Rosetta - Utopioid

Review

Wer Rosetta kennt, der weiß, dass die hochgelobten Post-Metal-Pioniere aus Philadelphia jegliche Genre-Kategorisierung ihres Schaffens ablehnen. Tatsächlich war es eigentlich schon immer unmöglich, die Musik des inzwischen fünfköpfigen Gespanns einer einzigen, bestimmten Stilrichtung zuzuordnen. Von markanten Einflüssen aus dem Hardcore, über klare Sludge-Einschläge bis hin zu schweren Drone-Passagen erstreckt sich das Repertoire der US-Amerikaner über eine beinahe endlose Anzahl an Genres und Sub-Genres. Das Ergebnis dieser stets miteinander harmonierenden, experimentellen Mischung konnte sich bisher ausnahmslos sehen lassen, doch kann das nunmehr sechste Album “Utopioid” an seine Vorgänger anknüpfen?

Eine musikalische Grenzerfahrung

“Utopioid” ist eines dieser Alben, die bereits allein durch ihre musikalischen Arrangements eine eigene Geschichte zu erzählen scheinen. Dabei nimmt jeder einzelne Song seinen eigenen, ganz besonderen Stellenwert ein, verfügt über ein klares Alleinstellungsmerkmal, hebt sich in seinem Aufbau ganz klar von den anderen ab und fügt sich dennoch nahtlos als Teil in das große, klar strukturierte Gesamtkonzept ein. Der Opener “Amnion” ist ein atmosphärisches Instrumental und bereitet uns stimmungstechnisch bestens auf den nachfolgenden Track “Intrapartum” vor: sanfte, melodische Gitarrenriffs, die miteinander zu verschmelzen scheinen und somit von Anfang an für ein ruhiges Ambiente sorgen. Eben diese Atmosphäre wird im zweiten, bereits angesprochenen Song zu Beginn fortgeführt, von klaren Vocals untermalt und nach knapp zwei Minuten in einem verträumten, dennoch sehr rhythmischen Part beibehalten. Auffallend bleibt hierbei vor allem der düster-bedrohliche Unterton, der langsam, aber sicher aufkommt. Seinen absoluten Höhepunkt findet der Song durch seine fließende, immer härter, sowie schneller werdende Melodieführung, die nach etwas weniger als sechs Minuten von Hardcore-lastigen Shouts abgerundet wird. Defintiv ein frühes Highlight der Platte!

Mit “Neophyte Visionary” sind wir nun endgültig im Rosetta-Kosmos angekommen. Dank der markanten Harsh-Vocals, der unvorhersehbaren und deswegen umso interessanteren Melodiereihungen sowie des einmaligen Ambientes, welches sich irgendwo zwischen Weltschmerz und Sehnsucht bewegt, gelingt den Jungs ein weiterer Post-Metal-Volltreffer. “King Ivory Tower” ist anschließend ein einzigartiges Zusammenspiel aus grandiosen Riffs und einer ganz starken Gesangsperformance. Bei “54543”, einem weiteren, wunderschönen Instrumental, erreicht das Album sein Höchstmaß an filigraner Melodie-Arbeit. “Détente” reiht sich besonders durch seinen eindrucksvollen, sehr harmonischen und nichtsdestotrotz schwer anmutenden Mittelteil in das stimmige Gesamtkonzept von “Utopioid” ein. Mit einer Spielzeit von knapp über neun Minuten ist “Hypnagogic” das längste Stück des Werks und besticht in erster Linie durch seine stimmige, geradezu romantische Atmosphäre. Trotz des ausgedehnten, sehr ästhetischen Intros von “Qohelet”, sticht hier am Ende doch ganz klar die unnachgiebige, beinahe melancholische Härte des Tracks heraus. Seinen würdigen Abschluss findet das Album in “Intramortem”, dem neunten und letzten Song der Platte. Das Hauptaugenmerk liegt hier ganz klar darauf, den äußerst atmosphärischen Gesamteindruck gekonnt abzurunden. Rosetta haben damit in den neun, wunderbar abwechslungsreichen Songs auf “Utopioid” kunstvoll ihre Geschichte erzählt.

Facettenreiches Feuerwerk

Um die eingangs gestellte Frage, ob “Utopioid” dem Gesamtwerk der Band gerecht wird, zu beantworten: Ja, sogar mehr als das. Rosetta liefern hier neun absolut einmalige Highlights, die durch ihre atmosphärisch-melodische Vielfalt hunderprozentig überzeugen. Auch nach mehrmaligem Hören wartet dieses vielseitige Album noch immer mit der einen oder anderen erfrischenden Überraschung auf. Wie man das Endergebnis letztendlich kategorisiert, ist jedem selbst überlassen. Rosetta selber definieren ihre Musik übrigens als “Metal für Astronauten”. Solange sie weiterhin Musik im Stile von “Utopioid” machen, dürfte die Genre-Diskussion jedoch reine Nebensache bleiben.

Jonas Erbas

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22.11.2017

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