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CD-Review

Vittjar

Artikel veröffentlicht am 20.09.2012 | 1702 mal gelesen

Oha, da haben KAIPA ja schon eine bewegende Geschichte hinter sich, und ich habe gedacht, es mit einer relativ neuen Band zu tun zu haben. Bereits 1973 gegründet, veröffentlichte die schwedische Band bis zu ihrer Auflösung 1982 fünf Progressive-Rock-Alben, die einen deutlichen folkloristischen Touch aufwiesen. Mit “Vittjar” liegt nun das sechste Album seit der Reunion im Jahr 2000 vor.

Ich gebe gerne zu, dass ich bislang nicht mit KAIPA in Berührung gekommen bin. Das wird sich aber nun schnell ändern. Das schwedische ‘All Star’-Projekt (es musizieren Mitglieder von u.a. THE FLOWER KINGS, KARMAKANIC oder SCAR SYMMETRY mit) versteht es nahezu perfekt, die folkloristischen, teilweise romantischen Passagen mit anspruchsvollen technischen Elementen zu verbinden. Gleich beim gut dreiminütigen instrumentalen Opener “First Distraction” schaffen es KAIPA, alle ihre Stärken auf den Punkt zu bringen, und führen den Hörer behutsam in ihre Welt ein. Die folgenden “Lightblue And Green” und “Our Silent Ballroom Band” bringen dann Progressive Rock in Reinkultur ins heimische Wohnzimmer. Vor allem “Our Silent Ballroom Band” ist ein Opus ganz in der Tradition der Siebziger. Wunderschöne Melodien begleiten den Hörer auf einer Reise für die Sinne, die ihren Höhepunkt in technisch höchst anspruchsvollen Instrumentalpassagen in der Mitte des Songs finden. Sänger Patrick Lundström erinnert bei dem Song sogar phasenweise an Freddie Mercury und spielt sich mit Kollegin Aleena Gibson die Bälle perfekt zu. “Our Silent Ballroom Band” ist zwar ein sehr anspruchsvolles Stück das dem Hörer einiges an Konzentration abverlangt, auch der anderen Seite aber auch genug Elemente besitzt, die Wiedererkennungswert haben und dem Hörer neben den technischen Finessen auch genügend Luft zum Atmen lassen. So hört sich gelungener Progressive Rock an, der seinen Ursprung in den Siebzigern nicht verleugnet.

Aber auch die anderen Stücke fallen qualitativ in keiner Weise ab. “A Universe Of Tinyness” punktet beispielsweise durch sein rockiges Flair und die immer wieder eingestreuten Violinen-Parts, die einen Gegenpart zu Per Nilssons Gitarre darstellen. Der Opener “Lightblue And Green” hingegen ist geprägt von den für KAIPA typischen Folk-Momenten und ausgeklügeltem Songwriting. Einzig der Titeltrack fällt etwas aus dem Rahmen. Hier dominieren die Violinen und mit unter vier Minuten ist der der kürzeste und zugleich ‘unproggigste’ Song der Platte. Zugleich ist die Nummer aber auch ein Brückenschlag zur eigenen Vergangenheit der Band. Ebenso wie “Vittjar” (der Song) wurden die ersten Alben von KAIPA auf Schwedisch eingesungen. Man könnte jetzt tatsächlich noch etwas zu jedem einzelnen Track schreiben, aber das ist gar nicht nötig. Die im Sound von KAIPA hervorstechenden Elemente habe sind genannt worden und die werden abhängig vom jeweiligen Song mal mehr, mal weniger in den Fokus gestellt. Unter den Strich ist “Vittjar” ein absolut überzeugendes Progressive-Rock-Album geworden, das Genre-Freunde nicht enttäuschen dürfte. Wobei ich aber auch gerne zugebe, dass sich die Platte in ihrer Gänze erst nach einigen Durchläufen erschließt. Trotzdem ein sehr gelungenes Album.


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