A Sense Of Gravity - Atrament

Review

A SENSE OF GRAVITY kommen aus Seattle daher gepoltert, um uns daran zu erinnern, wie geil, wie knüppelhart, vor allem aber: wie progressiv und komplex der moderne Death Metal sein kann. In Zeiten, in denen sich eine gewisse, in Flammen stehende Band mehr und mehr dem Kommerz anbiedert, ist das auch bitter nötig. Die US-Amerikaner spielen auf ihrem zweiten Album “Atrament” mit offenen Karten, was ihre Einflüsse angeht. Besonders “The Divide” macht aus seiner Nähe zu OPETH keinen Hehl. Dafür sprudeln die straff gespielten Songs über mit Kreativität und sind dabei im ausreichenden Maße eingängig. Das heißt natürlich nicht, dass hier die Charthits von morgen schlummern. Vielmehr macht der progressive, komplexe und anspruchsvolle Sound von A SENSE OF GRAVITY dank seiner Eingängigkeit und der daraus resultierenden, guten Hörbarkeit einfach nur Spaß.

A SENSE OF GRAVITY knüppeln mit Köpfchen und progressiver Grazie

Ein orchestrales Intro namens “Drowning In The Ink” eröffnet das Album. Normalerweise ist das eine der nervigsten Tropen des zeitgenössischen Metal. Doch “Drowning In The Ink” hat den erfrischenden Twist, dass die Gesangsmelodie bereits im folgenden Track “Reclusive Peace” wieder Verwendung im Refrain findet. Endlich mal ein Intro, das nicht einfach um des Intros Willen vorangeschaltet worden ist.

Im weiteren Verlauf verweben die US-Amerikaner großartige Melodien und komplexe Rhythmen zu packenden Songs, die mal mehr, mal weniger vertrackt ausfallen. “Echo Chasers” etwa ist ein vergleichsweise geradliniger Nackenbrecher mit Ohrwurm-Refrain. “Guise Of Complemancy” dagegen gehört eher zu den Tracks, in die man sich erst einmal hinein hören muss. Wer dagegen durch Bands wie SCAR SYMMETRY, LEPROUS oder OPETH schon vorgeschädigt ist, wird nahezu keine Mühe haben, sich an diesen Songs zu erfreuen. Sänger C.J. Jenkins ist eine Wucht, ähnlich wie Christian Älvestam, Einar Solberg oder eben Mikael Åkerfeldt. Neben dem klaren Gesang, der zwar gelegentlich etwas den Soul, dafür aber keineswegs die Zielgenauigkeit der genannten Vorbilder missen lässt, sind es die markerschütternden Growls und fiesen Screams, mit denen er die Songs veredelt.

Diese wiederum sind sehr komplex und technisch anspruchsvoll ausgefallen. Der Fokus liegt dabei weniger auf Polyrhythmik á la MESHUGGAH. Die wird im kurzen “Revenant” mal angedeutet und… gehört nicht zu den Stärken von A SENSE OF GRAVITY. Doch ein leicht verunglückter Zweiminüter schadet dem Album als Gesamtwerk nicht. Denn der Schwerpunkt liegt eher auf dem wilden, vertrackten Riffing, interessanten, zum Teil von (neo-)klassischer Musik inspirierten Harmonien und der Aggression, die dem Hörer stets in adäquaten Dosen verabreicht wird. Oder salopper formuliert: Hier wird mit Köpfchen aufs Köpfchen ein geknüppelt.

Tödliches Earcandy, auch dank eines Hammersounds

Auch die Produktion trägt ihren Teil zu der hervorragenden Hörbarkeit des Albums bei. Die tiefen Gitarren stechen angenehm hervor, gerade dann, wenn mal mehr im Song abgeht wie in “Shadow Lines”. Dazu sind die Keyboards wunderbar klar abgemischt und den orchestralen Arrangements, vor allem im Intro, merkt man ihre Herkunft aus der Tastenkonserve nahezu gar nicht an. Das Schlagzeug hämmert kräftig und präzise und Jenkins’ Gesang thront jederzeit verständlich über dem Geschehen.

Damit ist “Atrament” ein erfrischender, melodisch-progressiver Schlag ins Gesicht. Das durchdachte Songwriting, der hervorragende Sound und natürlich die erstklassige Darbietung der beteiligten Musiker machen einfach Lust auf mehr. Also, ihr Modern-Death-Jünger da draußen: Merkt euch mal den Namen A SENSE OF GRAVITY vor. Die Jungs können ordentlich was.

18.12.2016

Hier ist ein Klaas Milch.

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