Nachtgeschrei - Tiefenrausch

Review

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NACHTGESCHREI – Mehr als nur Mittelalterrock

NACHTGESCHREI sollten nicht zuletzt durch ihre gemeinsame Tour mit den Genre-Kollegen von SALTATIO MORTIS jedem Freund der mittelalterlich angehauchten Rockmusik ein Begriff sein. Die Frankfurter Band kombiniert seit Jahren geschickt Elemente aus Mittelalterrock und Folk Metal und schuf mit ihrem bislang letzten Album “Staub und Schatten“ einen Meilenstein in der Bandgeschichte. Anno 2017 wird es nun Zeit mit “Tiefenrausch“ noch einen drauf zu setzen.

Bereits das an ein Ölgemälde erinnernde Cover erhöht die Spannung auf den musikalischen Inhalt. Das Album startet mit dem Titeltrack, der schwer und tragend daher kommt. Nach einem kurzen symphonischen Intro erklingen die ersten metallischen Klänge, und Sänger Martin kann zeigen, was er kann. Textlich wie gesanglich liegt hier eine besonders kraftvolle Nummer vor, sodass man von einem gelungenen Einstieg sprechen kann.

Lyrischer Anspruch?!

Doch “Tiefenrausch“ geht genauso eindrucksvoll weiter. “Aus dem Licht“ besticht durch seine harten Gitarrenwände uns fällt insgesamt als rockigste Nummer des Albums auf, während “Mal Mich Schwarz“ zunächst folkig, in den Strophen dann düster und im Refrain vielleicht ein wenig sperrig wirkt. Mit NACHTGESCHREI wird es definitiv nicht langweilig. Was jedoch bereits bei den ersten Songs des Albums auffällt, ist die stets tiefgreifende Wortwahl. Den Texten wohnt ein gewisser lyrischer Anspruch inne, den Bands ähnlicher Stilrichtungen nicht immer für sich beanspruchen können. Häufig vergreift man sich dort an abgegriffenen Klischees und Plattitüden, sodass dort an manchen Stellen kaum von musikalischem Genuss gesprochen werden kann. NACHTGESCHREI zeigen jedoch, wie man es richtig macht.

“Kämpf Um Mich“ ist ein typischer Live-Hit, der besonders durch die energische Rhythmik und die Folk-Instrumentierung packt. Das Folgende “Meilen Unter Meilern“ ist mit Sicherheit eines der Albumhighlights, auch wenn es in den ersten Sekunden einige Fans verschrecken wird. Sind das Synthesizer? Oh ja, und sie könnten passender kaum eingesetzt sein. Der Song glänzt durch so viele unterschiedliche Einflüsse ohne dabei überladen zu wirken. Was hier den Gehörgang erreicht ist ein fantastischer Gothic Metal Song samt mitreißender Gitarrenarbeit, hin und wieder aufblitzenden Synthie-Sounds, hymnischen Dudelsack- und Drehleihermelodien sowie einem ruhigen und verträumten Outro.

Leider gibt es ab diesem Zeitpunkt im Album einige Songs, die im Vergleich zum Rest eher vor sich hin wabern als wirklich zu überzeugen. Dazu zählen Songs wie  “Gift“ oder “1000 Tonnen Stahl“ – prinzipiell keine schlechten Songs, aber weder Melodie noch Text wirken hier so individuell wie das bisher Beschriebene und wirken daher eher langweilig. Doch das fällt zwischen Liedern wie “Zurück“ kaum auf. Die gefühlvolle Ballade, in der Martin stimmlich an Dero von OOPMH! erinnert, entwickelt sich zu einer energiegeladenen Rocknummer mit Gänsehautpotential.

Kriegsverherrlichung oder -kritik?

Einige Probleme könnte man beim Song “Beste Feinde“ bekommen. Musikalisch wieder ohne Wenn und Aber, kommen doch beim Hören des Textes besorgte Zweifel auf. Ist ein kriegstreibender Song in einer Zeit mit derart angespannten politischen Verhältnissen wirklich notwendig? Beim zweiten Hördurchgang fällt jedoch die wesentlich tiefere Ebene des Textes auf, sodass Zeilen wie “Lass uns die Klingen kreuzen“ auch durchaus sarkastisch zu verstehen und damit der gesamte Text als Kritik an Kriegstreiberei aufgefasst werden kann. Lyrisch eines der spannendsten Lieder auf dem Album!

Mehr als nur Party

Wo andere Bands der Stilrichtung in belang- und ideenloser Partymusik untergehen, überzeugen NACHTGESCHREI auf “Tiefenrausch” durch emotionalen Tiefgang und kraftvollen Sound, der Genregrenzen verschwimmen lässt. Die Band zeigt hier erneut, dass sie längst kein Geheimtipp mehr ist, sondern bei den ganz Großen mitspielen kann!

26.02.2017

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