Black Sabbath - Vol. 4

Review

BLACK SABBATH haben nach kleineren Detailkorrekturen eine Autoritäts-Behauptung aufgenommen, eine “klassische” Rockplatte, die auch schon optisch – gewohnt in schwarz, großer weißer Schriftzug, mit Ozzy in Siegerpose auf dem Cover – keinen anderen Schluss zulässt. “Vol. 4” ist das frühe Fazit dieser Band, das Fazit aller Rockmusik bis dahin, die was von Drogen, slicken Riffs, hippieskem Okkultismus und Frauen, vor allem aber von Drogen versteht, ohne ganz hirntot zu sein. Musikalisch erscheinen sie daher geradezu erschreckend eindeutig, wenn nicht sogar redundant; der Hörer wird zwar nicht mit brennenden Neuigkeiten verblüfft, sehr wohl aber besänftigt mit einem hörenswerten Einsatz der verfügbaren Mittel. SABBATH ist das zum Monstrum aufgeblasene oder meinetwegen auch zu Ende gedachte Produktionsprinzip der Rockmusik. In der Besetzung Ward, Butler, Iommi, Osbourne sind sie ein Naturgesetz – einerseits berechenbar, aber andererseits zugleich auch unausweichlich.

Es kann einen also nicht verwundern, dass sie auch hier zu bis zum Anschlag aufgedrehten Verstärkern schon nach zehn Sekunden den ersten unwiderstehlichen bluesgeerdeten Akkordwechsel nach alter Vätersitte, nach 30 Sekunden die erste süchtig machende Melodie und die erste, wie man so schön sagt, auf den Spitzen der Lunge intonierte Songzeile, zwischen Minute zwei und drei das erste jaulende Gitarrensolo und nach viereinhalb Minuten der erste neue Lieblingssong entfaltet haben. Das ist “Wheels of Confusion”. Es versteht sich von selbst, dass es danach sehr, sehr ähnlich hymnisch, nölig, kopfhängerisch weitergeht. Die Vergeblichkeit der Rock-Song-Form, die Riff-Trivialität ist aber ziemlich beredt, wie es SABBATH exemplarisch mit “Tomorrows Dream” oder “Under the Sun” vorführen können. Die Form profitiert von dem ganzen Verbindlichkeits- und Geschichtlichkeitsvorrat, den sie mit sich herumschleppt – es lässt sich ganz köstlich mit minimalistischen Gesten die Grenzen vorführen, ohne sie überschreiten zu müssen: das ist immer interessanter, als verkrampft Neues sagen zu wollen. Wenn alles gesagt ist, liegt der Ausweg eben in der Variation. Eine Gleichung mit starkem Alten, die geht bekanntlich immer auf.

Ein Stück wie “Supernaut” ist die für heute immer noch gültige, forcierte Verschmelzungsformel für Blues-Tempo und Metal-Bewusstsein, also das was, an hanfenen Fäden hängend, als Stoner bezeichnet wird – ein Mahlwerk aus berückend-verzerrten Gitarren und einem Schlagzeugbeat wie eine viktorianische Dampfmaschine, die solide und stilecht gerade parzelliert, durch das Ostinato des griffigen Basslaufs in seiner Wirkung noch verstärkt. “Snowblind” ist der mit kauzigen Fuzz-Harmonienfolgen levitierte Hit, der zum Ende hin eine der Melodien auf diesem Album besitzt, die man sich unbedingt merken muss; die Gitarre entwickelt hier ein reizvolles Eigenleben, die Gitarre als Klanggestalt des Deliriums, wie man früher geschrieben hätte. “St. Vitus Dance”: unpeinlich und unprätentiös aufgeklärter Rock, der genau den Humus abgibt, auf dem Tony Iommis Soli als kleine Mutations- oder Hybridisierungsversuche bestens gedeihen können.

Den schweren, also in fast schon geologischen Tempi vorgetragenen Riffern, oft bis zur Unkenntlichkeit überdramatisiert, mal in vier, gerne mal auch in fünf/sechs Minuten Einheiten, stehen das zarte Ballädchen “Changes” und das an begnadeter, ölig-sentimentaler Erhabenheit und süffigem Kitsch kaum zu überbietende “Laguna Sunrise” gegenüber. Es muss triefen. Mit solchen Songs befreit man sich auf “Vol. 4” von falschen Stallgerüchen, schafft vorsorglich Freiräume, falls das Rock-Korsett mal zu eng werden sollte. Es sind zwar keine Highlights, aber nach dem ganzen jubilierenden Stöbern und Sich-Plustern kleine Inseln der Erholung. Härter als alle anderen, wie sich das SABBATH zu Beginn ihrer Karriere vorstellten, mussten sie nicht mehr sein, sie haben sich längst bewiesen. Aber im Hintergrund lauert ja bereits schon der Tritonus und löscht beizeiten das Lagerfeuer.

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02.01.2010

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