Shining - V: Halmstad

Review

Jeder dürfte von SHININGs „Skandalkonzert“ in Halmstad gelesen haben. Urin, Blut und physische Gewalt – laut Kvarforth sieht so wohl ein vollkommen normaler SHINING-Gig aus. So normal das für den verschollenen und wieder aufgetauchten Herren vielleicht auch sein mag (Attila und Maniac sind sicherlich nicht bei jedem Konzert dabei…), für einen gewissen Medienrummel hat es dennoch gesorgt. Da könnte man doch glatt meinen, dass das ganze Tohuwabohu um die Band lediglich ein geschickter Schachzug war, um ein langweiliges fünftes Album ins Rampenlicht zu prügeln.

Ich tat das zum Beispiel. Allerdings auch nur solange, bis ich „Halmstad“ zum ersten Mal hören konnte, denn man hat es hier mit dem eindeutig stärksten SHINING-Material überhaupt zu tun, so viel vorweg! Zwar beginnt das Album mit der Fortsetzung des monotonen Übersongs „Ännu Ett Steg Närmare Total Utfrysning“ vom zweiten Album, doch wird recht schnell deutlich, dass sich die suizidalen Schweden erneut weiter vom Black Metal entfernt haben.

Rockig-bluesige Gitarrensoli gab es bereits auf „The Eerie Cold“ und sind somit nichts wirklich Neues, aber diesmal sind zum Beispiel auch noch ein Piano und ein Cello mit von der Partie. Letztere können insbesondere in „Låt Oss Ta Allt Från Darandra“ ganz groß auftrumpfen, wobei die Klaviermelodie latent an den famosen TEARS-FOR-FEARS-Hit „Mad World“ erinnert. Vielleicht gar kein Zufall, denn überhaupt macht das Stück einen leicht poppigen Eindruck, der vermutlich durch seine Kompaktheit und die durchaus vorhandene Ohrwurmgefahr entsteht. Platt wirkt es dabei aber nicht, dafür ist es einfach viel zu ergreifend!

Man kann also durchaus sagen, dass SHINING in Punkto Songwriting gereift sind. Eine gewisse Monotonie herrscht in den tendenziell im Midtempo-Bereich angesiedelten Songs noch immer, allerdings weniger ausufernd als früher. Die bekannten Trademarks sind jedoch nach wie vor vorhanden und wurden weiter verfeinert. So sind die Akustikeinlagen bedrückender (da hat wohl jemand in letzter Zeit fleißig OPETH gehört), die Basslines genialer und Kvarforths Gesang noch viel abgedrehter als je zuvor. Manchmal übertreibt der alte Urintrinker es mit der Vokalakrobatik beinahe ein bisschen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass er einen gehörigen Dachschaden hat, wirkt es doch immer noch glaubwürdig. Zwischen all dem Brüllen, Kreischen, Kotzen und Keuchen ist sporadisch sogar noch Platz für so etwas wie halbklaren Gesang, der ausgezeichnet zur Musik passt und schön rauchig klingt.

All jene, die weiterhin der Phase SHININGs hinterhertrauern, die man noch relativ klar dem Black Metal zuordnen konnte, werden sich daran wahrscheinlich dennoch stoßen. Und an dem definitiv nach Industrial Metal klingenden Staccato-Riff in einem der Songs, und an dem ausgedehnten Akustikgitarrensolo in einem anderen. Vielleicht auch an der in „Åttiosextusenfyrahundra“ zitierten Mondscheinsonate.

Jeder halbwegs offene Hörer hingegen kann sich mit „Halmstad“ an einem Album „erfreuen“, das durchweg auf handwerklich sehr hohem Niveau und, noch wichtiger, von vorne bis hinten mit (überwiegend negativen) Emotionen vollgepackt ist, gegen die man sich kaum wehren kann. Da das gute Stück auch noch mit einer sehr druckvollen und professionellen Produktion ausgestattet ist, die übrigens mit einem unmenschlich guten Basssound aufwarten kann, gibt es absolut gar nichts zu meckern. Na gut: Das Cover der Promo ist ziemlich pixelig geraten, hoffentlich wird’s bei der Verkaufsversion besser aussehen.

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16.04.2007

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4 Kommentare zu Shining - V: Halmstad

  1. Anonymous sagt:

    Shining – V:Halmstad, das heißt: Ruhige Songs, akustische Gitarren, eine Menge Melancholie und Kvarforth\’s abgedrehter Gesang.Die Songs sind größtenteils im Mid-Tempo gehalten und sind musikalisch recht breit gefächert und was das wichtigste ist: Richtig gut. Gemeinsam haben sie alle lediglich die düstere Atmosphäre. Insgesamt ein über alle Zweifel erhabenes Album, welches mit musikalischen Reizen keineswegs geizt. Hervorzuheben ist der 4. Track \"Besvikelsens Dystra Monotoni\", alle Trademarks dieses Albums an seine Grenzen bringt. Im Endeffekt macht das \"nur\" 8 Punkte, da mir einfach der Kick, der ein sehr gutes Album zu einem genialen macht, fehlt.

    8/10
  2. brazzo sagt:

    Ach du Schande was ist das denn??? Ich habe Shining immer als cool empfunden. Aber das ist ja ein Feuerwerk. Hört Euch nur mal das Lied Besvikelsens Dystra Monotoni an. Boah. Sowas von ergreifend. Hammer. Steigt- ungewollt- in die liga von Opeth und Katatonia auf. Und das in einer ganz eigenwilligen Art und Weise. Perfekt.

    10/10
  3. madp sagt:

    Wow! Ich muss mich da anschliessen, es ist eine wahrlich grossartige Scheibe. Technisch beeindruckend, Songwriting genial, vom ersten bis zum letzten Titel. (Ich kann mir schwer vorstellen, das Shining dieses Album noch toppen kann, deswegen die Höchtpunktzahl)

    10/10
  4. jadevin sagt:

    Eins voller Vorurteile an die Band Shining herangetreten, muss ich sagen, dass gerade dieses Album mit seinen ruhigen Passagen jeden Fan von melancholischer, atmosphärischer Musik (Katatonia, Opeth, Agalloch u.a) uneingeschränkt empfohlen werden kann. Nun wächst dieses Album nach dreimonatigen Hören immer mehr und ich kann gar nicht beschreiben, wie genial das ist, was Shining hier abliefern. Ein zeitloses Meisterwerk, progressiv mit klassischen Anleihen und durchaus gefällig (selbst beim ersten Reinhören). Allein mit der Adaption von Beethoven, die so gekonnt in den Kontext des Album passt, stellen sie 95% der Bands in den Schatten.

    10/10