Tusmørke - Bydyra

Review

Eine Freundin beklagte sich neulich bei mir, dass jeder ihrer kindlichen Singversuche von ihren Eltern dereinst gnadenlos unterbunden wurde: Das klingt schief, das ist Geplärre, sei leise. Didaktisch war das natürlich eine Vollkatastrophe und hatte zumindest zur Folge, dass besagte Freundin heute nicht zur Riege der Topsängerinnen aufgestiegen ist, ja überhaupt keinen Spaß am Singen entwickelt hat. Aus Elternsicht zeugt dieser Zug zumindest von wenig Interesse am eigenen Nachwuchs. Aus Sicht von Ästheten jedoch kann dieses Unterbinden durchaus nachvollzogen werden, denn Kindergesang – da muss die rosarote Brille jetzt mal von der Nase gleiten – klingt häufig schief und ist Geplärre.

“Bydyra” ist ein Album für Kinder und mit Kinderchören

Womit wir auch schon mittendrin in der Grundthematik von “Bydyra” sind, dem neuen Album der norwegischen Folkrocker TUSMØRKE. “Bydyra” ist ein Album für Kinder, richtet also die Musik und die Texte gerade auf jüngere Zuhörer aus. Wobei durch den unverwechselbaren Gesang des Sangesduos Benediktator und Krizla und die Kompositionen zu jeder Zeit zu erkennen ist, dass dort TUSMØRKE zugange sind. Gut, bei den Songstrukturen halten sich die Musiker kurz, immerhin gilt es längere Instrumentalpassagen zu vermeiden und den jüngeren Zuhörern erzählerische Spannung und Mitsingpassagen zu bieten.

Jetzt ist es allerdings so, dass TUSMØRKE mit “Bydyra” auch ein Album mit Kindern machen. Das heißt, und damit sind wir wieder bei oben geschildertem Sachverhalt: Ständig plärrt im Hintergrund ein Kinderchor, die Stimmen offenkundig noch nicht ausgereift, aber eben mit viel Spaß bei der Sache. Das ist gewiss kein Mehrwert. Wenn allerdings wie in “Rattekongen” die Chipmunks anfangen zu rappen, stellt sich die grundsätzliche Frage: Darf man an solch ein Album überhaupt generelle Kritikermaßstäbe anlegen? Immerhin hat doch jeder mal zum Schlumpfsong oder Rolf Zuckowski getanzt, vielleicht sogar TO THE RATS AND WOLVES abgefeiert, wo Erwachsene zurecht die Nase rümpfen. Man kennt ja die Situationen, wo Familienväter mit der Schulter zucken und ihnen ein verlegenes Lächeln über die Lippen huscht, weil im CD-Spieler noch ein Tonträger vom kleinen Ritter Trenk liegt. Den Kindern gefällt’s halt.

(Rapping) Chipmunks are no-go!

So ist das auch mit “Bydyra”: Den Kindern wird das Album, sofern sie Norwegisch beherrschen, gewiss gefallen. Und um den Nachwuchs an qualitativ hochwertiges Liedgut heranzuführen, eignet sich das Album sicherlich auch. Ich würde mir aber wünschen, dass TUSMØRKE bald noch eine “Erwachsenenversion” der Scheibe veröffentlichen – ohne Kinderchöre (und am besten auch ohne Chipmunks-Gerappe). Der Nachwuchs kann dann ja, gesanglich gereift, zu einem späteren Zeitpunkt wieder in das Geschehen bei TUSMØRKE eingreifen.

09.11.2017

- Dreaming in Red -

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