Voivod - Phobos

Review

Galerie mit 14 Bildern: Voivod - Leafmeal Festival 2016

Der VOIVOD ist wieder mächtig. “Phobos” reisst uns hoch. Wir hören die schneller werdenden Impulse des Traktorstrahls, immer höher frequentierende Amplituden und das urplötzliche Etablieren der Warpgeneratoren. In wenigen Minuten werden wir in die Umlaufbahn des Merkurs eintreten, gerade genügend Zeit, sich vom medizinischen Personal untersuchen zu lassen… Jemand, der Voivod nicht kennt und diese Zeilen liesst, wird mich wahrscheinlich reif für die Anstalt halten. Jepp – komm mit. Denn im geschlossenen Raum, eingesperrt mit dieser brachialen Scheibe, wirst Du nach 2 Stunden Dauerbeschallung niemals wieder auf den Boden der Realität zurückfinden.

Mit einem Paukenschlag donnern VOIVOD nach effektvollem Intro los. Rise ist ein typischer Wälzer, der den Negatron-Begeisterten plätten wird. Noch fiesere Gitarrengeschwader, noch hasserfülltere Vocals, noch zerreissendere Schlagzeugtiraden. VOIVOD bläst gleich zu Beginn alles weg, was ihm im Weg steht… Ich denke, man kann gut erkennen, wohin die Reise mit “Phobos” geht – Eure Phantasie ist gefragt. Lasst Euch einfach fallen und VOIVOD reissen Euch in eine atemberaubende Science-Fiction-Welt. Die musikalische Vollbedienung der infernalen Art.

Einzelne Songs hier beschreiben zu wollen ist absolut unmöglich, da VOIVOD-Scheiben erst im Komplettdurchlauf ihren vollen Sinn ergeben und diesen interpretiert dann jeder völlig unterschiedlich. Mit “Phobos” haben sich VOIVOD erneut steigern können. Sie haben Ihren Weltraumsound noch weiter präzisisiert und heben sich in meinen Ohren wertvoll von “normaler” Musik ab. VOIVODs Stil ist und bleibt einmalig, abgedreht, nicht definierbar und schwer in Worte zu fassen. Natürlich werden sie auch mit “Phobos” keine grossartigen Umsätze verbuchen, denn sie drehen der Massenkompatibilität eiskalt den Rücken zu.

Gewiss ist die Techno-, Rave- und Industrialszene für harte Gitarren empfänglicher geworden, aber auch Fans dieser Genres werden sich an “Phobos” nicht recht erwärmen können. Eingefleischte VOIVODen werden dafür wieder einmal üppig bedient.  Denis’ abgefahrene Gitarrenarbeit (für mich einer der originellsten Gitarristen dieses Planeten) stopft leichthändig jedes Soundloch, welche bei anderen Bands originellerweise mit einem Keyboard überdeckt werden, weil’s so natürlich leichter ist. Michel ist über die Jahre zu einem enorm facettenreichen Schlagzeuger gereift. Seine Figuren heben sich wohltuend von der Masse ab und er reiht sich nahtlos in die Reihe meiner Lieblingsschlagzeuger ein. Eric Forest hat Snake inzwischen vergessen lassen. Diese enorm kranken Schreie (Hilfegesuche?) über 67 Minuten vollkommen überzeugend rüberzubringen, muss ihm erstmal nachgemacht werden. Sein Basspiel ist zwar nicht sehr vielseitig, kann jedoch durch gutes Timing und feinen Spitzen Höhepunkte setzen. 10 Punkte für diesen Klassiker, der eindrucksvoll die Grenzen zwischen Kunst und Musik verwischt.

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11.10.1999

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2 Kommentare zu Voivod - Phobos

  1. Stephan Ohlsen sagt:

    Wow! Die treffendste Voivod-Kritik, die ich jemals gelesen habe! (Auch wenn wir Snakes großartige Vocals wohl niemals vergessen werden.) Herzlichen Glückwunsch dafür, denn längst nicht jeder, der Gott begegnet, erkennt ihn auch!

    10/10
  2. Anonymous sagt:

    Interessantes Album, mit einer kosmischen Atmosphäre, für die sowohl die Gitarrenriffs, als auch "industrialisierte" Vocals sorgen. Spacey, surreal & dunkel…würden auf diese Veröffentlichung gut zutreffen, denke ich…es gibt aber besseres von Voivod….liv

    8/10