Custard - A Realm Of Tales

Review

CUSTARD sind aus heimischen Metalszene nicht wegzudenken. Seit dreißig Jahren im Underground tätig, veröffentlichen die Mannen um Drummer Chris Klapper mit “A Realm Of Tales” ihr nunmehr sechstes Full-Length-Album. Jenes aktuelle Werk ist der Nachfolger zu “Infested By Anger”, dem ersten Album mit Sänger Olli Strasser am Gesang. Vor knapp fünf Jahren konnte mich die Scheibe durchaus ansprechen. Wie verhält es sich aber mit “A Realm Of Tales”?

Zunächst sei erwähnt, dass sich bei den Ruhrpottmetallern abermals das Besetzungskarussell gedreht hat. Gitarristin Anna spielt nicht länger in der Band. Ihren Part hat FAIRYTALE-Gitarrist Stefan ‘Absorber’ Klempnauer übernommen. Und, so viel sei verraten, der Junge fügt sich sehr gut in das Bandgefüge ein und würzt die Songs von CUSTARD mit dem einen oder anderen superben Gitarrensolo. So weit, so gut. Doch was kann das neue Album? Einfache Antwort: eine Menge.

Nach dem atmosphärischen Intro “Icy Stare” legen die Herner schön majestätisch mit “Queen Of Snow” los. Die Nummer entpuppt sich sofort als der optimale Opener für die Scheibe, die sich thematisch mit Märchen befasst. Neben knackigen Midtempo-Parts und einem mächtigen Refrain, punktet die Nummer durch das gekonnte Zusammenspiel der Band. Die Gitarristen Stefan und Carsten hatten hörbar Spaß bei den Aufnahmen und auch Sänger Olli toppt seine Leistung noch, verglichen mit dem Vorgänger. Starker Song, der die Erwartungshaltung an das Album deutlich in die Höhe schraubt. Gleiches gilt auch für die folgenden “The Pied Piper”, “Arabian Nights” und “Snow White”, die in die gleiche Kerbe schlagen und Metal auf internationalem Niveau präsentieren. Aber auch “Daughter Of The Sea” und vor allem das abschließende “Forged In Fantasy” stehen der vorgenannten Songs in nichts nach und bieten ebenfalls Metal der Extraklasse. “Forged In Fantasy” bildet dabei den krönenden Abschluss des Albums und markiert einen der besten CUSTARD-Songs überhaupt. Klassischer Power Metal at it’s best, keine Frage. Das Stück hätten GAMMA RAY und Konsorten nicht besser hinbekommen. Ich bin, ob der Hitdichte, echt beeindruckt.

Mit “Sign Of Evil” und “The Little Matchgirl” (samt Intro) haben sich aber leider auch zwei Nummern auf die Platte geschlichen, die das Niveau der anderen Songs nicht halten können und eher belanglos im Kontext des Albums wirken. Kann passieren, zumal mit “Witch Hunter” (ansprechender Refrain) und “Bluebeard” (typische CUSTARD-Nummer) noch zwei Stücke auf die Habenseite rutschen. Der schon erwähnte Rest ist aber über jeden Zweifel erhaben.

Über die Fähigkeiten der Musiker braucht man eigentlich kein Wort verlieren. Alles keine Newbies, sondern Könner an den Instrumenten. Dennoch darf die Frage erlaubt sein, warum (gut) programmierte Drums auf dem Album Verwendung finden (vor allem bei den Toms herauszuhören). Chris Klapper ist ein klasse Schlagzeuger, der es bestimmt nicht nötig hat, auf Konservendrums zurück zu greifen. Schade, das wirft aber ein wenig Schatten auf das Album. Ich bezweifele, dass sich Fans davon abschrecken lassen. Sollen sie auch nicht – dafür ist das Songmaterial viel zu stark. Und ich bin mir auch durchaus bewußt, dass viele andere Bands (schon lange) auf solche technischen Hilfsmittel zurückgreifen (MANOWAR oder RUNNING WILD, anyone?). Wenn man es weiß, stört es beim Hören aber ungemein.

Sei es drum, wer über die Kritikpunkte hinwegsehen kann, wird mit “A Realm Of Tales” bestens bedient. CUSTARD machen das, was sie am besten können – geilen Metal. Power-Metal-Fans sollten die Scheibe auf jeden Fall abgreifen (nicht nur antesten!). Wer auf anspruchsvollen Metal steht, kann hier auch bedenkenlos zugreifen. Fette acht Punkte, trotz der Abzüge in der B-Note.

31.05.2017

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