Harvestman - Music For Megaliths

Review

Die Musik, die Steve von Till mit HARVESTMAN auf “Music For Megaliths” abliefert, als Songs zu bezeichnen, trifft es eigentlich nicht. Es sind viel eher Zwischenwelten, Töne, Geräusche und musikalische Abgründe, die sich für den geneigten Hörer eröffnen. Zeit sollte man schon mitbringen, denn Doom wird hier noch gelebt. Wer sich auf die über 40 Minuten Katharsis einlässt, läuft zwar Gefahr in Schockstarre zu verfallen, kann aber auch fest mit absoluter Tiefenentspannung rechnen.

Das langsamste Tier der Welt ist das Faultier und dessen Alltag lässt sich wunderbar mit “Music For Megaliths” vertonen. Oder das Leben einer Eintagsfliege in Zeitlupe. Oder der Lebenszyklus eines Pilzes. Es ist unmöglich sich im Takt von HARVESTMAN schnell oder gar geschäftig zu geben, der Herzschlag wird sofort verlangsamt, während der Körper trotzdem unter eine unterschwellig zitternde Spannung gesetzt wird. HARVESTMAN zu beschreiben ist unfassbar schwer, denn der Großteil ergibt sich aus dem, was ihm Hörer selbst steckt. Was kannst du aufnehmen? Welche psychischen Urtiefen kannst du ergründen und wie stark ist deine Vorstellungskraft?

Experimentell, meditativ und wunderschön

Während die Zeit in halber Geschwindigkeit zu vergehen scheint, bietet sich die Gelegenheit zu überlegen mit welchen Instrumenten die einzelnen Abschnitte in Szene gesetzt wurden und die einzelnen Stationen körperlich mitzufühlen. “Oak Drone” weckt tatsächlich das Gefühl sich im Inneren einer alten Eiche zu fühlen und deren Brummen am kompletten Körper zu spüren. Melodien im eigentlichen Sinne, finden sich nicht auf “Music For Megaliths”. Selbst wenn bei “Ring Of Sentinels” sowas wie ein nachvollziehbarer Takt als roter Faden fungiert oder “Levitation” mit Gesang aufwartet. Denn selbst der klingt, als ob er aus einer weit entfernten Bewusstseinsebene zufällig herüberhallt – HARVESTMAN bewegen sich mit ihrem Vorgehen nicht nur abseits der Wege, sondern abseits der Zeit.

Harvestman durchbrechen lineare Hörmuster

Hat man sich bis zu “Sundown” durchgewühlt, empfindet man auch die Störgeräusche in Kombination mit dem leicht übersteuerten Dröhnen als klangliche Wohltat. Dass HARVESTMAN mehrere Jahre an diesem Album gearbeitet haben, ist deutlich hörbar. Verschiedene Sounds ergießen sich in einem interessanten Klangbild, welches ungewöhnliche Abzweigungen einschlägt und den Geist wach hält, da es absolut konsequent gegen die Erwartung und jegliche Hörgewohnheit werkelt.

Ein Album, das nachhallt, aber ganz sicher nicht nur für eine kleine Gruppe interessant bleiben wird – für die Leute, die selbst der Sparte in der Sparte noch was abgewinnen können und die ihren musikalischen Horizont gerne erweitern, um aufnahmefähig für Neues zu bleiben. Den Stream zu “Music For Megaliths” von HARVESTMAN findet ihr übrigens hier bei uns.

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28.05.2017

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