Exivious - Liminal

Review

Das Schönste nach einer anstrengenden Woche ist sicherlich, am späten Freitag Nachmittag in den heimischen vier Wänden einzukehren, seine Lieblingsmahlzeit einzunehmen, sich anschließend zu einem kühlen Getränk auf der Couch niederzulassen und eine schöne Platte aufzulegen – um die wieder einmal beanspruchte Seele etwas baumeln zu lassen. Dumm nur, wenn man es in solch einer Situation mit einer Truppe Übertalentierter zu tun bekommt, die meint, einen mit völlig verkorksten Taktarten und schwindelerregender Instrumentalakrobatik malträtieren zu müssen. So geschehen im Fall der Prog-Jazzer EXIVIOUS, die heuer ihr zweites Studiowerk vorlegen. Am Ende aber alles halb so schlimm – denn das, was die vier Herrschaften aus den Niederlanden auf “Liminal” abliefern, kann nach kurzer Eingewöhnungszeit durchaus begeistern. Klar allerdings, dass man dafür gerade sitzen und die Ohren spitzen muss.

Wie bereits angeklungen, handelt es sich bei den hier dargereichten acht Kompositionen um spielerisch sehr anspruchsvolles Material, das objektiv betrachtet wahrscheinlich mehr Jazz als Metal ist – wobei diese Aussage am Ende auch missverständlich sein könnte. Insofern sei gesagt: EXIVIOUS sind zweifelsfrei in der harten Gitarrenmusik verwurzelt. So waren drei der vier Herrschaften in der Vergangenheit bei CYNIC und PESTILENCE aktiv, aber auch der songschreiberische Approach ist im Wesentlichen darauf fokussiert, einen roten dramaturgischen Faden und eine gewisse Ordnung ins Chaos zu bringen. Minutenlange Griffbrett-Wichsereien und ein Schlagzeug-Solo sucht man daher auf “Liminal” vergeblich. Vielmehr wirken die Songs trotz des unbestritten präsenten Jazz-Freigeistes insgesamt strukturiert und aufgeräumt.

Der Opener “Entrust” ist dahingehend sicherlich eines der etwas komplexeren Stücke der Platte, der Song kommt rhythmisch äußerst differenziert daher und wird von verspielten Saiten-Arrangements dominiert, die das Hauptthema leichtfüßig umgarnen. Nicht nur beeindruckt dabei die traumwandlerisch souveräne Gitarren-Fraktion Tymon Kruidenier / Michel Nienhuis, sondern auch die Leistung von Schlagzeuger Yuma van Eekelen (THE NEW DOMINION), der wunderbar variabel und facettenreich trommelt.

Das anschließende “One’s Glow” ist der vielleicht stärkste Track der Scheibe (was eine problematische Einschätzung ist, da alle Tracks verdammt stark sind). Hier agieren EXIVIOUS insgesamt einen Tick hörerfreundlicher: der Song zündet beim ersten Durchlauf, wobei das Prog-/Jazz-Feeling etwas weniger präsent ist – es stehen Melodie und Atmosphäre im Vordergrund. Dennoch blitzen natürlich an allen Ecken und Enden diverse Gitarren-Schmankerl und sonstiges Musiker-Könnertum auf – es ist also keineswegs der obligatorische Radio-Track, den manche Möchtegern-Progger auf ihre Platte packen.

Ein weiteres Highlight ist die Vorab-Single “Alphaform”, die etwas gemäßigter gehalten ist, aber mit jubilierenden Hooks und packendem Schlusspart überzeugt. Und ob nun das frische, energetische “Deeply Woven”, das abwechslungsreiche “Triguna”, das Post-Rock-lastige “Movement” oder das abschließende “Immanent”, das einen unglaublichen Drive besitzt und mit packendem Schlusspart aufwartet – jeder Song für sich ist eine überzeugende Angelegenheit.

Letztlich ist klar: EXIVIOUS werden weder bei Fans von METALLICA, noch bei Verehrern von DIANA KRALL punkten. Nein, diese Herren zeigen eingefleischten Schubladen-Denkern den ausgestreckten Mittelfinger – und legen nebenher eines der bemerkenswertesten Alben in diesem Jahr vor. Wer sich eine Mischung aus kalkuliertem Irrsinn à la THE SAFETY FIRE und THE DILLINGER ESCAPE PLAN, epischem Post-Rock-Pathos im Stile von OCEANSIZE sowie abgefahrenem Jazz-Scaling vorstellen kann – bitte zugreifen!

08.11.2013

"Am Ende isses immer Arbeit."

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