Melencolia Estatica - Hel

Review

Ich habe ja fast nicht mehr damit gerechnet und hätte es auch fast verpasst. MELENCOLIA ESTATICA sind noch existent, haben nur vier Jahre nichts mehr von sich hören lassen und kommen jetzt fast unbemerkt mit ihrem dritten Album angeschlichen. “Hel” heißt der Nachfolger des fast schon meisterhaften „Letum“, dessen Fußstapfen natürlich riesig sind.

Nach vier Jahren wäre es allerdings ziemlich vermessen, sich noch einmal selbst zu kopieren, und entsprechend lassen auch MELENCOLIA ESTATICA eine deutliche Entwicklung erkennen. Zwar setzen die Italiener auch heute wieder auf ein stimmungsvolles Gesamtbild, zeigen sich aber von einer experimentelleren Seite. Deutlich mehr Ambient-Anteile, eingebaute Geräusche und vor allem diesmal hauptsächlich männliche Vocals verleihen “Hel” ein anderes Gesicht als den ersten beiden Alben. Leider hat es das auf diesem Album werkelnde Trio dabei verpasst, einige entscheidende Stärken mit ins neue Klangbild einzubauen. Geben die männlichen Vocals dem Album eher ein anderes Gesicht, fällt die Anzahl der packenden Leads, die den Vorgänger ausgezeichnet haben, heuer leider deutlich geringer aus. Natürlich treibt einen das nicht in die Resignation, enttäuscht aber doch gewisse Erwartungen. So geben sich MELENCOLIA ESTATICA deutlich vertrackter, immer noch finster, immer noch anspruchsvoll, aber das eigene Profil hat etwas gelitten. Nichtsdestotrotz finden sich auf “Hel” eine ganze Reihe starker Songs, die den stimmungsvollen Anspruch der Band unterstreichen.

Es ändert allerdings nichts daran, dass MELENCOLIA ESTATICA nicht mehr so wirkungsvoll wie in der Vergangenheit sind. Zeitweise wirkt “Hel” einfach zu überladen, zu sehr von dem Versuch beseelt, durch Dissonanzen und atmosphärische Ambient-Einlagen das Klangbild aufzuwerten. In den besten Momenten (“II”, “V”) wird das zur Stärke des Albums, an anderen Stellen unterbricht es aber den spannungsgeladenen Songfluss und wird zum Ärgernis. Für mich haben die Italiener mit “Hel” leider etwas an Profil verloren, aber dennoch eine stimmungsvolle Scheibe abgeliefert, die weit über dem Durchschnitt rangiert.

25.11.2012

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