The Agonist - Prisoners

Review

Galerie mit 5 Bildern: The Agonist - Euroblast Festival - The Ninth Coming

Das kanadische Melodic-/Death Metal-Quintett THE AGONIST legt mit “Prisoners” das mittlerweile dritte Studioalbum vor. Stilistisch hüllt man sich nach wie vor in ein modernes Metal-Gewand: rhythmisches Thrash-/Death-Riffing, melodische Hooks und das Wechselspiel zwischen den aggressiven Growls und dem eingängigen Gesang von Fronterin Alissa White-Gluz sorgen für einen griffigen, frischen Gesamtmix. Querverweise und Zitate finden sich bei artverwandten Acts wie den ebenfalls aus Kanada stammenden THREAT SIGNAL, den schwedischen SONIC SYNDICATE, DEAD BY APRIL oder den Dänen von RAUNCHY.

Leider muss man aber auch gleich am Anfang kritisieren, dass es Frau White-Gluz auf “Prisoners” manchmal etwas übertreibt. Viele Passagen wirken durch die fast schon orchestralen Gesangs-Arrangements etwas überladen und für meinen Geschmack eine Spur zu bombastisch. Songs wie “The Escape”, dem orientalisch angehauchten “Dead Ocean” oder dem eigentlich sehr versiertem “The Mass Of The Earth” fehlt es so am nötigen Raum zum Atmen. Vielmehr klingen entsprechende Tracks schnell etwas gekrampft und angestrengt.

Dennoch finden sich einige Leckerbissen auf “Prisoners”. So kann der Opener “You’re Coming With Me” nach dezentem Klampfen-Intro mit knackiger Gitarrenarbeit und dem einprägsamen Refrain punkten. Im Song “Panophobia” wiederum wird der Anteil der Clean-Vocals merklich reduziert und eher auf aggressives, schnelles Riffing und einen fett groovenden Mittelteil gesetzt. Und auch die Tatsache, dass die Gitarren-Fraktion um Danny Marino und Pascal Jobin sich nicht auf’s ausgelutschte Standard-Repertoire beschränkt, sondern dem Hörer immer wieder nette Schmankerl serviert, muss lobend hervorgehoben werden.

Letztendlich finden sich auf “Prisoners” eine Menge vielversprechender Ansätze. Die stimmliche Variabilität der Frontfrau ist beeindruckend und die sehr transparente und auf Hochglanz polierte Produktion – auch wenn man damit bei echten Puristen kaum punkten wird – steht der Platte gut zu Gesicht. Irgendwie fehlt der Scheibe aber dennoch die nötige Reife und Routine, um wirklich in höhere Modern-Metal-Sphären vorzustoßen. Vielleicht hätte man, statt “Prisoners” auf knapp eine Stunde Spielzeit zu dehnen, dann doch auf ein paar Tracks verzichten und die Kompositionen noch etwas überlegter in Szene setzen sollen. Um es mit einer platten Floskel zu sagen: Weniger ist manchmal einfach mehr.

30.08.2012

"Am Ende isses immer Arbeit."

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