Antropomorphia - Evangelivm Nekromantia

Review

Im Idealfall nistet sich holländischer Death Metal in offene Winkel und Kanten, beißt sich dort und fest bildet unter diesem Banner ein eigenes Gesicht. Warum ausgerechnet unsere, insbesondere fußballerisch, so verhassten westlichen Nachbarn? Weil es dort schon ungewöhnlich vielen Bands gelungen ist, ebendies zu tun – ganz einfach. Schließlich existiert eine charakteristische Art niederländischen Todesmetalls an sich überhaupt nicht, und doch haben Truppen wie ASPHYX, HAIL OF BULLETS, SINISTER oder GOREFEST ihre vollkommen eigene Identität. ANTROPOMORPHIA gehören, ob man es glaubt oder nicht, tatsächlich auch zum alten Eisen entsprechender Tonkunst, denn schließlich existiert das Trio seit nunmehr 23 Jahren, auch wenn zwischenzeitlich relativ langwährend musikalische Eiszeit bestand.

Obgleich die Jungs, sicherlich wahrheitsgemäß, vorgeben, seinerzeit von BATHORY, HELLHAMMER und Konsorten geprägt worden zu sein, sind die Querverweise heutzutage rein musikalisch eben doch ganz andere. Die Riffs bewegen sich tatsächlich im Dreieck zwischen Schweden, England und Holland. Die Mitte füllen in diesem Fall, na wer hätte es gedacht, BOLT THROWER aus, da sich ANTROPOMORPHIA doch zu einem nicht unwesentlichen Teil auf krachende Midtempo-Walzen verlassen. Mit panzerartig nach vorne preschenden Double-Bass-Attacken besteht kaum ein Zweifel, auf welche Art “Evanglivm Nekromantia“ live wirken wird. Ein absolut typischer Track, bei dem dann auch das oben genannte Nationalitätendreigestirn vollends zum Tragen kommt, ist dann “The Mourned And The Macabre“ mit seinem greifenden Saitenkonstrukt und der wahrlich fiesen Röhre von Sänger und Gitarrist Ferry Damen.

Dass wir uns textlich hier auf, wie so oft, primitiven Bahnen der nekromantischen Paarungspraxis und anderer Abartigkeiten befinden, dürfte die Wenigsten stören. Da wiegt es doch deutlich schwerer, dass man ANTROPOMORPHIA den langen Stillstand von etlichen Jahren in den Knochen deutlich anmerkt. Nicht technisch – das ist solides Handwerk, trotzdem “Evangelivm Nekromantia“ auch keinen Anspruchspreis gewinnen wird. Vielmehr geht es darum, dass die Band die Phase der eigenen Identitätsfindung noch nicht durchgemacht hat. Die Hooklines sind vielgehört, machen Spaß und treffen den Hörer am richtigen Nerv, aber eben zu allgemeinkonform, zu wenig selbstständig und zu ablegerhaft. Es scheppert gewaltig, aber leider nur in den klaren Überdurchschnitt hinein.

15.10.2012

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