Systematic Chaos
Artikel veröffentlicht am 28.05.2007 | 10105 mal gelesenOkay, nachdem der Glanz eines neuen Albums nun vorbei ist, kann ich es endlich aussprechen: "Octavarium" fand ich vor zwei Jahren ziemlich enttäuschend. Sicher war es im Vergleich zu dem was sonst so auf einen zu kommt immer noch kritiklos erhaben, aber allein mit einem starken ersten und letzten Song, sowie der etwas poppigen Ausrichtung, konnte sich die Scheibe nicht dauerhaft in meinem CD-Player halten. Umso erfreuter war ich dann zu hören, dass "Systematic Chaos" mal wieder ein Album mit Eiern sein würde - was nicht erst seit "Train Of Thought" zu grandiosen Ergebnissen geführt hat. Und was soll ich sagen: In einem Genre indem sowieso eine Veröffentlichung perfekter als die andere ist, hebt sich die neue Traumtheater nochmal ein gutes Stück von der Konkurrenz ab.
Nicht nur dass "Systematic Chaos" ein Werk ist, das unbedingt mehrere Hördurchläufe braucht, es ist auch eines, welches man in seinen 80 Minuten so oft hören will, bis jedes kleinste Detail rausseziert wurde. Der härtere Sound äußert sich dabei jedoch nicht im Sinne eines "Train Of Thought" 2, sondern eher in dem Fehler jeglicher Balladen, dem hohen Anteil mächtiger Gitarrenriffs und dem einstweiligen Zitieren der eigenen Vergangenheit.
Das fängt schon mit dem Opener "In The Presence Of Enemies Pt. 1" an, der ohne Probleme auch auf der "Awake" stehen könnte. Nach einem der gut gelauntesten Riffs des Albums (von denen es nicht viele gibt) das in ein wildes vierminütiges Instrumentalintro übergeht, wird schnell klar wie man mit dem Bandsound eine neue Härte zelebrieren kann, ohne Keyboarder Jordan Rudess zum alleinigen Mitspielen wilder Gitarrensoli zu verdammen. Das Keyboard spielt als dramatischer Atmosphäreträger nämlich eine gehörige Rolle und sorgt für den größten Kopfkinofaktor seit "Six Degrees Of Inner Turbulence".
Richtig überraschend wird es dann im Mittelteil. Angeführt wird dieser vom neunminütigen "The Dark Eternal Night", der von der Atmosphäre her auch problemlos auf der nächsten VISION BLEAK stehen könnte. Der bereits im Vorfeld online gestellte Song beginnt mit einer ungewohnt tief gestimmten Gitarrenmasturbation, die sich im folgenden zu einer Horrorgeschichte mit Ohrwurmrefrain mausert. Spätestens hier fällt auch etwas eine Tendenz auf, die sich noch bis Ende der ersten 50 Minuten der Platte fortsetzen wird: es gibt deutlich weniger Frickelsoli als in früheren Tagen. Stattdessen wird viel mit Riffs experimentiert, oder James LaBrie noch eine zusätzliche Gesangspassage oder ein Break spendiert. Die Stimmung steht also songdienlich immer im Mittelpunkt.
Womit man auch den Zehnminüter "Repentance" charaktersieren könnte, der die Teile acht und neun von Mike Portnoys Alkoholentzugsepos darstellt, um im nächsten Album zu einem "60minütigen Epos mit heilender Wirkung" vervollständigt zu werden (Portnoy himself). Diesmal geht es ungemein düster, ruhig und psychodelisch zu Werke, mit einem oft zitierten Riff aus "This Dying Soul" und einem gegen Ende majestätischen Ausbau.
Die letzten drei Songs "Prophets Of War", "The Ministry Of Lost Souls" und "In The Presence Of Enemies Pt. 2" (zusammen knapp die Hälfte des Albums) beenden dann die Experimente wieder und schmettern extrovertiert eine wütende Gesellschafts- und Amerikakritik gen Hörer. Wer "In The Name Of God" mochte, wird sich hier pudelwohl fühlen und mehr als einmal in frenetische Lobgesänge ausbrechen. So wie ich gerade. Und ich will darüber gar keinen Hehl machen, denn "Systematic Chaos" haut mich aus den Socken wie schon lange kein Album mehr, gerade nach dem deutlich schwächeren Vorgänger. Hier haben wir es nicht nur mit einem der wenigen 80minütigen Progalben zu tun, die man ohne Kopfweh zu kriegen nonstop durchhören kann, sondern auch mit einem der noch viel selteneren, die man am liebsten den ganzen Tag durchgehend hören will. Ganz klare Sache: Höchstnote.
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Die seelenlosen, überbewerteten Frickler vom Traumtheater haben wieder zugeschlagen! Danke, ich bleib bei progressiver Musik.
Für mich bleibt diese Band weiterhin eine zwar technisch über alle Zweifel erhabene, aber ansonsten - wie mein Vorredner schon sagte - seelenlose Truppe. Wo ist das Feeling? Aber auch das mal wieder sehr unangenehme Organ von LaBrie...
Das mit dem Mangel an Seele kann ich spätestens nach dem Genuss der "Scenes from New York" DVD absolut nicht mehr behaupten... und "Dark eternal night" ist bisher so ziemlich der geilste Song von Dream Theater den ich je...
Sie sind genial. Zu genial, als das ich das Album komplett verstehen kann, daher nicht die Bestwertung. Ich habe bei DT immer zwei drei Songs mit denen ich überhaupt nichts anfangen kann, andererseits lässt sich ihre Klasse nicht...
Eine gigantische Scheibe - da ist alles drin, was Dream Theater ausmacht. Dagegen kommen die beiden Vorgänger, die ich trotz ihrer Umstrittenheit jeden auf seine Art klasse fand, nicht an. Am 1. Juni hatte ich mir neben dieser noch drei andere...
Leute aufgepaßt! Was heißt hier seelenlos? Mann Mann Mann, die Scheibe ist der Kracher schlechthin. "In The Presence Of Enemies I" beginnt schon saustark. Riffattacken ohne Ende. Selbst das oft gescholtene...
Ganz ohne Zweifel handelt es sich hier um ein großartiges Werk, mit einem nicht zu verleugnenden Anspruch, denn obwohl viel schon nach dem ersten Hören direkt im Ohr sitzt und Lust auf mehr macht, gibt es doch sehr viel, wie es bei einem...
Systematic Chaos ist echt eine sehr gute Scheibe geworden, sehr virtuos, episch und dramatisch zudem ziemlich hart. Auch der Gesang ist wie so oft sehr gut. Eine der besten Platten 2007.
Kommerzielles Gefiedel, das Traumtheater covert sich selbst.... Dann doch lieber Britprog!