Belphegor - Totenritual

Review

Galerie mit 22 Bildern: Belphegor - European Totenritual Crusade 2017 in Wien

Nur Satan weiß, wie oft ich “Totenritual” jetzt schon von vorne habe laufen lassen. Das Album entfacht wie immer ein diabolisches Feuer, das sich mit jedem Song weiter ausbreitet, sich vom Hören nährt und nichts als Asche und Dunkelheit hinterlässt. Puh, ein Absatz ist fast geschafft – vollgestopft mit inhaltlichen Klischees, die zum Musikgenre passen. Warum? Weil ich auch nach einigen Durchläufen nicht ganz schlau werde aus dem neuen Werk von BELPHEGOR. Teilweise scheint es, als würde man den Vorgänger “Conjuring The Dead” mit anderer Song-Reihenfolge hören. Sind den Österreichern die neuen Ideen ausgegangen?

Welches Album von BELPHEGOR höre ich gerade?

Gehen wir dem Ganzen also auf den Grund und bewegen uns Song für Song durch “Totenritual”. Der Opener “Baphomet” wurde im Vorfeld ausgekoppelt. Als Vertreter der Band fungiert die Nummer prächtig, denn vom Aufbau her ist das alles typisch BELPHEGOR. Als Albumvertreter, also im Promo-Sinne, hingegen nicht. Die Gitarren stampfen zu simpel, und gerade die Intonation der Vocals ist dermaßen bekannt, wenn man mit dem Backkatalog vertraut ist. Zum ersten Mal stellt sich der Eindruck ein, man hätte diesen Song so oder so ähnlich schon mal gehört. Nicht zum letzten Mal.

Ach, das ist “Totenritual”, ok!

“The Devil’s Son” lässt Melodien und Vocals vor allem im Refrain klasse ineinanderfließen – wie Blut bei einem “Totenritual”, um noch mal die Klischeekrone aufzusetzen. Im Mittelteil sticht die Leadgitarre positiv heraus. Nächstes Stück: Der Wechsel aus schweren Riffs und schlangenartigen Melodien, zersetzt von ruhigeren Zwischenspielen, ist im BELPHEGOR-Universum auch bekannt. “Swinefever – Regent Of Pigs” ergänzt noch die typischen Breaks und geht als einer der schwächsten Songs von “Totenritual” unter. Das Beste kommt zum Schluss? Bei “Apophis – Black Dragon” definitiv, denn Song-Highlight ist der sich majestätisch im Midtempo bei konstant ratternder Doublebass fortbewegende Ausklang. Albumhälfte erreicht. Aber auch hier nichts Außergewöhnliches: bekannte BELPHEGOR-Kost (insbesondere der Abschluss, wenn die Finger noch mal alles auf der Tonleiter geben, bevor es abrupt endet), ohne Frage strukturell hochwertig und technisch aufwendig, nur leider wenig packend oder gar überraschend.

Es fehlen die verschleiernden Highlights

“Totenbeschwörer” schlägt in dieselbe Kerbe wie “The Eyes” auf dem Vorgänger. Dann das zum Teil auffälligste Lied von “Totenritual”: “Spell Of Reflection” präsentiert eine vortreffliche Vocal-Variation, die das stärkste Riff des gesamten Albums einleitet. Ansonsten kommt die Gitarrenarbeit nicht über “uninspiriert” hinaus. Erkenntnis: Wenn es nicht gerade so ein geniales Black-Thrash-Massaker wie in “In Death” ist, tragen die tiefer gestimmten Passagen neuerdings selten zur Qualität eines BELPHEGOR-Albums bei. Und so weiter … brechen wir die Liedbeschreibungen an der Stelle ab, denn es ändert sich nichts mehr. Allgemein wurden auch auf “Totenritual” wieder viele Samples platziert und es gibt den obligatorischen Song mit deutschen Texten. Fazit: Wenn Hits und Highlights fehlen, die verschleiern, dass sich langsam eine generelle Eintönigkeit im Bandsound einstellt, wird es problematisch. Solange die bekannten Passagen grandios sind, gelten sie im positiven Sinne als Trademarks, im Fall von “Totenritual” eher als Stagnation.

