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CD-Review

The Flood Inside

Artikel veröffentlicht am 20.02.2013 | 4831 mal gelesen

Die Spannung wurde zunehmend größer in den letzten Monaten, vor allem, als das neue Album von LONG DISTANCE CALLING nicht nur eines war, dass da irgendwo am Horizont erscheinen wird, sondern langsam aber sicher immer mehr Gestalt annahm. Von der Meldung, dass sich die Band von Klangkünstler Reimut Van Bonn verabschiedet hat, die Aufnahme von Martin "Marsen" Fischer (PIGEON TOE), der die Hälfte der Lieder des Albums mit seinem Gesang veredeln wird, über die Präsentation des Covers, der Tracklist und dem Gastsänger (bzw. den Gastsängern), wurde die Spannung zunehmend aufgebaut. Nach all den positiven Resonanzen, welche die Band mit ihren bisherigen Alben und auch live einfahren konnte, ist es kein Wunder, dass sich sämtliche Interessenten nun zur Veröffentlichung wie die Irren auf das Album stürzen. So sieht's also aus: Die Flut ist da, LONG DISTANCE CALLING zum Vierten. Here comes "The Flood Inside"...

"Nucleus" ist ein spannungsgeladener Rocker, der dem Einstieg ins Album eine knisternde Stimmung verleiht. Garniert mit saugeilen Soli, die locker auf einem Prog-Album der 70er hätten stehen können, schlängelt sich einem gleich das erste Highlight um die Ohren. "Inside The Flood" wird danach nur noch spannender, denn Marsen zeigt hier zum ersten Mal, wie er den Sound der Band mit seiner Stimme ergänzt. Gelungen? Aber hallo! Ganz ehrlich, ich hätte nicht erwartet, dass es gelingt, den so vielseitigen Stücken von LONG DISTANCE CALLING häufiger Gesang zu verpassen, als dem bislang obligatorischen Track pro Album.

"Ductus" muss man als stellenweise regelrecht hypnotisch bezeichnen, denn die verträumten Gitarrenparts, die mich wieder oft an die 70's erinnern und das rhytmusbetonte Drumming laden förmlich dazu ein, dem Ruf der Ferne zu folgen. Spätestens ab diesem Stück wird auch sehr deutlich, dass es der Band einmal mehr und vor allem beeindruckender denn je gelungen ist, ihren Kompositionen in Sachen Dynamik so viel Raum zu gewähren, dass die Musik frisch, irgendwie auch neu und dennoch ganz klar nach LONG DISTANCE CALLING klingt.

Es folgt mit "Tell The End" der zweite Einsatz von Sänger Marsen und meine Begeisterung für seine Aufnahme in die Band und seine gekonnt eingesetzten Vocals steigt zunehmend. Spätestens hier sollte, nein, MUSS jegliche Skepsis, sofern sie irgendein Die-Hard-Fan da draußen hatte, verflogen sein. Die Vocals sind fantastisch auf die Musik zugeschnitten und der Refrain ist einfach nur geil. Selbst, wenn hier die Musik eher songdienlich gehalten ist, worüber sich andere Bands freuen würden, wenn sie dies überhaupt hinbekämen, ist es im Falle LONG DISTANCE CALLING auf den ersten Eindruck schon beinahe als grenzwertig zu bezeichnen. Ist diese neue Art der Herangehensweise aber erst einmal akzeptiert, entpuppt sie sich schnell als vorzüglich gelungene Ergänzung ihres Sounds.

"Welcome Change" stellt dann nicht nur den Mittelpunkt des Albums dar, sondern ist gleichzeitig auch das Stück mit dem Überraschungsgast. Halt! Überraschungsgäste ist der richtige Terminus. Niemand geringeres als ANATHEMAs Vincent Cavanagh verleiht dem Stück seine herausragende Leidenschaft und unterstützt es mit seiner tief emotionalen Stimme. Mit dabei ist zudem der norwegische Singer-songwriter Petter Carlsen, der Cavanagh an den dramaturgischen Stellen fantastisch ergänzt.

Das folgende "Waves" ist aufgrund seiner langen Einleitung in Introform eher als atmosphärisches Zwischenspiel anzusehen. Es lockert das Album an der richtigen Stelle auf, um dann zum Grande Finale auszuholen. Zum dritten und letzten Mal auf diesem Album integriert sich Sänger Marsen auf "The Man Within" vorzüglich in die anspruchsvolle Musik LONG DISTANCE CALLINGs und untermauert den langst akzeptierten Beweis, dass die Musik der Truppe auch mit Gesang einwandfrei funktioniert. Mit "Breaker" wird das reguläre Album beendet (die limitierte Version enthält einen Bonustrack) und zeigt die Band noch einmal von ihrer besten Seite. In eine geniale Dynamik gehüllt schmiegen sich hier Härte, Verträumtheit, vorzügliches Solospiel, verdammt starke Parts und eine packende Atmosphäre aneinander und bestätigen das Gefühl, dass die Band auf diesem Album ihre Stärken komplett ausgespielt hat.

Gegossen in ein ebenso differenziertes wie punktgenaues Soundgewand, je nachdem, wieviel Härte oder nötiger Klangspielraum die Musik gerade erfordert, stellt "The Flood Inside" ganz klar und deutlich den bisherigen Höhepunkt in der Karriere LONG DISTANCE CALLINGs dar. Die Stücke sind allesamt herausragend konzipiert und umgesetzt. Sie strotzen vor Vielseitigkeit, spielerischem Können und glänzen dennoch auch mit dem nötigen Maß an Zurückhaltung an den richtigen Stellen, um die Atmosphäre der Musik perfekt zu gestalten. 

Nicht nur durch die überraschende Hinzunahme eines Sängers ist es der Band gelungen, ein großes Kapitel in ihrer Karriere aufzuschlagen. Ihr flexibles und differenziertes Songwriting hat sich derart verfeinert, dass die Musiker hörbar in der Lage sind, zukünftig noch viele Trümpfe auszuspielen.
Bleibt abschließend nur noch zu sagen: Top-Album, tolle Musik, starke Live-Band, macht Lust auf mehr, lasst euch das nicht entgehen!


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melden The Fallen Empire (unregistriert) | 20.02.2013 | 15:34 Uhr

B)  

kkjuliankk
melden Wertung 10/10 kkjuliankk | 21.02.2013 | 17:02 Uhr

Hammer!  

Sickman
melden Wertung 10/10 Sickman | 22.02.2013 | 11:46 Uhr

Übrigens... ist völlig Schnuppe, ob da oben ne 9 oder 10 steht. Wo besteht zwischen 9 und 10 schon ein großer Unterschied!? Die Scheibe ist total geil, das allein zählt!