Procession - To Reap Heavens Apart

Review

Dass die Chilenen von PROCESSION nach den guten bis überschwänglichen Resonanzen auf ihr Debüt “Destroyers Of The Faith” nach Schweden emigriert sind, erscheint zumindest dann nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, dass ihre offenkundig größten musikalischen Vorbilder auch aus dem größten Land Skandinaviens stammen: CANDLEMASS. Wahrscheinlich glauben Claudio Botarro Neira und Felipe Plaza Kutzbach, dass sich in Uppsala etwas im Wasser findet, das sie zu einer “Epicus Doomicus Metallicus” ähnlichen Großtat beflügelt.

Und so lässt sich das 44-minütige Zweitwerk “To Reap Heavens Apart” tatsächlich verdammt gut an. Zwar steht es mit seinen vier – plus Intro und einer Art Interludium (“The Death Minstrel”) – tragenden Säulen nach wie vor ganz in der Tradition der Idole, ist geradezu eine Eins-zu-eins-Nachbildung der essentiellen Werke des traditionellen Doom Metal und dabei glatter als in den Anfängen der Band, aber immerhin von nicht zu leugnendem Talent. Direkt in den ersten Minuten des tristen “Conjurer” zeigt Felipe Plaza Kutzbach mit klar-mitreißend-leiderfülltem Geschmetter, dass man ihm mit Versteckspiel in seiner Kindheit in Südamerika gar nicht kommen musste. Mit anderen Worten: eine makellose Darbietung, die keinen Vergleich zu scheuen braucht. Beim nachfolgenden “Death & Judgement” gelingt dem Wahlschweden auch die bedächtig-beschwörende Tonlage, bevor der Achtminüter in seiner zweiten Lebenshälfte merklich agiler wird. Das spektakuläre Titellied fliegt gar noch ein Stück höher, verknüpft seine Wucht mit einigen eindringlichen, grandiosen Gesangslinien – man höre sich allein diesen hochemotionalen Refrain (ab genau 03:00 Minuten: ” […] At The Turn Of The Wheeeel […]”) an, der einem Mischwesen aus Johan Langquist und dem jungen Eric Adams zu “Sign Of The Hammer”-Zeiten zu entstammen scheint. Beinahe magisch.

Ein bisschen ärgerlich ist es, dass sich die chilenisch-schwedischen Schleichfahrer mit dem finalen und auch längsten Stück “Far From Light” im Angesicht des Triumphes eine kleine Nachlässigkeit leisten. Der im direkten Vergleich zu den ersten drei Vierteln etwas abfallende Elfpfünder schmälert den bis dahin famosen Gesamteindruck des Zweitwerks aber nur geringfügig. So bleibt eine große Platte, gedankenversunken bis trostlos und dennoch zugleich herrlich belebend. Eine Krebsdiagnose an einem strahlenden, bierseligen Sommertag – wie hochklassiger Doom Metal eben sein sollte.

Ob sich das Quartett mit “To Reap Heavens Apart” den Weg auf den Epic-Doom-Olymp ebnen können wird, wird die Zeit zeigen. Es scheint auf den ersten und zweiten Blick so, als ob man CANDLEMASS’ “Epicus Doomicus Metallicus”, aber auch SOLITUDE AETURNUS’ “Into The Depths Of Sorrow” oder WARNINGs “Watching From A Distance” dort oben nicht die Stühlchen unter den doch schon recht platt gesessenen Ärschen wird wegziehen können. Und ob auf der engen Bergspitze noch eine Sitzmöglichkeit frei ist? Mit großer Sicherheit wird es für PROCESSION aber zumindest reichen, um sich eine Etage tiefer für Jahresfrist auf den Genre-Thron zu setzen. Mit der Epic-Doom-Metal-Platte 2013 – na wenn das mal nichts ist!

20.04.2013

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1 Kommentar zu Procession - To Reap Heavens Apart

  1. Gummimann sagt:

    die neuen helden am doom metal himmel. super stark. 9p

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