Elder - Lore

Review

Boston, Massachusetts. Die ewigen Celtics und die legendären Red Sox, die ruhmreiche Harvard-Universität (“Honey, don’t be sad, Tulane is just as good for you!” – “Shut up, Mom. You know that’s bullshit!“) und das Boston Symphony Orchestra. Und hinter all dem Glanz und Spektakel: Eine legendäre Hardcore-Szene – und eine gewisse Truppe namens ELDER. Die fuhrwerkt seit nahezu zehn Jahren durch den Ostküsten-Untergrund und hat bislang in Form des selbstbetitelten Debüts (2008) und des 2011er “Dead Roots Stirring” zwei innerhalb der Stoner- und Psychedelic-Gemeinde durchaus euphorisch aufgenommene Platten veröffentlicht – jetzt legt das Trio mit “Lore” sein drittes Studioalbum nach.

Was die physischen Dimensionen der Platte anbelangt, bleiben ELDER ihrer bisherigen Linie treu. “Weniger” ist eben “mehr”, sprich: wenige Tracks, dafür aber mit umso längerer Spielzeit. “Deadweight”, das kürzeste Stück der Platte, bringt es auf satte neuneinhalb Minuten Laufleistung – insgesamt erreichen die hier gebotenen fünf Tracks eine Spielzeit von knapp einer Stunde. Das ist erstmal ‘ne Ansage.

Aber auch dramaturgisch halten die Kompositionen der US-Amerikaner, was ihre monumentalen Ausmaße versprechen: “Lore” bietet einen unterhaltsamen und stilübergreifenden Trip durch Doom, Prog, Metal, Stoner und Psychedelic Rock sowie Low-Fi-Geschrammel, wobei Bands wie ELECTRIC WIZARD, RED FANG, MASTODON, SLEEP und BLACK SABBATH zweifelsfrei ihre Aktien an der ganzen Angelegenheit haben. Im malerischen und mit klassischem Prog-Anstrich versehenen “Legend” unternehmen ELDER dann sogar Ausflüge in post-rockige Sphären und bewerkstelligen diesen – eigentlich auch irgendwie naheliegenden – Genre-Spagat ebenfalls mit Bravour.

Ansonsten bestimmen walzende Doom- und Stoner-Riffs, das kehlige Organ des Frontmanns und Gitarristen Nick DiSalvo sowie mantraartige Psychedelic-Exkurse das Klangbild – angereichert mit treffsicheren Hooks und immer wieder auch zurückhaltenderen Passagen, in denen sich ELDER von ihrer zarten, nachdenklichen Seite zeigen. Hier seien vor allem das bereits genannte “Legend” sowie der viertelstündige Titeltrack genannt, der sich nach verspieltem Auftakt erst als stampfender Rocker präsentiert, dann zur Halbzeit bei minimalistischen Clean-Gitarren Rast hält, um im Finale nochmals mitreißend-wuchtige Riffkost der Extraklasse zu liefern. Im Anschluss überzeugen weiterhin sowohl das weitestgehend kernig dargebotene “Deadweight” sowie der rockige Schlusstrack “Spirit At Aphelion”.

Einzige Kritik, die sich “Lore” gefallen lassen muss: Die Scheibe hängt in einigen Momenten ihrem insgesamt hohem Niveau ein wenig hinterher – eine Handvoll Riffs zündet nicht gänzlich und die widerspenstigen Songbrocken haben zweifelsfrei auch einige weniger magische Passagen. Es ist allerdings verdammt schwer, konkrete Schwachpunkte herauszudestillieren – denn insgesamt bietet “Lore” durchweg stimmige Kost, und auch der Sound der Scheibe ist großartig. Alles sitzt hier am rechten Fleck. Allein das Bauchgefühl des Rezensenten sagt, dass ELDER eine unbestritten sehr gute, aber keine großartige Scheibe abgeliefert haben. Unabhängig davon: Wer Platten oben genannter Haudegen in seinem Regal stehen hat, wird in diesem Jahr kaum an den Herren aus Boston vorbeikommen – und das verdientermaßen.

Das komplette Album kann via Bandcamp gestreamt werden.

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11.03.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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