mal gesagt: Ihr habt da eine selten blöde und falsche Entscheidung getroffen! Klar ist es schon etwas später und beim 0815-Durchschnittskonzert spielt um diese Zeit der Hauptact vermutlich schon die Zugabe. Bei einer Thrashparty von diesem Ausmaß hätte aber eigentlich jeder und jedem, der/die richtig mitfeiern will, klar sein müssen, dass es günstiger wäre, sich den nächsten Tag einfach frei zu nehmen – oder eben ausreichend Mate bzw. Bier trinken und bis zum Ende durchzuhalten 😉

Der Stimmung tat das alles jedenfalls keinen Abbruch: Als DUST BOLT dem Publikum gegen 22:22 Uhr das erste Riff vor den Latz knallen, ist “Massenausrasten“ statt “Massenverwirrung (Mass Confusion)“ angesagt. Mit fast schon unglaublicher Energie springen und toben die bayrischen Jungspunde auf der Bühne umher, während sie eine Best-of-Auswahl ihrer drei bisher veröffentlichten Alben zum Besten geben. Das kommt auch bei den Fans gut an, die sich offensichtlich auch noch etwas Kraft angespart haben, die Mähnen fliegen lassen und vor der Bühne den einen oder anderen Moshpit anzetteln. Selbst als DUST BOLT um zehn Minuten vor Mitternacht zur letzten Zugabe ansetzen, gelingt es ihnen das ausgepowerte Publikum nochmals zu einem Circlepit zu animieren. Großes Kino und ein ganz klarer Ausdruck dafür, dass die von Kollege Rothe konstatierte Eintönigkeit auf Platte live für eine locker anderthalbstündige Show reicht, bei der es (noch) nicht langweilig wird und die man (und auch frau) als echter Thrash-Fan unbedingt gesehen haben muss.

So geht’s dann mit dem guten Gefühl, bei einer musikalischen Zerstörungsorgie im Cassiopeia bis zum Ende mittendrin und dabei gewesen zu sein, nach Hause. Und obwohl alle Bands musikalisch auf einem recht hohen Niveau spielten und der Sound wirklich zu gefallen wusste, bleibt am Ende doch ein kleiner aber störender Wehrmutstropfen an diesem sonst echt gelungenen Thrashabend: die gefühlt von Band zu Band ansteigende Lautstärke der Musik erreichte am Ende solch ein nerviges Niveau, dass es fast schon eine Qual war, noch im Club zu bleiben. Aber vielleicht stehe ich ja alleine mit meiner Meinung da, dass Thrash bzw. auch Metal im Allgemeinen noch besser klingt, wenn er nicht durch eine Monsterschicht von Ohrenstöpseln abgedämpft wird. Das heutzutage noch so zu genießen ist leider fast unmöglich geworden, wenn man seine Gesundheit nicht gefährden will.

16.11.2016

Metal is my religion \m/

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