Rainbow - Memories In Rock - Live In Germany

Review

Darauf haben Rockfans gefühlte Äonen warten müssen. Der schwarze Ritchie kommt für zwei (mittlerweile nicht mehr ganz so exklusive) Konzerte mit RAINBOW zurück auf deutschen Boden. Da wurde im Vorfeld ziemlich viel spekuliert. In den sozialen Netzwerken waren wenig erfreute Kommentare zu lesen. Hauptsächlich war vom Vorwurf lediglich eine Coverband würde die Klassiker spielen bis hin zu Vergewaltigung von DIOs Erbe zu lesen. Mit “Memories In Rock – Live In Germany” kann sich nun jeder ein Bild machen und selbst entscheiden, ob Ritchie und seine Mannen den alten Songs Respekt erwiesen haben.

Als Strat-Aficionado und RAINBOW-Fan habe ich das Angebot die BluRay zu besprechen natürlich gerne angenommen. Da ich selbst den Konzerten nicht beiwohnen konnte, war ich sehr gespannt, ob Herr Blackmore es tatsächlich noch drauf hat. Die Kommentare nach dem Konzert waren überwiegend positiv. Die Videos, die man im Netz begutachten konnte, konnten das nicht wirklich verifizieren. Im Kontext von Notenschach eine klassische Pattsituation. Fakt ist jedenfalls, dass die Setlist ungefähr alle Songs abdeckt, die man von Ritchie Blackmore und RAINBOW hören will. Die Erwartung an Band und das Konzert ist also groß. Die Ernüchterung folgt quasi auf dem Fuß. Natürlich hätte man nach dem bekannten Intro aus “The Wizard Of Oz” mit “Highway Star” nicht besser starten können, aber genau der Song schmälert die Euphorie dann doch ungemein. Hier wird zu Beginn arg auf die Bremse getreten und dem Stück viel von seinem eigentlichen Drive genommen, sodass man sich verdutzt die Augen reiben muss. Das haben DEEP PURPLE auf der letzten Tour definitiv besser hinbekommen. Doch, es dauert echt lange, bis der Spirit auch am TV auf den Betrachter überspringt, und zwar bis zu “Man On The Silver Mountain”. Ab dem Song scheint die Band sich sicher zu sein, dass der Abend ein Erfolg sein kann. Auch Herr Blackmore wirkt ein wenig mehr auf den Geschmack gekommen und steigert seine Performance marginal.

Jetzt ist das Konzert selbstredend keine Rentnerveranstaltung, da vor allem zwei Leute besonders hervor stechen – keiner von ihnen ist Ritchie Blackmore. Keyboarder Jens Johansson macht seine Sache mehr als ordentlich und geht aus den Duellen mit dem Saitenmeister auch hin und wieder als Sieger hervor. Leider fehlt ihm das Charisma von Jon Lord (wofür er freilich nichts kann). Dennoch macht er einen sehr guten Job und nutzt die ihm gegebenen Freiräume sinnvoll. Definitiv der größte Pluspunkt von “Memories In Rock – Live In Germany” ist Sänger Ronnie Romero (LORDS OF BLACK). Der Junge hat eine Stimme die zum niederknien ist. Ganz entspannt bringt er die DIO- und DEEP PURPLE-Klassiker, als gäbe es keine einfachere Aufgabe. Chapeau! Ich bin echt beeindruckt. Wer es nicht glaubt, sollte “Stargazer” einmal antesten. Ich hoffe inständig, dass von dem Mann noch einiges mehr kommt. Die Rhythmussektion Bob Nouveau (Bass) und David Keith (Drums) hingegen machen einen soliden, wenig auffälligen Job. Aber das geht für eine Ritchie Blackmore Soloveranstaltung völlig in Ordnung.

Trotz der superben Setlist und den positiven Aspekten der BluRay, steht und fällt ein Konzert/Produkt im Kontext RANBOW immer mit dem Protagonisten, und ich muss sagen, dass ich Ritchie Blackmore selten derart harmlos und unmotiviert auf einer Bühne gesehen habe. Keine packenden Instrumentalduelle, keine schneidenden Sologeniestreiche. Es fehlt einfach an Esprit, und daran krankt unter dem Strich leider das ganze Konzert. Vermutlich werden mir viele der anwesenden Besucher des Konzerts widersprechen, aber mein Eindruck bleibt auch nach mehrmaliger Sichtung der BluRay gleich. “Memories In Rock – Live In Germany” geht in Ordnung, ist aber bei weitem nicht der Knaller geworden, den RAINBOW aufgrund der Setlist hätten bringen können.

21.12.2016

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