Heretoir - The Circle

Review

Galerie mit 10 Bildern: Heretoir - Rockharz Open Air 2015

HERETOIR bilden, neben den ebenfalls als umstritten zu bezeichnenden THRÄNENKIND, die Speerspitze des deutschen Post Black Metal. Dabei wird das “Post” vor dem Black Metal fett geschrieben, unterstrichen und mit einem Kasten umrandet.

Mit ihren bisherigen Veröffentlichungen, dem selbst betitelten Debüt (2011) und der erweiterten Wiederveröffentlichung der “Existenz”-EP unter dem Namen “Substanz” (2012) kamen HERETOIR bisher bei metal.de nicht über durchschnittliche Bewertungen hinaus.

Heretoir - Bandfoto (2017)

Haben Bock auf Ökostrom und Latte macchiato mit Sojamilch – HERETOIR 2017

Neuer Versuch – “The Circle”

Nun erscheint mit “The Circle” das zweite Album der elfjährigen Bandgeschichte, welches den in der Vergangenheit eingeschlagenen Pfad wenig überraschend nicht verlässt. HERETOIR bleiben ihrem Stil des melodramatischen Post Black Metal mit Shoegaze und Post Rock-Einflüssen mehr als konsequent treu. Ob dieser Stil nun kitschig oder atmosphärisch ist, liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Beide Sichtweisen haben eine Existenzberechtigung.

Egal wie diese Einordnung ausfällt, HERETOIR haben sich musikalisch weiterentwickelt und die Ideen des Songwritings feingliedrig ausgearbeitet. Zudem spielt “The Circle” ein äußerst knackiger Sound in die Karten, welcher den Gesang auch in hohen Lagen überzeugen lässt.

Tobias Schuler (DER WEG EINER FREIHEIT) liefert sein Abschiedsgeschenk an den Drums eindrucksvoll ab und übergibt die Stöcke zukünftig an Nils Groth (welcher u.a. “Gehirn zwischen Wahn und Sinn” (2009) und “Snuff || Hiroshima” (2014) von FÄULNIS eingetrommelt hat). Der stark vom Post Rock inspirierte Stil Schulers enthält viele interessante rhythmische Ideen, welche dem Album Progressivität verleihen. Auch hier profitiert “The Circle” vom guten Sound, das Schlagzeug klingt kompakt und druckvoll mit starker Snare.

Besser gut geklaut…HERETOIR liefern ihr bisher bestes Album ab!

Am Ende des Tages sind HERETOIR stark durch die französischen Vorbilder beeinflusst (ALCEST, AMESOEURS). Bezeichnenderweise hat Stéphane Paut (Neige) der beiden oben genannten Bands einen Gastauftritt. Auch der französisch anmutende (Fantasie-) Name legt diese Bezüge schonungslos offen. Diese fehlende Eigenständigkeit hat den Vorgängern zumeist eine höhere Wertung verwehrt.  Dennoch hat mich “The Circle” als gesamtes Album hinsichtlich Atmosphäre, Songwriting und Ausarbeitung überzeugen können, sodass die nächste Stufe erreicht wird.

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17.03.2017

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12 Kommentare zu Heretoir - The Circle

  1. nili68 sagt:

    Die alten Sachen fand ich nicht direkt schlecht, eher so naja, also beim planlosen Youtube-Surfen mal ‘n Ohr riskiert und direkt positiv überrascht worden. Stilistisch nicht so viel anders, außer das die postigen “Knödelpassagen” nicht mehr so episch ausgewalzt werden und mehr der Metal regiert. Nicht das der Metalfaktor per se, bzw. das fehlen desselben ein Qualitätsmerkmal wäre, aber es schadet auch nicht *grins*.
    Wobei wir auch schon beim Unterschied zu Alcest wären, die vom Feeling ja unüberhörbar ähnlich sind. Ich finde das hier mehr “Metal”. Ob das positiv oder negativ zu bewerten ist oder einfach egal, muss jeder für sich entscheiden.
    Mir gefällt’s so, wie’s hier ist. 😉

    9/10
  2. Oppenheimer sagt:

    Kann mir jemand mal so richtig erklären, was der Terminus “Post” im Kontext des Metal jetzt wirklich bedeutet?

    Nach meiner Auffassung ist es wohl gleichzusetzen mit: Generisch, verwässert, dünn, langatmig.
    Wenn das hier Post Black Metal sein soll, dann bin ich mit meiner Definition glaub ich knapp dran.
    Oder arbeiten einfach alle Post-Musiker bei der Post?

