Intronaut - Habitual Levitations

Review

Die US-amerikanischen Progressive-Metaller INTRONAUT haben sich in der Vergangenheit mit mehreren starken Releases bereits einen guten Ruf in der Szene erspielt. Zuletzt konnte man die Kritiker mit “Valley Of Smoke” überzeugen. Nun legen die Herrschaften aus Los Angeles mit ihrem vierten Studioalbum nach. An der musikalischen Grundausrichtung hat sich nicht viel verändert, der Vierer kredenzt nach wie vor eine sehr vielschichtige Mischung aus wuchtigem Post Metal und experimentellen Progressive-Klängen. Als Referenz können auch anno 2013 Bands wie TOOL und MASTODON herhalten, wobei sich die Kalifornier auf ihrem aktuellen Werk allerdings noch etwas schwelgerischer und verspielter präsentieren als die beiden genannten Genre-Institutionen. Im Gegensatz zu MASTODON beispielsweise, die auf ihrem letzten Werk “The Hunter” den Fokus vornehmlich auf kürzere und kompaktere Kompositionen gelegt haben, scheuen sich INTRONAUT auf “Habitual Levitations” nicht, auch mal den ein oder anderen Achtminüter zu servieren.

Dass das hervorragend funktioniert, beweist das Quartett bereits im Opener “Killing Birds With Stones”. Der Track beginnt Sludge-lastig und mit einem rhythmisch verqueren Riff, in der Folge wandelt der Song aber immer wieder in melodischeren Gefilden, wobei vor allem Frontmann Sacha Dunable mit seinem Clean-Gesang für viel Atmosphäre sorgt und als vervollständigendes Element zu der sehr komplexen Melodiearbeit der Gitarren-Fraktion fungiert. Generell kann man sagen, dass der Mann, der ja immer wieder für seine Vokal-Darbietung kritisiert wird, auf dem Album einen überzeugenden Job macht. Zwar konzentriert sich Dunable vorwiegend auf sein cleanes Repertoire und steht mit seinem Gesang über weite Strecken nicht unmittelbar im Vordergrund, gelegentlich agiert der Sänger aber auch etwas aggressiver, wie beispielsweise im vertrackten “Eventual” oder dem erdig beginnenden “The Welding”. Wirklich rüdes Gebrüll findet sich allerdings nicht auf der Platte.

Das liegt auch daran, dass die Band insgesamt recht sparsam mit härteren Riffs umgeht. Wenn es aber – wie beispielsweise im ruppig beginnenden “Sore Sight For Eyes” (für mich der stärkste Track des Albums) oder im abschließenden “The Way Down” – mal etwas intensiver zur Sache geht, sind die Gitarren-Eruptionen stets sehr geschickt in den Gesamtkontext eingebettet und mit den melodiösen Parts verwoben. Oftmals stricken INTRONAUT ihre Klangteppiche nach und nach um das Hauptriff herum, die Übergänge wirken dabei aber stets sehr homogen und organisch.

Neben den größtenteils sehr anspruchsvollen Kompositionen finden sich mit “Harmonomicon” und dem clever an vorletzter Stelle platzierten “Blood From A Stone” auch zwei sehr eingängige Nummern auf dem Album. Letztere kommt beispielsweise vollständig ohne Schlagwerk aus und versprüht träumerisches Postrock-Flair. Ein Sonderlob verdient sich nicht zuletzt Bass-Mann Joe Lester, der einen ziemlich präsenten und individuellen Sound fährt und in vielen Tracks nicht nur das Fundament liefert, sondern auch melodische Akzente setzt.

“Habitual Levitations” ist am Ende ein sehr starkes und abwechslungsreiches INTRONAUT-Album, bei dem Fans der Truppe voll auf ihre Kosten kommen sollten. Natürlich ist die Platte mit ihren teils arg verschachtelten Songs und der knappen Stunde Spielzeit keine leicht verdauliche Angelegenheit, für meinen Geschmack hält man aber genau die richtige Balance zwischen Komplexität und Zugänglichkeit – auf sinnlose Frickel-Einlagen wird glücklicherweise gänzlich verzichtet. Freunde anspruchsvoller Metal-Musik sollten dieses Teil definitiv antesten!

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19.03.2013

"Am Ende isses immer Arbeit."

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