The Amenta - Occasus

Review

Die Musik von THE AMENTA würde perfekt in eine düstere Zukunftsvision passen, denn sie ist mindestens so dunkel, kühl, unwirtlich und brutal, wie manche Endzeitphantasien in Buch- und Filmform es uns glauben machen wollen. Man wünscht sich direkt, noch vor dem Jahre 2030 das Zeitliche zu segnen.
Anyway, “Occasus” ist jetzt erschienen und führt den Weg der vorangegangenen 3-Track-Eigenproduktion “Mictlan” konsequent fort. In den Death Metal-lastigen Parts klingen die Australier, die mittlerweile einen Deal beim französischen Label Listenable ergattern konnten, wie eine Mischung aus BEHEMOTH und ZYKLON, während die Black Metal-kompatiblen Klänge von IMMORTAL (R.I.P.) bis DIMMU BORGIR reichen. Hinzu kommt noch ein eiskalter Industrialeinschlag samt häufiger Verwendung diverser Electronica. Dies wird das größte Problem sein, dass die meisten mit dieser Band haben werden. Kann man an ihren Todesblei-Gewaltausbrüchen höchstens kritisieren, dass sie sich zu sehr ähneln, sind die gesammelten, elektronischen Klangcollagen und Experimente extrem überflüssig, und das aus mehreren Gründen: Sie zerstören den Fluss der Platte, machen im Falle von “Sangre” einen richtig fiesen Industrialstampfer (eigentlich fast schon im Noise-Bereich anzusiedeln) kaputt, weil sie ihm seine Bosheit und Kraft rauben, und erzeugen einfach in höchstem Maße Langeweile. Eigentlich schade, denn THE AMENTA haben songschreiberisch echt was auf dem Kasten. Sie sind in der Lage, rücksichtslos zu morden (“Mictlan”), melodiöse, sphärisch-getragene Nummern zu schreiben (“Nihil”) oder beides zu mischen (“Geilt”).
So fällt das Fazit zu ihrem Debüt ähnlich aus wie das zu ihrer Eigenproduktion: Jungs, lasst diesen Ambient-Touch samt Elektronikgedümpel raus! Wenn der Knüppel regiert, kommt es in Eurem Falle einfach besser rüber, denn auf diesem Gebiet liegen Eure Stärken. Und die gilt es auszuprägen. Das Potential für ein richtiges Killeralbum ist nämlich nachwievor vorhanden. Hoffentlich kommt selbiges noch vor 2030, denn sonst erleben wir es ja alle nicht mehr.

06.09.2004

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