    1/10
    1. Bulli sagt:

      “Oder arbeiten einfach alle Post-Musiker bei der Post?”

      Ich glaube, das letzte Mal, dass jemand diesen schon damals reichlich abgestandenen Witz unironisch gebracht hat, war etwa 2009. Läuft bei dir in Sachen Ahnung, Geschmack und Humor, Oppenheimer.

      1. Oppenheimer sagt:

        Sieht wohl so aus. Ich bin anscheinend zu alt für so einen wässrigen Durchfall der sich Postamt Black Metal schimpft. Grüner Antifa Freundeskreis Metal wäre weit treffender.

  3. SaGi sagt:

    Laut Definition geht es um Einflüsse von Noise-Rock, progressive Musikstrukturen, lange Intros und die Negierung der Strophe-Refrain-Struktur.
    Ich glaub aber es kommt von “posen”.

    2/10
  4. nili68 sagt:

    Ihr seid einfach alt. 🙂 Is’ wie bei meinem Vater, für den ist nach Deep Purple, Black Sabbath usw. auch alles Kappes.
    Ich frag’ mich, wie man als richtiger (lol) Black Metaller überhaupt auf die Idee kommt, sich mit sowas zu beschäftigen? Ändern könnt Ihr’s eh nicht und wenn ich jetzt unter jedes Trve-Review meine Meinung schreiben würde…

    Ein Grund könnte sein, dass man als Darktrone etc.-Fanboy heutzutage nicht mehr ernst genommen wird und das dann eher aus so ‘ner Defensivhaltung heraus geschieht.

    Der untrve Black Metal geht nicht mehr weg und ihr werdet niemanden bekehren können haha..

    9/10
    1. SaGi sagt:

      Du missverstehst uns! 🙂
      Es gibt verdammt gute Bands in dem Bereich. Nachtmystium, Wolves In The Throne Room, Solstafir, Harakiri For The Sky, …
      um nur ein paar zu nennen.
      Von diesen Bands sind Heretoir aber qualitativ meilenweit weg.
      Also hat sich was mit Alter. 😀

      1. nili68 sagt:

        Okay, hab’ ich mich in dem Punkt geirrt. Man ist halt durch Internet vorbelastet… 😀
        Ich würde zwar, ohne zu sagen, dass die von Dir angeführten Bands scheisse sind, widersprechen, aber gut… ist dann halt Geschmacksssache.
        Ich nehm’ ja nicht an, dass Du Musikprofessor oder so bist, dass Du Deine Ansicht mit etwas anderem als Geschmack untermauern könntest. 😉

  5. Sachsenpaule sagt:

    Ich komme mal auf die Posts zurück welche mit dem Begriff “Post” nix anfangen können. Mittlerweile wird ja der Post-Begriff ziemlich breitgefächert auf alles etikettiert habe ich das Gefühl.

    Post-Black Metal bedeutet für mich nichts anderes als eine Mischung zwischen Post-Rock und Black Metal Stilarten, dabei kann man den Regler zwischen den 2 Genres beliebig hin-und herschieben.
    Dabei muss man beachten das der Black Metal seit über 10 Jahren als Stil angekommen ist und nicht mehr blind auf das Thema begrenzt ist. Somit ist bei fast allen Kollaborationen im Normalfall das “satanistische” Element nicht mehr vorhanden. Die “Giftigkeit” ist jedoch weitgehend beibehalten, allerdings hat das mit Mayhem, Darkthrone usw. nichts mehr zu tun.
    Charakteristisch für Post-Black ist die Laut – (Blastbeats/Kreischgesang) und Leise (Ambient-Athmosphäre) – Struktur, progressiver Aufbau, lange Songs und es spielt da alles mit rein (Avantgarde, Athmospheric, teils symphonische Elemtente).
    Während z.B. The Great Old Ones den Regler stärker richtung Black Metal mit Post-Melodien und Stuktur geschoben haben, haben Heretoir den Regler stark in die andere Richtung bewegt.
    Heretoir zählt für mich aber eher weniger zum Post-Black Metal, die ordne ich eher dem Blackgaze zu, ein Mix aus Shoegazing und Black Metal. Alcest/Amesoeurs als Flagschiff wurden da ja im Artikel genannt. Aber bei all den Einflüssen heutzutage ist kaum noch was wirklich einzuordnen, vielleicht auch gut so.

