Obsessör - Blitzkrieg Battalion

Review

Stumpf ist Trumpf oder stumpf ist dumpf? Oftmals liegt die Antwort irgendwo dazwischen. So etwa auch bei den Detmoldern OBSESSÖR, die sich mit ihrem bereits im Jahr 2011 erschienenen Debütwerk “Blitzkrieg Battalion“ der vermutlich urigsten Form des Black/Thrash Metal verschrieben haben. Eigentlich gar verschworen haben, denn der Vierer hat sich allen noch so typischen Charakteristiken dieser Proll- und Pöbelspielart augenscheinlich unterworfen. Das geht über entsprechende Pseudonyme wie “Nekroschwanz“ an den Vocals, bis hin zur Turnschuh- und Lederoptik, sowie passenden Songtiteln, die jeden leidenschaftlichen Pfarrer mit einem Herzinfarkt von der Kanzel treiben dürften.

Genauso überholt und prähistorisch wie die gesamte Attitüde, die allerdings manchmal durchaus ganz interessante Sequenzen in die aktuell reichlich modern geprägte Metallandschaft malt, erscheint hingegen auch die musikalische Ausrichtung der Nordrhein-Westfalen. An dieser Stelle dürften sich dann endgültig die Geister scheiden, denn wenn man sich seit über 20 Jahren schwer alkoholisiert zu Truppen wie HELLHAMMER in erotische Ekstase geworfen hat, dann sind ohnehin recht rar gesäte Paraphrasierungen dessen sicherlich nicht gänzlich unwillkommen. Da ich allerdings nicht zu dieser Gattung Mensch gehöre, bleibt “Blitzkrieg Battalion“ in meinen Ohren ein recht überflüssiges Werk ohne große Fehler, aber auch ohne wahnsinnigen Nährwert.

Die Produktion scheppert ganz ordentlich und lässt damit zweifelsfrei auch die Gedanken an längst verstrichene Tage aufleben, doch auch handwerklich klingt das alles noch eher nach Holzkeule denn nach Stormtrooper. Ganz im Sinne von alten SODOM und Konsorten sägen OBSESSÖR ein Riff aus der Antiquitätentruhe nach dem anderen herunter und geben sich wenig Mühe, diese Grundessenz entweder zu verändern oder auszuweiten. Dazu gibt es dann noch ein bisschen plakativ satanische oder wenigstens antichristlich Propaganda der Marke BELPHEGOR, sowie ein paar typische Trademarks wie beispielsweise hohe Screams. Und damit wäre “Blitzkrieg Battalion“ auch schon fertig. Für mich wird die Scheibe wohl tatsächlich einen blitzkriegartigen Auftritt hinterlassen haben, doch Puristen, für die OBSESSÖR ohnehin zweifelsfrei ihre Hand ins Feuer zu legen scheinen, könnten hieran Gefallen finden.

24.06.2013

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