Verdunkeln - Weder Licht Noch Schatten

Review

Fünf lange Jahre mussten Fans der Aachener VERDUNKELN seit dem absolut einzigartig stimmungsvollen “Einblick In Den Qualenfall” auf neues Material der Band warten und nur durch vereinzelte Auftritte halfen VERDUNKELN, diese Zeit zu überbrücken. Vor einigen Tagen erblickte “Weder Licht noch Schatten” endlich das Licht der Welt – nur, um es für den Hörer knappe 50 Minuten lang mit einem tristen, verfinsterndem Schatten zu überziehen.

Denn, ebenso wie schon “Einblick In den Qualenfall”, hüllt “Weder Licht noch Schatten” den Hörer auf eine wirklich unnachahmliche Weise in eine verschlingende Dunkelheit, nimmt ihn gefangen, nagt an ihm und lässt ihn nicht wieder los. Doch wer nun meint, dass eine solch finstere und einnehmende Atmosphäre nicht wenige Black Metal-Bands zu erschaffen vermögen, der kennt VERDUNKELN nicht. Denn während die meisten Bands diese Stimmung durch Kälte, eine gewisse Erhabenheit und Aggression kreieren, arbeiten die Aachener mit völlig anderen Stilmitteln und sprechen so ganz andere Gefühle des Hörers an. Die fünf Titel des Albums sind nicht kalt oder erhaben, sondern eher distanziert, hoffnungslos, wecken ein Gefühl von Isolation, Verzweiflung und Einsamkeit, ohne zu frostig und überheblich zu klingen. Sie sind keinesfalls stumpf aggressiv und attackierend, sondern durch die teils sogar etwas rockig-doomigen Grundriffs und die hypnotischen Wiederholungen eigentlich eher ruhig und bedächtig, wenn auch bestimmt, drückend und kantig.

Erzeugt wird dieser außergewöhnliche Charakter der Titel durch unzählige Details in der Musik und im Sound der Band. Die schon angesprochenen Wiederholungen machen einen großen Teil der durchdringenden Wirkung des Albums aus. Die gewollt etwas windschiefen Gitarren sowie deren absolut VERDUNKELN-typischer Sound sorgen für eine gewisse Reibung und Undurchsichtigkeit der Musik und nicht zuletzt die abwechslungsreichen und sehr markanten Vocals Gnarls, der sowohl charakterstark klar singt, klagend kreischt und knurrt, komplettieren den unverkennbaren Stil der Band. Auch die etwas matschige, ruppige und mit viel Hall versehene Produktion, die ich bei jeder anderen Band wohl kritisieren würde, unterstützt die Wirkung der Songs, ja macht sogar einen Teil dieser aus, denn mit einem modernen, klaren Sound, wären VERDUNKELN kaum noch VERDUNKELN.

Zu guter Letzt bleibt zu sagen, dass man sich “Weder Licht noch Schatten” keinesfalls mal eben zwischendurch anhören kann. Diese Musik verlangt, dass man sich auf sie einlässt, sich ihr vollkommen hingibt und kann nur dann ihre Wirkung entfalten. Auch werden diejenigen, die mit der Band bisher nicht vertraut sind, erst testen müssen, ob sie Zugang zu den sperrigen Songs finden. Doch diesen Versuch ist “Weder Licht noch Schatten” mehr als wert.

15.06.2012

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