(hed) p.e. - Evolution

Review

Wenn die kalifornische Gangster-Crossover-Legende (HED) P.E. mal wieder eine neue Scheibe auf den Markt bringt, spricht man schon fast von einer Art Retro-Revival, welches mich beinahe meine Leggings gegen Baggy Pants und mein Smartphone gegen Telefonhäuschen tauschen lassen will. Gut – vielleicht ist das etwas übertrieben, aber die letzte Begegnung mit (HED) P.E. ist wahrlich schon etwas länger her. Forstet man nach bereits vergangenen Veröffentlichungen, fällt auf, dass diese oder zumindest ähnliche Worte irgendwie in jedem Review über (HED) P.E. zu stehen scheinen. So wirklich “aktuell” ist anscheinend niemand – aber bei zehn CDs, zwei Best-Of-Compilations und einer Live-DVD ist es auch wirklich schwer, am Ball zu bleiben. Umso gespannter ist man natürlich auf das Ergebnis, denn die Band läutet mit “Evolution” das 20-jährige Bestehen ein, auch wenn dieses Bestehen nur dem Namen nach beglückwünscht werden kann, da von den ursprünglichen Mitgliedern nur noch Frontmann und Textgeber Jahred Gomes an vorderster Stelle steht.

“Lost in Babylon” kann an “Wake Up”-Stimmung anknüpfen, Songs wie “Jump The Fence”, “No Tomorrow” und “Never Alone” erwecken nostalgische P.O.D.- und KORN-Gefühle, das letzte Viertel beginnt mit einem knapp zweiminütigen sphärischen Teil, der bestehend aus Grillenzirpen, Gewitter und seichtem Stimmengewirr eher verdrogt daherkommt und für die folgenden Reggae-Balladen “Nowhere2Go” und “Let It Burn” den Weg ebnet. Das Schlusslicht bleibt beim Reggae und ist ziemlich unspektakulär.

“Evolution” sieht aus wie vor zehn Jahren und klingt stellenweise auch wie vor zehn Jahren. Die Produktion und der Sound sind zweifelsohne professionell und wenn eine Band für zehn Alben fünf Drummer verbrät, wird auch klar, dass (HED) P.E. im Gegensatz zur Schlaghose keine Mode-Erscheinung ist. Sie sind einfach unkaputtbar, touren und produzieren ohne Pause und werden dies vermutlich auch noch sehr lange Zeit tun – egal mit welcher Besetzung, das (HED) P.E.-Schiff wird weiter reisen. Zwar ist der Inhalt nicht zuletzt durch die Labelwechsel erwachsener geworden, aber im Prinzip ist (HED) P.E. noch genau das, was es mal war: Es passt in keine Schublade, bedient sich aller möglichen Stilmittel von Hip Hop, über Punk, Funk bis Reggae, ist ziemlich bass-geladen, rotzfrech, politisch, zum Nachdenken anregend und wenn man auf die letzten Alben zurückblickt, ist “Evolution” mit 12 Songs wenigstens wieder anständig gegliedert. Manch Einer mag sich vielleicht an dem zeitweise herrschenden Durcheinander stören, jedoch kann man (HED) P.E. immerhin nicht unterstellen, Eintönigkeit abzuliefern, denn auch mit dieser CD zeigen sie einmal mehr, dass sie vor keinem Experiment zurückschrecken und mischen, was das Zeug hält. Zusammenfassend hat “Evolution” seine guten Momente, aber es ist eines von Vielen und fühlt sich leider auch genau so an.

20.07.2014

The world is indeed comic, but the joke is on mankind.

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