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04.10.2017

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4 Kommentare zu Belphegor - Totenritual

  1. Bluttaufe sagt:

    “Totenritual” ist definitiv kein Killer in der BELPHEGOR Diskografie. Der Opener “Baphomet” klingt so lustlos runtergeileiert, dass einem der ganze Spaß auf das Album vergeht. Der 3. Song “Swinefever – Regent Of Pigs” steht dem in nichts nach. Es wird im Laufe dann doch etwas besser aber im Hause BELPHEGOR ist man eindeutig besseres gewohnt. Früher waren die Stücke kompakter, in sich schlüssiger und homogener. Seit “Conjuring The Dead” (welches ja auch nicht die Erfüllung war) klingen die Songs sehr zerstückelt, was hier auch fortgeführt wird.
    Die besten Songs sind definitiv “The Devil’s Son”, “Apophis – Black Dragon” und “Spell Of Reflection”
    An der Kotzgrenze ist auch der Sound. Schön den Kompressionsregler nach oben geschoben – das mag zwar wuchtig bzw. pseudobrutal klingen, schmälert aber den Hörgenuss enorm. Dann doch lieber den mäßigen dünn-dumpfen Demo Sound von “Conjuring The Dead”.
    Eigentlich hat “Totenritual” ja nur 9 Songs. Wer das Digi kauft wird mit 2 Live Tracks “belohnt”. Finde ich als Bonus jetzt auch etwas mau. Wobei “Stigma Diabolicum” beweist zu welchen Fähigkeiten BELPHEGOR einst im Stande waren.
    2 schwache Alben in Folge…irgendwas stimmt bei BELPHEGOR nicht.
    Bei aller Sympathie aber mehr als 5-6 Punkte sind hier wirklich nicht drin.

    6/10
  2. Metalgandalf sagt:

    Ich sehe es wie mein Vorredner: Irgendwie sind seit Conjuring…zu viele Ideen in einem Song die nicht immer als Einheit wirken, ja es wirkt teilweise zerhackt. Aber dennoch sind es coole Melodien und die Songs sind schmissinger als auf Conjuring. Innerhalb ihres eigenen Comos legen Belphegor ein richtig gutes mit nem fetten Sound Album vor, den Vorwurf der Stagnation kann ich nicht teilen, sollen sie jetzt völlig anders klingen? Dann wär es nicht mehr Belphegor…Allein schon des Könnens wegen sind es mindestens 7P (die 6 sind ein absoluter Witz!), ich geb 8P obwohl sie wohl leider nie mehr so gut wie zw. Lucifer incestus und Pestapokalyse sein werden…

    8/10
  3. Gregorius sagt:

    ich hab Belphegor immer verfolgt und seit Lucifer Incestus (Das Titelstück ist für mich der beste Belphegor-Song ever) hat mich ehrlich gesagt nichts mehr umgehauen. Es gab immer mal wieder einzelne, nette Stücke aber im Ganzen war da nichts mehr, was richtig eingeschlagen hat.
    Und Totenritual ist da nur einfach ein weiteres Album ohne besondere Vorkommnisse und ohne Topsongs. Die Parts/Ideen innerhalb eines Songs klingen tatsächlich lieblos aneinandergepappt.
    Entweder musste einfach nur mal wieder eine Platte raus oder die Kreativität lässt nach… wobei, mir kommt schon fast die Idee, dass Alben wie LuIn nur durch den einen Produzenten (Alex Krull) so gut waren und die Band selbst grundsätzlich eher mittelmäßige bis schwache Songwriter sind. Who knows…

    6/10
  4. Michael sagt:

    Zweifelsohne ist Totenritual ein gutes Album geworden und weitaus besser als Conjuring. Aber mir fehlt so ein bisschen das provokante und absurde der alten Alben. Es wirkt ein wenig überproduziert, sowohl vom Sound her als auch vom Songwriting. Das Helmuth und seine Leute technisch in der Oberliga spielen, steht außer Frage. Vielleicht hat man an eine Band wie Belphegor, einfach auch etwas zu hohe Erwartungen – immerhin haben die kein schlechtes oder gar mittelmäßiges Album. Totenritual ist sicher kein zweites “Pestapokalypse VI”, was ein unerreichtes Meisterwerk im Black-Death Bereich ist. Ich hab Totenritual jetzt schon relativ oft gehört und ein paar der Songs steigern sich nach mehrmaligem hören, dennoch wirkt es so als wäre die Band ein bisschen “zu erwachsen” geworden.

    8/10