Six Magics - Behind The Sorrow

Review

Ausgerechnet eine chilenische Band, die man nicht unbedingt auf der Rechnung hatte, veröffentlicht eines der frischesten und mitreißendsten Power Metal-Alben, die ich seit Langem gehört habe. Und ausgerechnet eine female fronted Band ist es, die mir in dieser Hinsicht zugegebenermaßen manchmal etwas voreingenommenem Trällerlelsen-Kritiker zeigt, dass auch sie überzeugende Arbeit abliefen können, wenn nur die Kompositionen stimmen.

„Behind The Sorrow“ hört man zu jeder Sekunde an, dass SIX MAGICS ihren vor Kurzem ergatterten Plattendeal verdient haben, und es vollkommen ernst meinen. Dass die Betonung des Englischen vom Sängerin Elizabeth Vásguez nicht immer zu einhundert Prozent ins Schwarze trifft, ist dabei noch der größte, aber verzeihliche Kritikpunkt der Scheibe. SIX MAGICS bereichern ihren teilweise schon etwas in den Hardrock-Bereich ausschlagenden Power Metal mit dezenten und alles andere als aufgeblähten orchestralen Anleihen und baden ihre Songs mitunter in einer etwas geisterhaften, gothic-lastigen Atmosphäre, die aber nie in NIGHTWISH-Regionen ausgereizt wird. Elizabeth hat sicher nicht das breiteste Stimmvolumen, quietscht dafür aber auch nicht opernhaft am Rande der menschlichen Wahrhnehmungsgrenze herum, sondern setzt ihr Organ emotional und songdienlich ein. Die Musik basiert auf simplen, aber effektiven Riffs, und der größte und von vielen Bands unterschätzte Vorteil ist, dass beinahe alle Songs auf „Behind The Sorrow“ lupenreise Hits von internationalem Format sind. Die Kompositionen sind nachvollziehbar und eingängig, und die Nummern gipfeln in Ohrwurmrefrains, die völlig ohne Schmalz und Kitsch auskommen, und die man überhaupt erstmal schreiben muss.

Das single-taugliche „Animal“ macht schon seit einiger Zeit im Netz die Runde, der Titelsong oder das abschließende „I Remember“ seien als weitere Anspieltipps genannt. Das sechsminütige „They“ wirkt ein klein wenig komplexer, „Hands Of Time“ klingt aufgrund der schleppenderen Grundausrichtung sogar ein wenig doomig. SIX MAGICS agieren abwechslungsreich und melodisch, verpacken die Tatsache, zu wissen, was sie wollen in ein überzeugendes Gesamtpaket, das eine der positivsten Überraschungen des noch jungen Jahres darstellt. SIX MAGICS sind erdiger als SONATA ARCTICA, weniger klischeehaft als DREAM EVIL und nicht so bombastisch und klassisch angehaucht wie WITHIN TEMPTATION. Vor allem aber weit weniger exotisch als man vermuten mag. In dieser Form wird Südamerikas musikalischer Wert im härteren Rock-Bereich nicht mehr lange auf SEPULTURA beschränkt sein.

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10.02.2010

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