Over Your Threshold - Facticity

Review

Es hat fünf Durchläufe gedauert, bis es geknattert hat. Die ersten drei waren Randbeschallung beim Schreiben, Surfen oder anderweitig Beschäftigen – ins rechte Ohr rein, beim linken raus. Danach folgte eine Listening-Session zu nächtlichen Zeiten im Bett. Resultat: Eingeschlafen, exakt beim zweiten Song. Die letzte Chance gab es schließlich beim Joggen, voll aufnahmefähig und dringend bedürftig, musikalisch abgelenkt zu werden. Mit dieser Bereitschaft, jedes noch so kleine Detail in mich aufzusaugen, begannen OVER YOUR THRESHOLD mich tatsächlich gewissermaßen zu fesseln. Mal kurz auf die Promoinformation geblickt, klären sich direkt einige Dinge auf.

Nicht nur, dass “Facticity“ rein stilistisch ganz ähnlich der bereits etablierten Truppe OBSCURA klingen, genauso stammt die junge Band OVER YOUR THRESHOLD ebenfalls aus München und arbeitet auf ihrem Debüt zusammen mit Gastauftritten von Jonas Fischer und Steffen Kummerer (Ex- und aktuelles OBSCURA-Mitglied). Warum wirkt die Scheibe nun aber nicht, wenn die Aufnahmefähigkeit für das weitreichende Kopfkino nicht gewährleistet ist? Zunächst einmal klingt die rein soundtechnische Produktion auf “Facticity“, einfach ausgedrückt, relativ sachlich. Soll heißen, die Jungs scheinen mehr Wert darauf gelegt zu haben, dass jedes Instrument sauber und differenzierbar ausgesteuert ist, anstatt dem Ganzen richtig drückende Fassaden zu verpassen. Da hat aber logischerweise beides seine Vor- und Nachteile.

Achtung, gewagte Aussage: Des Weiteren machen OVER YOUR THRESHOLD schlichtweg unwahrscheinlich komplexe Musik, mit Schachtelformationen wo man nur hinhört und ohne jegliche Rücksicht auf konventionelle Songstrukturen. Umso wirksamer erscheint die Platte natürlich dann, wenn sich einem die Stücke plötzlich, ähnlich einem unverhofft fallenden Vorhang, erschließen. Viele rein instrumentale Frickelpassagen, sphärische Saitenstreichelei und jazzige Ausflüchte machen den Genuss von “Fracticity“ sicherlich nicht einfacher. In der Gegenüberstellung sind es lediglich die Vocals, die größtenteils relativ gleichförmig daherkommen. Wer würde sich jetzt noch darüber wundern, wenn ich ebendiese auch irgendwo in Richtung OBSCURA-like einordnen würde.

Für mich ordnen sich OVER YOUR THRESHOLD mit ihrem Ausgangswerk als kleiner Bruder der oben genannten Prog-Deather ein. Ganz zentral, weil mir der durchaus vorhandene rote Faden manchmal ein wenig zu tief eingegraben erscheint und genauso, da “Facticity“ insgesamt etwas zu wenig kracht. Ich weiß, Beschwerden auf hohem Niveau: Progressive Death Metal lebt und pulsiert.

23.08.2012

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