Orden Ogan - Gunmen

Review

Galerie mit 20 Bildern: Orden Ogan - Rockharz 2017

Neues Album, neues Setting – wieder einmal haben ORDEN OGAN ihr Bandmaskottchen Alister Vale in ein neues Szenario geschickt, das bereits im obligatorischen Andreas-Marschall-Cover hervorragend eingefangen wird. Nach der Piraten-Bastion “Easton Hope”, der postapokalyptischen Eiszeitwelt von “To The End” und dem Zombie-Kloster “Ravenhead” ist es diesmal also der im Heavy-Metal-Contest noch recht wenig beachtete Wilde Westen geworden. Indes hält sich die Band in musikalischer Hinsicht von beiden Musikstilen – Country UND Western – gleichermaßen fern und haben einmal mehr zehn Power-Metal-Hymnen eingespielt, die mit ihrer Extraportion Pathos und Kitsch nicht nur bei Knüppel-Puristen für angewiderte Gesichter sorgen dürften.

Vorhersehbarkeit, aber kein kreativer Stillstand

Das größte Problem, das “Gunmen” hat, ist zugleich die größte Stärke der Band um Frontmann Sebastian “Seeb” Levermann. ORDEN OGAN haben ihren eigenen Stil über die vier Vorgängerscheiben hinweg zur Perfektion gebracht und leisten sich bei der neuerlichen Umsetzung keine Patzer. Das sorgt für ein konstant hohes Niveau in Puncto Songwriting und spieltechnischer Umsetzung. Auch als Produzent blickt Seeb längst auf einen hinreichend großen Erfahrungsschatz zurück, um jedes kompositorische Detail voll zur Geltung bringen zu können. Besondere Beachtung verdient dabei der druckvolle Drum-Sound, der im Saloon der auch für Bandfotos, Videoaufnahmen und andere Promo-Aktivitäten verwendeten Western-Stadt “Fort Fun” aufgezeichnet wurde. Die differenzierte Abmischung macht indes nur umso deutlicher, wie wenig überraschendes oder gar wirklich neues in den Stücken steckt. Den Vorwurf der Vorhersehbarkeit muss sich die Band daher gefallen lassen, wenngleich man mit einigem Recht achselzuckend darauf verweisen kann, dass man auf diese Weise letztlich genau die Wünsche eines Großteils der eigenen Fanbasis bedient.

Kreativer Stillstand im engeren Sinne herrscht deswegen noch lange nicht im Hause ORDEN OGAN. Selbst wenn die Könige des Selbstzitats immer wieder einmal auf jene unverwüstlichen Melodien zurückgreifen, die teilweise schon seit seligen “Testimonium A.D.”-Zeiten durch das Werk der Band mäandern, wirkt das nicht wie ein Aufwärmen halbverdauter Küchenreste. Vielmehr stellen sie diese offensiv zitierten Anleihen aus der eigenen Vergangenheit stets in einen neuen Kontext und erweitern damit jene existierenden Bedeutungsebenen, die Texte und Musik all ihrer Alben für den kundigen Zuhörer wie einen roten Faden zu durchziehen scheinen. Neben der großartigen Stimme von Liv Kristine (ehemals LEAVES’ EYES) ist es damit der deutliche “To New Shores Of Sadness”-Vibe, der “Come With Me To The Other Side” auszeichnet, während das darauffolgende “The Face Of Silence” überdeutlich an den Spirit des Klassikers “Angels War” anknüpft.

Am Ende doch noch Gänsehaut

Der hymnenhafte Charakter der Songs resultiert nicht zuletzt aus den dominanten Heldenchören, mit denen ORDEN OGAN gerade in den Refrains gerne besonders dick auftragen. An ihnen dürften sich nicht zuletzt wegen des erkennbaren Autotune-Charakters der bewusst auf Sauberkeit getrimmten Produktion die Geister scheiden. Sicherlich hätte dem Album auch ein einzelner Song, der aus dem Reigen an gutklassigen Hymnen hätte ausbrechen können, gut getan. Möglicherweise eine (Halb-)Ballade, immerhin haben ORDEN OGAN in diesem Bereich mit ihrer absoluten Furchtlosigkeit gegenüber poppigen Kitsch-Momenten in der Vergangenheit bereits Akzente setzen können (erinnert sich noch jemand an “Take This Light” oder das fantastische “Requiem”?). Stattdessen verlieren jedoch auch an sich gutklassige Stücke – insbesondere die im letzten Drittel der Tracklist befindlichen “Down Here (Wanted Dead Or Alive)” und “One Last Chance” – aufgrund der zu hohen Gleichförmigkeit an potentieller Wirkmacht. “Finis Coronat Opus” lässt “Gunmen” indes mit dezenten Electro-Spielereien und einem progressiv-verschachtelten Aufbau versöhnlich ausklingen. Hier schafft es dann sogar der Heldenchor mit dem abschließenden “I’ll always be there with you…”-Part endlich für echte Gänsehaut-Atmosphäre zu sorgen – besser spät als nie.

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15.07.2017

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