Testament - Live In London

Review

Galerie mit 17 Bildern: Testament auf dem Summer Breeze Open Air 2016

Wie kürzlich schon im CD-Review zu “Live In London” (Link siehe unten) versprochen, hier nun der Blick auf die zeitgleich erschienene DVD, mitgeschnitten bei demselben Gig in London im klassischen Line-up mit Chuck Billy (v), Eric Peterson (g), Alex Skolnick (g), Greg Christian (b) und Louie Clemente (dr).
Und wie auch schon bei der DVD finde ich, was das Livekonzert angeht, keinen Ansatz für Kritik. Die Stimmung im Publikum ist überschwänglich, der Pit erreicht Ausmaße und einen Härtegrad, auf den jede gängige Metalcore-Combo stolz sein könnte. Jeder einzelne Musiker präsentiert sich in absoluter Hochform. Vor allem Alex Skolnick veredelt das perfekt gewählte Best Of-Programm mit Kunststücken auf den sechs Saiten, die sämtliche Konkurrenz vor Neid erblassen lassen dürften. Dieser Mann gehört einfach zu TESTAMENT wie die Butter aufs Brot. Ohne schmeckt es nur halb so gut.
Auf ähnlichem Level bewegt sich Fronter Chuck Billy, der in der Gesamtheit gesehen zwar nur wenige Worte an die Menge richtet, aber ein Charisma ausstrahlt, dem man sich zu keiner Sekunde entziehen kann. Egal ob er mit seinem halben Mikroständer jeglichen Luftgitarrenwettbewerb mit Leichtigkeit für sich entscheidet, ob er wild bangend den Bühnenrand unsicher macht, oder ob er die unsterblichen Textzeilen der noch unsterblicheren Klassiker, die während dieses Gigs in die hungrige Meute geballert werden, zelebriert, man wird sich immer wieder bewusst, wie unglaublich seine Heilungsgeschichte eigentlich verlaufen ist. Vor ein paar Jahren noch hatte er wegen seines Krebsleidens weder Augenbrauen noch Haare auf dem Kopf und jetzt dirigiert er schon wieder mit neu gewachsener Mähne und mächtiger als jemals zuvor souverän die ihm aus der Hand fressende Menge. Respekt vor dieser Leistung!
Der Sound drückt nicht minder fett wie auf der CD aus den Boxen, während die Bilder fürs Auge ebenfalls einwandfrei eingefangen (sogar mit Kamera im Pit) und dramaturgisch packend zusammen geschnitten worden sind. Well done and extremely entertaining!
Leider kann das Bonusmaterial und einmal mehr die Aufmachung diesen hohen Standard zu keiner Zeit halten. Ein zwar nett anzusehender, aber ohne Booklet daherkommender Digipack und gerade mal elf Minuten Interviewmaterial, das noch dazu nur bedingt interessant ausfällt und durch teilweise nervige Neben- und Hintergrundgeräuschen schwer zu verstehen ist, sind für den DVD-Standard, den man heutzutage gerade bei einer Band mit einer solchen Geschichte erwarten darf, einfach viel zu wenig. Ganz klarer Punktabzug, da auf diese Weise nur eine Gesamtspielzeit von mickrigen 82 Minuten erreicht wird!
Trotzdem holt allein der packende Gig die Kohlen aus dem Feuer, weswegen diese DVD als visuelle Ergänzung zum Livealbum jedem Fan der Bay Areaner ohne Bedenken unter den Weihnachtsbaum gelegt werden kann.

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20.12.2005

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