Haken - The Mountain

Review

Das Prog-Sextett HAKEN hat in den ersten sechs Jahren seit seiner Gründung für einige Furore gesorgt. Eine EP, zwei Alben und eine Reihe von Konzertreisen im Vorprogramm von großen Namen haben den Briten den Ruf eingebracht, an der Schwelle zum großen Durchbruch zu stehen. Nach zwei Jahren Veröffentlichungspause soll nun mit dem dritten vollwertigen Album “The Mountain” nachgelegt und der steile Aufstieg fortgesetzt werden.

Stilistisch sind bei HAKEN die traditionellen Einflüsse von Genre-Größen wie GENTLE GIANT, YES, KING CRIMSON oder IQ nicht zu überhören. Wenig überraschend ist dabei auch die britische Prägung.
Trotz dieser klaren Neo-Prog Ausrichtung sind die sechs Herren von der Insel erfreulich weit davon entfernt, den Sound der Klassiker kopieren zu wollen. Auch den zweiten Kardinalfehler, um des Progressiv-Sein komplexe Kabinettstücken aneinander zu reihen, umschiffen HAKEN recht konsequent und stellen den Song an sich im richtigen Moment in den Mittelpunkt.

Nach dem kurzen Song-Intro “The Path”, das bei mir nicht nur im ersten Durchlauf Assoziationen mit pianolastigeren QUEEN-Songs weckt, zeigen die Jungs beim siebeneinhalbminütigen “Atlas Stone” vor allem instrumental, warum sie als einer der kommenden Sterne am Prog-Himmel gelten. Der erste echte Höhepunkt ist aber das fast schon zappaesque “Cockroach King”, bei dem sich zynisch-offensiver Pathos und quirlige Jazz-Passagen abwechseln.

“In Memorian” ist der erste härtere und modernere Track des Albums, der zeigt, dass sich HAKEN nicht auf das Rezitieren einer Epoche beschränken. Das starke A-Capella-Intro von “Because It’s There” führt in eine hymnisch-poppige Power-Ballade, der trotz rhythmischer Spielereien des (programmierten) Schlagzeugs vielleicht radiotauglichste Track der Platte.
Mit guten elf Minuten folgt mit “Falling Back To Earth” eines der beiden Herzstücke, bei denen sich die Band in meinen Ohren teilweise etwas in den verschiedenen Parts verzetteln und das große Ganze nicht immer im Blick behalten. Allein der pathetische Quasi-Qhorus reißt aber schon wieder einiges heraus.
Mit “As Death Embraces”, auch hier höre ich wieder QUEEN-Anleihen heraus, gönnen HAKEN dem Hörer eine kurze Ruhephase, bevor es mit dem orientalisch angehauchten “Pareidolia” so langsam auf die Zielgrade geht. Den Rausschmeißer macht das getragene “Somebody”.

Mit dieser Scheibe habe HAKEN ihren Platz im Prog-Genre zementiert und eines der Pflichtalben der zweiten Jahreshälfte für die progressive Gemeinde in die Regale gehievt. Etwas Straffung könnte dem Material hier und da nicht schaden. Mit 50 Minuten und etwas mehr Konzentration auf dem emotionalen Höhepunkten wäre “The Mountain” schon jetzt ein Klassiker. So oder so hätte ich, wenn es das metal.de System zulassen würde, aber schon heute eigentlich 8,5 Punkte gezückt. Wenn Haken diesen Weg weiter gehen, können wir uns noch auf Großes freuen.

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04.09.2013

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2 Kommentare zu Haken - The Mountain

  1. Börnie Maier-Leppla sagt:

    Die Platte ist gut. Aber die “Zitate” von den Prog-Rock Bands der 70er bis hin zu Metal-Bands der 2000er (Finnland Metal etc) sind zum Teil so offensichtlich, dass ich mir nicht mehr ganz sicher bin, ob das nicht ein unglaublich zusammengeschustertes eklektizistisches (Mach-)Werk ist.

    Die Schamlosigkeit mit der sich Haken den Melodien von GENESIS, YES, QUEEN und den Riffs von den betreffenden Gitarristen bedient, sowie das Zusammenmixen von KORN, SONATA ARCTICA und anderer moderner Bands ist schon hoch. Man könnte die Jungs auch als ganz heftige Widergänger diverser anderer Bands sehen. Das geht gar so weit, dass man Jon Anderson oder Freddie bei gewissen Passagen rauszuhören glaubt. Ständig hat man das Gefühl, dass man das so schon woanders gehört hat.

    Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich eine gute Wertung verdient …

  2. erfqsdf sagt:

    Die härteren bzw. experimentelleren Momente sind recht schön anzuhören. Der furchtbare Einfluss von Steven Wilson v.a. in den ruhigen Momenten ist jedoch schwer zu ertragen. Klingt genauso wie die völlig belanglosen grauenhaft-langweiligen Nummern auf dem sehr durchwachsenen The Raven that refused to sing. Das klaut man doch besser von anderen als von Steven Wilson.