    Für mich sind Agalloch die Könige des Genres, obwohl ihr Stil gar nicht mal so stark Post-Black ist. Aber diese Band hat als erstes Bekanntheit erlangt, mit einer Mischung aus Neo-Folk/Post/Ambient/Doom/Black Metal Elementen und deren Arbeit gilt für viele als der Auslöser für viele Subgenres.
    Auch das Album “OM” von Negura Bunget hat viele stilistische Elemente die heutzutage im Avantgarde/Post-Black standard sind. Bei denen wird auch die Atmosphäre ganz groß geschrieben.
    Auch Fen aus GB kann man in die Sparte Atmospheric/Post Black Richtung reinnehmen.

    Ich würde allen die den etwas “härteren” Post-Black erkunden wollen, die oben genannten “The Great Old Ones” empfehlen, auch “Deafheaven”, oder einer meiner Favoriten “Numenorean” mit einem Schuss depressive drin.

    Die meist etwas zartere Version sind die angesprochenen Amesoeurs/Alcest, Lantlos, teils auch Alben von Wolves in the Throne Room, und eben Heretoir.

    Das wichtigste bei dieser Musik ist aber, man muss sich sämtlicher Vorurteile und Schubladendenkens befreien, wenn man was für die Melodien der Post/Noise/Dreampop/Shoegazing übrig hat, ist man hier richtig, wer es “Trve” braucht wird hier nicht glücklich.

    8/10
  6. Winatwo sagt:

    Heretoir liefert hier wirklich ein sehr starkes Post-Black Metal Album ab. Mehr “Post” als “Black”. Es ist aber noch lange kein Grund hier über “Freundeskreis Metal” oder was auch immer zu sprechen.
    Keine Ahnung was die Leute hier erwarten, vielleicht wurden hier teilweise einfach auch nur mal in die ersten zwei drei Lieder reingehört ohne dem Album eine richtige Chance gegeben zu haben. Das Album fängt relativ “gemütlich” an, wenn ich das mal so sagen darf. Mit Sicherheit hat es dann keiner bis zu dem Track “Fading with the Grey” geschafft, sonst würden solche Kommentare vielleicht ausbleiben.
    Ich finde auch das Heretoir die einzigen in diesem Genre sind die es geschafft haben an das Wahnsinns-Album “III Trauma” von Harakiri for the Sky ran zu kommen. Vielleicht nicht genauso gut, da hätte ich mir noch ein zwei mehr Tracks wie “Fading with the Grey” gewünscht, aber hier von “Meilenweit entfernt” zu sprechen ist der absolute Witz.
    Klasse melancholische Melodien, super Sound, tolle Atmosphäre, ich weiß nicht was man anderes von einem Post-Black Metal Album erwarten kann.
    Weiter so Jungs.

    9/10
  7. Robert T. sagt:

    Wunderbare Scheibe. Schlechte Rezis hierzu entziehen sich komplett meinem guten Verständnis und das kann ich inzwischen schon vorweisen. Jederzeit in den Player legen und durchhören, kein einziges Mal langweilig. Wer irgendwelchen platten Quark hören möchte, ist hier sicher fehl am Platz. Für alle mit einem Rest Anspruch Pflicht. Würde selbst eher sagen melodisch progressiver Black Metal als Post, aber von mir aus auch das. Ändert nichts an guter Musik, ob nun neu oder klassisch.

    9/10
  8. SolvejgAK sagt:

    Ich gehöre zu jenen Menschen, die die Entwicklung des Albums miterlebt haben, seit 2012. Saß mit dem Sänger am PC, habe mir immer wieder Passagen angehört und meine Meinung dazu gegeben – NEIN es ist nicht mein Album, wieviel er von meinem Feedback verarbeitet hat, kann ich nicht genau sagen – ich bin jedoch der Meinung, dass man sich dieses Album, fernab von allen Genre-Gequatsche, einfach mal IN RUHE auf einer vernünftigen Anlage anhören sollte. Denn Dave hat unglaublich viel Energie, Zeit und Geld hinein gesteckt und sich in seinem Leben sehr zurück genommen, um The Circle veröffentlichen zu können. Ja, Einflüsse von Alcest sind definitiv da, da die beiden auch miteinander befreundet sind.
    Ich persönlich finde, dass Musik Geschmackssache ist, deswegen sind Vergleiche schwer, jeder empfindet sie anders. Da dieses Album in seiner Ganzheit für die Band und deren Stil ein gewaltiger Sprung nach vorne ist, bekommen sie von mir alle Punkte.

    10/10