Priest - New Flesh

Review

Medial hatten die Achtziger das Jahr 2017 bisher ziemlich fest im Griff. Der dystopische Sci-Fi-Klassiker “Blade Runner” erhielt mit “Blade Runner 2049” einen würdigen Nachfolger und die Pop-Kultur der gesamten Dekade mit “Stranger Things 2” eine liebevolle Hommage mehr, die in Sachen Detailversessenheit gegenüber der ersten Staffel sogar noch eine Schippe drauflegte.  Da erscheint es nur folgerichtig, dass ein paar Skandinavier unterstützt von zwei Ex-GHOSTler sich kurz vor Toresschluss noch zusammenfinden, um ein Album zu veröffentlichen, das klingen soll, wie eine 1982er-Zukunftsvision von 2019 (O-Ton aus dem Promo-Text).  Zumal man es in Schweden, zumindest bezogen auf die klassischeren Spielarten des Rock, schon seit geraumer Zeit verstanden hat, überzeugende Retro-Vibes zu vermitteln.

Die Atmosphäre stimmt

Da man bekanntlich den Ghoul aus der Maske, aber niemals die Maske aus dem Ghoul bekommt, wirkten die neusten PRIEST-Videos erst einmal wie im SM-Studio geschossen. Aber wir wollen uns nicht an Kleinigkeiten abarbeiten. Ob das Leder nun um die Tanzbeine oder an der Gesichtshaut klebt, soll bei der Beurteilung der Musik auf “New Flesh” keine Rolle spielen.

Sehr bald nach Beginn der ersten Rotationsrunde zeigt  sich, dass PRIEST die erste Hürde eines jeden derartigen Projektes mit links genommen haben. In Sachen Atmosphäre punktet “New Flesh” sofort, die Soundästhetik stimmt, das Kopfkino führt direkt in den ekstatischen Ich-Verlust unter Leuchtreklamen, Discokugeln und dem Sternenhimmel, der nur ab und an zwischen den größenwahnsinnigen Wolkenkratzern auftaucht.

PRIEST fahren einen Etappensieg ein

Beginnt man dann, auf die einzelnen Songs zu achten, entdeckt man ganz viel DEPECHE MODE, eine gute Prise ZOOT WOMAN und den KAVINSKY-“Nightcall” aus dem Refn-Meisterwerk “Drive” (“History In Black”).  Songs wie das eröffnende “The Pit” oder “Vaudeville” mischen noch etwas stampfende Industrial-Vibes darunter und der Rausschmeißer “Reloader” drosselt das Tempo am Ende fast bis zum schwelgerischen Stillstand (und verfügt außerdem über ein PHIL-COLLINS-Gedächtnis-Fill), ansonsten zeigt sich das Songmaterial überaus homogen.  Auch wenn es zwischendurch auch gerne mal etwas düsterer werden darf – man höre nur den an NINE INCH NAILS erinnernden Song “Populist”.

Zum Etappensieg verhilft PRIEST zusätzlich die Tatsache, dass das auf zehn Songs beschränkte “New Flesh” genügend Ohrwürmer bereithält, um die Spielzeit noch kürzer wirken lassen, als sie ohnehin schon ist (“The Cross”). So empfiehlt das PRIEST-Debüt sich hervorragend für eine drückend produzierte Nostalgie-Runde mit dem gewissen Extra-Schuss Verwegenheit. Ob sich die Masche auch genauso auf einem potentiellen Nachfolge-Album durchziehen lässt, bleibt indes abzuwarten.

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15.11.2017

What has to happen in a person's life to become a critic anyway?

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