J.B.O. - Killeralbum

Review

Galerie mit 19 Bildern: J.B.O. - Rock am Härtsfeldsee 2017

Über Geschmack kann man sich bekanntlich streiten. Und das tut die Szene seit mittlerweile mehr als 20 Jahren im Zusammenhang mit J.B.O. Für die einen sind die Franken der Inbegriff musikalischen Humors, während die anderen in ihnen lediglich langweilige Quatschmacher ohne Niveau sehen. Um diese Spaltung zu überwinden, hat das Quartett jetzt ein neues Album auf den Markt geworfen, dass auf den schlichten Namen “Killeralbum“ hört und schon auf diese Art und Weise die Erwartungen weit nach oben schraubt.

Allerdings haben die Musiker bei ihrer Namensgebung einfach nur Recht gehabt. Denn eines kann auch am Anfang dieser Rezension schon verraten werden: Es handelt sich hier tatsächlich im wahrsten Wortsinne um ein “Killeralbum“. Auf diesem Silberling finden sich fast ausschließlich Über-Tracks. An dieser Stelle alle gelungenen Songs aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Darum werden nur einige ausgewählte angesprochen: Direkt der Opener “Dr. Met“ weist einen klassischen True Metal-Text auf, der so auch von MANOWAR stammen könnte. Damit reiht sich der Song direkt neben dem Band-Hit “Verteidiger des Blödsinns“ ein. Auch der Refrain ist ebenso zum Mitsingen geeignet, wie jener des alten Klassikers. Spätestens nach dem zweiten Durchlauf hat man ihn drauf. Mit “Dadadidadadadei“ beschreiten J.B.O. hingegen Neuland. So deutlich sozialkritisch haben die Blödelbarden sich noch nie präsentiert. Alle stärker diskutierten Themen der letzten zehn Jahre werden verarbeitet. Angefangen von den Anschlägen des 11. September, die im zweiten Golf-Krieg mündeten, über die Katastrophe von Fukushima bis hin zur Fernsehkarriere des geistigen Vakuums DANIELA KATZENBERGER.
Natürlich können die Franken auch das Covern nicht lassen und haben insgesamt drei ihrer eigenwilligen Interpretationen von populärem Liedgut auf ihrem Langeisen verewigt. Vor allem hervorzuheben ist dabei der letzte Song “Nein Mann“, bei dem der Hörer aus dem Grinsen gar nicht mehr raus kommt. Selbstverständlich finden sich auch die anderen für die Combo üblichen Elemente auf dem Album. Angefangen von den obligatorischen Gesprächen zwischen Hannes und Vito über kurze Spoken Parts bis hin zu den feinsinnigen Wortwitzen. Gerade auf diesem Gebiet hat die Musik des Quartetts im Vergleich zu älteren Veröffentlichungen enorm viel an Tiefgang hinzu gewonnen. Die Texte weisen nicht mehr die üblichen Flachwitze auf, sondern brillieren mit sprachlichen Spielereien (Wer hätte bei einem Titel wie “Killer“ schon gedacht, dass es sich um den umgangssprachlichen Ausdruck für kitzeln handelt?) und anspruchsvollen Witzen, die nicht jeder im ersten Moment versteht. Gerade die Vertreter der letzten Kategorie sorgen jedoch, hat man sie einmal verstanden, für die stärksten Lach-Attacken beim Hören. Dabei erzählt – wie es der geneigte J.B.O.-Fan gewohnt ist – jedes Lied eine eigene kleine spaßige Geschichte.
Wer sich jetzt denkt, dass bei so einer starken Fixierung auf die Lyrics die musikalisch-instrumentale Seite zu kurz kommt, der darf an dieser Stelle getrost enttäuscht sein. Auch auf ihrem “Killeralbum“ beweist die Band erneut, dass sie sich auf diesem Feld bestens auskennt. Die Songs gehen immer direkt ins Ohr, animieren zum Feiern und Spaß haben und werden dennoch nicht langweilig. Andere Bands, die sich ausschließlich auf diesen Aspekt konzentrieren, haben da teilweise deutlich größere Schwierigkeiten. Aber Vito, Hannes und Co. haben in der Vergangenheit ja schon gezeigt, dass sie ganz nebenbei auch noch brilliante Rock- und Metal-Musiker sind. Und so greifen sie wie selbstverständlich die Themen der einzelnen Songs auf und setzen diese auch in instrumentalen Bereich gelungen um. Lediglich der Track “Ich bin Dein“, der wenigstens mit einem gelungenen Witz im Intro punkten kann, stellt hier eine Ausnahme dar: Er präsentiert sich bestenfalls als langweilig, schlimmstenfalls als nervig.

Das ist aber auch wirklich der einzige Punkt, der dem “Killeralbum“ die Top-Bewertung verwehrt. Denn ansonsten stimmt einfach alles. Vom Cover, über die Party-Tauglichkeit und die Texte bis hin zur Musik und der Produktion handelt es sich hier tatsächlich um ein “Killeralbum“. Und durch den zusätzlichen Tiefgang, den J.B.O. sowohl mit ihren Witzen als auch in ihren neuerdings sozialkritischen Texten beweisen, dürfte sich die Band zudem eine neue Fan-Basis erschlossen haben, denen die Erlangener bisher nicht ernsthaft genug zu Werke gingen.

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17.08.2011

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2 Kommentare zu J.B.O. - Killeralbum

  1. Stephan Möller sagt:

    Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und sage, dass J.B.O. auch früher schon mal sozialkritische Texte verfasst haben. 😉 Und: “brilliante Rock- und Metal-Musiker” halte ich für Überbewertet. Fähigkeiten haben sie immer mal wieder gezeigt, ja, aber brilliant? Na ja … . In das Album wird aber trotzdem mal reingehört.

  2. Dennis sagt:

    Ich kenne das ALbum icht und gebe daher keine Bewertung ab. Nur so viel: Früher, in den 90ern, habe ich mal J.B.O. gehört, aber die sind mir dann zu doof geworden. Gute Musiker sind sie, das steht fest. Aber die Texte waren einfach nur platt und auf Bierzelt-Niveau. Sollte sich das etwa jetzt radikal geändert haben? Das mag ich nicht glauben.