Bison B.C. - Quiet Earth

Review

Ein knapp fünfzigminütiges Album, acht Songs: Länge zählt eben doch. Bei BISON B.C. aus dem kanadischen Vancouver ist das zumindest so. Nach ihrem letztjährigen “Earthbound” kommt jetzt mit “Quiet Earth” ein Album, das überzeugender ist, als ein erster Vorgeschmack je hätte andeuten können. Sie riffrocken stur, bierig, zugleich aber auch präzise und filigran, klingen dementsprechend beeindruckend dated und damit absolut hinreichend (wenn nicht gar: beachtlich) unmodern. Sie zelebrieren in schon fast tibetischer Haltung das Riff als Konfession, als anbetungswürdige Gottheit.

Der Groove stimmt in allen Geschwindigkeitsbereichen. Dabei gehen sie Kompromissen gekonnt aus dem Weg und befreien sich allein dadurch schon vom Stoner-Verdacht, denn mit Stoner hat diese Platte weiß Gott nichts zu tun. Musikalisch erinnert die teilweise recht wüste Emphase zwar gelegentlich an Bands wie THE SWORD, HIGH ON FIRE, die späten SLEEP oder SAVIOURS, über die Albumlänge aber gesellen sich genügend eigenwillige Stimmungen und Songformate zum altbekannten Spiel der hysterischen Rockinstrumente hinzu, als dass wir von einem Klon sprechen müssten. Ganz im Gegenteil. BISON B.C. sind deutlich mehr an labyrinthischen Harmonien interessiert, an melodiösen Spielereien, klaren Spannungsbögen, waghalsigen Tempowechseln und flinken Akkordfolgen, die gut die Hälfte der Stücke durchziehen. “Quiet Earth” ist mit einem mehr Song-orientierten Ansatz amalgamiert, indem es auch auf klassische Metal-Einflüsse schielt. Die Gitarren von James Farwell und Dan And duellieren sich, holpern und galoppieren, wie es THIN LIZZY nicht besser hinbekommen hätten. Ihre Riffs sind durchaus originell und erfüllen mehr als ihren Mosh-Zweck, und auch der sumpfige Southern-Flair, der die Songs durchweht und so dem Massaker-Sound von ihren Labelkollegen SOILENT GREEN ähnelt, passt und tut der Band gut. Auch wenn der Gesang rau und unfreundlich – nicht gleichzusetzen mit viehischem Gegrowle – ist, regiert hier gewitzte Spielfreude: Die krasse Riff-gegen-Solo-Schlacht “Dark Towers” geht gut durch, eine echte, fette Rock-Konversation, unglaublich auch das herzlich bratende Instrumental “Medication”.

Die ewigen Vergleiche mit anderen Bands aus ähnlichen oder homogenen musikalischen Gefilden, derer auch ich mir nicht zu schade bin, werden die Vier sicher noch eine Zeit lang verfolgen, die Stärke damit umzugehen steckt aber bereits in diesem Album. Für einen Eintrag in der Liste der aktuell bedeutsamen nordamerikanischen Metalentwürfe im Underground reicht das dicke – wozu auch die Produktion von Jesse Gander beiträgt. “Quiet Earth” lebt vor allem von seiner kompositorischen Freiheit und bezieht auch daher trotz klassischer Zutaten seine Frische: es ist ein Werk, das durch seine konzentrierte musikalische Ausführung zu begeistern weiß und bereits erahnen lässt, von welchem Potential sein möglicher Nachfolger erfüllt sein wird.

18.10.2008

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