Lux Divina - Possessed By Telluric Feelings

Review

Es gibt Momente, in denen einen das Redakteurs-Dasein mächtig ankotzt, z.B. wenn man die gefühlt 100. nichtssagende Platte eines Genres bespricht, das gerade in Mode ist und in dem neue Bands, die sich für die nächsten Durchstarter halten, plötzlich wie Pilze aus dem Boden schießen. Es gibt jedoch auch Momente, die all das wieder wett machen. Und zwar diese, in denen man auf eine Band stößt, die man zuvor nicht kannte, nichtsahnend und ohne große Erwartungen ihr Album auflegt… und so richtig weggeblasen wird.

Genau so geht es mir mit den Spaniern LUX DIVINA, die es zwar bereits seit 1998 gibt, die mit “Possessed By Telluric Feelings” jedoch erst ihr zweites Album veröffentlichen. Die Vergleiche mit BORKNAGAR und PRIMORDIAL im Promozettel haben mich gelockt, doch getraut habe ich dieser Etikettierung, die gern verwendet wird, doch nur selten zutrifft, ehrlich gesagt nicht. Umso mehr überrascht haben mich schon die ersten Takte des Openers “After Great Pain”, die zunächst mit schwelgerisch melancholischen Gitarren, die ein wenig gen Post Rock/Metal der Marke ALCEST schielen, und schließlich mit dem ersten düsteren Riff-Gewitter sogleich überzeugen und einnehmen. Der völlig unerwartet hinzutretende emotionale cleane Gesang jedoch reißt dann so richtig vom Hocker und auch die vorgetragene Melodie geht sofort ins Ohr. Wirklich vergleichen lässt sich Norax’ Organ, an das sich die Ohren zunächst etwas gewöhnen müssen, nicht, doch wenn er durch seine wirklich emotionale und ungebundene, inbrünstige Art zu singen hier und da minimal am angepeilten Ton vorbei schrammt, dabei jedoch nur noch charmanter und markanter wirkt, lässt es sich nicht vermeiden, an EMPERORs Ihsahn auf dem grandiosen “Anthems To The Welkin At Dusk” zu denken. Auch Norax’ kehlige, verzweifelte Screams überzeugen sofort und komplettieren das Klangbild schließlich optimal.

Doch “After Great Pain” ist nicht nur der typische Opener, der den Hörer zu Beginn packen und milde stimmen soll, wenn die späteren Tracks merklich an Qualität verlieren. Nein, der Song ist sogar in bester Gesellschaft. So reißt das zügellose, ungestüme “Discoloured With A Lifeless Red” umgehend mit und beweist, dass auch der Gesang von Aahs und Oohs verdammt majestätisch sein kann. Ebenso aufregend und bezaubernd zugleich zeigt sich das darauffolgende “Fagus Sylvatica”, das mit einer Mischung aus sanften Akustik-Passagen und nordisch stürmischem Riffing besticht und betört. Nach dem kurzen Interludium “Ode To December Moon” folgt mit “White Polar” ein auflockernder, rhythmischer Track, bevor es mit “All Religions Burn” erneut mächtig in die Vollen geht und das Hymnische und all das, was dieses Werk ausmacht, in sich vereinende “Groundwaters” “Possessed By Telluric Feelings” mehr als würdig beschließt. Einzig “Bonescrown To The Dead Wolf” fällt zwischenzeitlich minimal ab, was den Genuss des Albums jedoch kaum zu schmälern vermag.

LUX DIVINA machen auf “Possessed By Telluric Feelings” alles richtig. Jeder Song punktet mit seinem ganz eigenen Charme und überraschenden Details und scheint vor Energie und Gefühl beinahe zu platzen. Jede Melodie geht ins Ohr, jedes Riff sitzt. Dieses authentische Werk gehört schon jetzt zweifelsohne zu meinen Favoriten des Jahres 2013. Es ist der Band nur zu wünschen, dass sie mit diesem Album ein größeres Publikum erreichen und so auf sich aufmerksam machen kann. Wer auf Folk Black Metal steht, sollte hier jedenfalls zugreifen!

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28.05.2013

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2 Kommentare zu Lux Divina - Possessed By Telluric Feelings

  1. Pascal sagt:

    Wow, der Song zum bereitgestellten Video klingt wirklich fantastisch.

  2. Thomas sagt:

    Großartiges Album mit einer guten Mischung aus Kreischauten und Klargesang

    9/10