Nebelkrähe - Lebensweisen

Review

Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, wie ich 2009 NEBELKRÄHEs in Eigenregie veröffentlichtes Debut “entfremdet” zur Rezension bekam und meine liebe Mühe hatte, mich in die sperrige, ambitionierte Musik reinzufinden. Doch irgendwann gab es das sprichwörtliche “Klick!” und ich bilde mir ein, “entfremdet” aufgesogen zu haben. Was hat das jetzt mit “Lebensweisen”, dem Zweitling der Münchner Band zu tun? Überraschung! “Lebensweisen” ist noch sperriger, noch fordernder als “entfremdet”.

Das eigentliche Qualitäts-Merkmal ist in meinen Augen aber, dass die acht Songs trotz ihres fordernden Charakters, trotz ihrer mannigfaltigen Einflüsse, homogen und wie aus dem vielzitierten “einen Guss” klingen. Das, liebe Möchtegern-Avantgarde-Metaller dieser Welt, muss man erstmal hinbekommen! Musikalische Heimat des Fünfers ist nach wie vor der Black Metal; ich vermute jedoch, dass ich es an dieser Stelle nicht hinbekommen könnte, alle stilistischen Einflüsse und Versatzstücke aufzuzählen, die ich in der guten Stunde entdecken kann.

Es wäre sowieso schwierig, stilistische Elemente eindeutig zu benennen – dafür vereinnahmen NEBELKRÄHE diese Elemente zu sehr, machen sie meisterhaft zum Teil ihrer eigenen musikalischen Welt. Ob das nun an Funk gemahnende rhythmische Strukturen sind, Tribal-ähnliche Percussion, Gothic-Klavier oder oder oder… Man nehme dazu noch den transparenten, wirklich jedes Detail darstellenden Sound von Christoph Brandes (der sich mit seinem Iguana Studio gerade echt einen Namen in der Extrem Metal-Szene macht!), einige stilsichere Gitarrensoli, grandioses Bass-Spiel – und fertig ist dieser sperrige Brocken namens “Lebensweisen”.

Halten wir also fest: NEBELKRÄHE haben mit “Lebensweisen” einen würdigen Nachfolger zu “entfremdet” in den Startlöchern, gehen ihren Weg konsequent und gekonnt weiter und haben es verdient, gehört zu werden. Indes werden nicht viele Hörer Zugang zu dem Album finden – wer sich aber die Zeit nimmt, die “Lebensweisen” zweifellos benötigt, um richtig zu zünden, wird reichlich belohnt werden.

16.02.2013

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